Besser, schlechter, volles Programm, ist doch eh alles relativ. Machen kann man viel, wenn man weiß wo man hin will. Mittlerweile steht doch für die gängigen Fälle eh schon alles irgendwo, sogar schon in den jeweiligen Katalogen. Der Kopf vom Gravie ist gut, keine Frage, alles andere auf dem Markt kann prinzipiell auch das, was es verspricht, meistens sind es die Piaggio-Teile, die einer genaueren Betrachtung bedürfen. Wenn denn mal alles so tut, wie es soll, dann muss es doch nicht immer gleich das volle Programm sein. Mit lesen und ein bischen forschen kommt man doch auch schon ganz schön weit, in Abhängigkeit davon, wo der individuelle Anspruch liegt. Hier zur Verdeutlichung mal mein Scheiß: Ich hatte den 10PS Zylinder bei meinem Vater runter und irgendeinen neuen 12PS draufgebaut, keine Ahnung wo der herkam, war nicht Piaggio. Die Kiste lief danach ziemlich scheiße. Ich habe da ewig rumbedüst und eingestellt, die kam nicht aus dem Quark und klingelte sich bei Vollast zu Tode. Der 3. ging bis knapp 95 Tacho, im 4. kackte das Ding bei 96 aufrecht sitzend ab, selbst mit drauflegen waren da keine 100 drin. Damals noch keinen Schimmer von Steuerzeiten etc., also rumprobiert, Schieber/Luffi/Düsen rein raus, Rallykopf rauf runter, Elestart Lüra rauf runter. NIX. Korken im Arsch ! Was hat mich das angekotzt. Letztes Jahr habe ich die Kiste dann mal zerlegt und den Zylinder vermessen. Kolbenunterstand in OT ziemlich genau 1,8, so wie bei SIP beschrieben. Steuerzeiten ÜS so wie bei SCK beschrieben, allerdings ÜS rechts DREI GRAD mehr als ÜS links. Auslass war EXTREM weit unten, der sollte ja irgendwo zwischen 23-24° VA haben, aber meiner war da unter 20°. Darauf hin habe ich mal ein bischen die Lauscher gespitzt und u.a. von Zylindern mit drei (!) Fußdichtungen ab Werk etc. gehört, also anscheinend ÜBLE Serienstreuung. Kein Wunder also, dass manche 10PS Motoren fast so gut wie die mit 12PS laufen - und umgekehrt ! Mein Vater hatte mich immer angenölt, dass die Karre so langsam lief. Also habe ich quasi Minimalaufwand-Stecktuning verbaut: BGM-LHW (billiger als Pinasco, aber same-same), MMW-Kopf und SIP-Road. Elestart-Lüra hatten wir schon. Ich habe da am Block nichts gefräst, keinen Bock und keine Zeit. Der Zylinder hat ne dicke Fußdichtung bekommen. Ich wollte irgenwo bei 175/125 landen. Jetzt haben die ÜS 125°LI/128°RE, die Kanäle machen ganz auf, die Auslass-Oberkante habe ich dahingehend mit dem großen Papierschleifer weggemetzgert und rechts und links mit großem Radius verrundet (dicke Ringe), so dass ich jetzt bei ca 174° bin. QK habe ich jetzt irgendwo bei 1,3-1,5, weiß gerade nicht mehr auswendig, ob ich nur 0,8 oder 1,0 unterlegt habe. Alles andere ist standard. Mit der BGM Welle ist bei Uhrzeigersinn-Anschlag die Zündung auf ca. 19°. An der Bedüsung habe ich auch nichts verändert (HD 120). Und siehe da: Auf einmal hat das Ding ab der Mitte bis oben richtig Kraft und will drehen. Wenn man den Hahn offen lässt, dann zwiebelt sie sich mit Nachdruck bis Tacho 120 hoch (aufrecht), bei Tacho 100-105 fühlt sie sich richtig wohl und bleibt auch bergauf gut dabei. Gefühlt würde ich behaupten wollen, dass da jetzt endlich mal fast alle 12PS am Rad ankommen. Ne Rakete ist es jetzt nicht, aber es ist deutlich besser als original und ausreichend gut zum Tourenfahren, und schwierig war das jetzt auch nicht. Und ich musste dafür nichts rum-drehen, -schweißen, -ovalisieren oder -lippen, teure Werkzeuge oder Dienstleistungen kaufen etc. . Überlegen musste ich mir, welche Teile ich kaufen soll, was vom Aufwand und finanziell überschaubar war (und im Zuge z.B. einer Motorrevision eh passiert). Bearbeiten musste ich den Auslass, was hier auch ohne Dremel ging. Messen musste ich die Steuerzeiten, die QK und die Zündung. Und es ist nichts irgendwie unwiederbringlich verbastelt oder auffällig, einfach nur "optimiert", man kann das i.d.R. auch dem TÜV so unterjubeln (LHW merkt kein Mensch, Auspuff ist evtl. ein Thema wenn sich die Burschis dort auskennen).