Wenn ich für eines dankbar bin dann dafür, dass ich nicht mehr zur Schule gehen muss. Kleiner Exkurs und Off-topic: Im Rückblick war es lustiger, als es tatsächlich war. Von der 5. bis zur 9. Klasse war mein Leben geprägt von grauenvollen Ängsten, weil ich wie üblich auf die seit 2 Wochen anstehende Klassenarbeit nicht gelernt hatte und nun einen Tag vorher bis nachts am Schreibtisch saß, um in Miniaturschrift unzählige, ellenlange Spickzettel zu schreiben, auf denen Formeln oder sonst was stand, die ich aber nicht verstanden hatte und daher auch nicht anwenden oder umformen konnte. In den Klassen 10 bis 13 kam dazu, dass ich zwar etwas mehr bzw. gezielter lernte, aber gleichzeitig anfing, mich mit Kumpels und zwielichtigen Gestalten bis spät abends/nachts herumzutreiben, so dass ich morgens totmüde im Unterricht saß und später dazu überging, öfter mal die ersten beiden Stunden zu fehlen ("Mudda, die beiden Mathestunden heute morgen fallen aus"). Ich schummelte und lavierte mich so durch. In den Fächern, in denen ich gut war, musste ich nichts lernen und blieb gut, in den Fächern, in denen ich schlecht war, tat ich kaum einen Handstreich und blieb schlecht. Sport war ich prima, Chemie schwänzte ich. Mit den Eltern liefs ab 16 auch nicht, denn ich war Waver (kennt eh keine Sau), hörte Sisters of Mercy u.ä., trug einen schwarzen Ledermantel bis zu den Knöcheln, einen Nietengürtel aus der Kings Road in London, Nietenarmbänder, Augen mit schwarzem Kajal ummalt und Schuhe (brutal spitz, schwarz und seitlich vier Schnallen) ähnlich denen der Leningrad-Cowboys, gekauft im Booster in Zürich, wo man zu der Zeit solchen Kram herbekam. Auch fing ich an zu rauchen wie ein Schlot. Bei den Lehrern kam mein Aussehen fast so "gut" an wie bei meinen Eltern und mein Bruder saß gleichzeitig am Tisch, war Popper, trug Jackets, hörte Wham und fuhr ein Pegasus-Mofa. Ihn liebte man, mich hasste man.* Wir schlugen uns viel. Ne, es war keine angenehme Zeit und mit Sicherheit u.a. alles Schlüsselgründe für meine deformierte Psyche. *Und genau das ist der Grund, warum mich der Film "Quadrophenia" immer fasziniert hat, den viele so scheiße und lahm finden. Es sind nicht nur die Lambrettas und Vespas, das Geficke in Badewannen und Hinterhöfen (auch, na klar), nicht nur die Riots mit den Rockern, die vielen Pillen unter Pork-Pie-Hüten, sondern der Film ist vor allem ein Aufschrei einer gequälten, sich heute liebenden und sich morgen hassenden Seele (Jimmy = Diggler), dessen innere Zerrissenheit ihn fast auffrisst und die ihn in seinem Wahn und dem Nachhetzen nach seinen Idealen sprichwörtlich "an die Klippen bringt", wo er für einen knappen Moment dem selbstgewählten Tod gerade noch so von der Schippe springt. Wer diesen Film scheiße findet, der hat ihn vielleicht nicht verstanden bzw. der kann sich vielleicht nicht hineinfühlen, weil er diese Zerrissenheit eventuell in diesen Jahren des Erwachsenwerdens nie durchlebt hat. Ich habe nicht selten Gänsehaut, wenn Jimmy durch das nächtliche Brighton fährt, am Strand sitzt und THE WHO ihr "I'm one" dazu spielen Ich glaube, ich lege heute Abend die DVD wieder ein, so wie jedes Jahr 3-4 Mal. Und mir würde etwas fehlen, wäre ich nicht 2007 mit einer coolen Bande zusammen und ich auf meiner Lambretta GP von Dover über Brighton auf die Isle of Wight gefahren. Und als ich am Strand von Brighton saß und die Wellen rauschten, hatte ich härter als alle Kiesel zusammen die da so rumlagen.