Gerne: 1990 habe ich nach dem Abi/Bund vier Monate auf dem Bau gearbeitet, in Zeiten, als Arbeitsschutz ein Fremdwort war und die Betonwerke vor Weihnachten ihren Mischerfahrern kistenweise Mariacron auf den Beifahrersitz stellen, um die Baustellen damit zu versorgen. Wenn grad nicht Weihnachten war, wurde anstatt Mariacron „dä Diplomaat vonnem Aldi“ im Kaffee genossen, ohne den ging es nicht! So begab es sich, dass ich eines schönes Septembermorgens im Schäferwagen der niederrheinischen Bauklitsche auftauchte („Dat is dä Knut, dä geht bald Studieren“), nachdem die Bundewehr mich nach sechs Wochen nicht mehr wollte! Ich packte also dort hart zu, wurde aber von den Kollegen geschnitten, wo es nur ging. Sachen wie „Einstand“ waren mir unbekannt! Nach zwei Tagen kam abends Kollege Heinz zu mir und sagte: „Hömma, Student! Wennde hier die vier Monate glücklich sein willst, dann gib ma Einstand! Jehse nachem Aldi, da steht rechts dä Diplomaat! Den bringse morgen ma mit!“ Gesagt getan, Gutwetter allenorten! Da es neben Weihnachten und Einstand auch andere besondere Anlässe gab, die mit Diplomaat begossen werden konnten, war es Usus, dass auch zu Geburtstagen eine Flasche ausgegeben wurde. Kollege Willy, ein Alki, der unter Stoff Top Verblendungen mauern konnte, nüchtern jedoch nichts auf die Kette bekam, hatte Geburtstag. Wir wussten, dass seine Olle ihm immer eine Flasche mitgab. Als er seine Flasche bis zur Frühstück nicht ausgegeben hatte, sollte ich herausfinden, ob in seiner Tasche vielleicht etwas zu finden ist. Und wirklich war dort eine angebrochene Flasche. Kurzerhand wurde eine leere Flasche zu dreiviertel mit Schalöl gefüllt du anstatt dem Schnaps in Willys Tasche deponiert! Als er dann das nächste mal heimlich in den Wagen schlich, standen wir alle gespannt auf den Gerüsten! Das gab ein Gebrüll… und die dreiviertel Flasche Diplomaat zum Mittag! Eines kalten und nebligen Novembermorgens, die Betonwerke hatten ihre Lieferung noch nicht getan, wurde ich vom Kollegen Helmut wieder mal „nachem Aldi“ geschickt. Ich war froh, dass ich meine kalten Glieder in der wohligen Wärme der Aldi-Filiale aufwärmen konnte, griff zielgerichtet und geübt nach dem Diplomat und stellte mich in meinen versifften Klamotten an der ca. 20 m lange Hausfrauenschlange an. Die Blicke konnten töten! Ich träumte kurz vor mir her, als ich durch den Ruf der Kassiererin in die kalte Realität zurückgerufen wurde. Sie Stand auf, guckte mich an und rief Hella von Sinnen mäßig: „HAMM SE NUR Dä DIPLOMAAA-HAAT?“ 100 böse Hausfrauenaugen fixierten mich. Auf mein kleinlautes „ja“ brüllte Sie dann:“ DANN KOMMSE MA NA VOANE!“ Auf meinen Weg zur Kasse fühle ich mich wie beim Lauf durch die Knüppelgasse, zahlte dann schnell und der Aldi warf mich wieder hinaus in den kalten Novembermorgen. Hach, dat waren Zeiten!