Da sind wir mal wieder. Wird ja auch wirklich Zeit. Unser kaputtes Laptop lies sich nicht in wirtschaftlich sinnvollem Rahmen reparieren. Also haben wir es nach Bremen an meinen MiBeWo Jan zurueck geschickt. An dieser Stelle Dank an den bisher vernachlaessigten Jan, der uns immer wenn wir es brauchen aus Bremen unterstuetzt, nach guenstigen Uebernachtungsmoeglichkeiten sucht und auch sonst immer fuer jedwede Recherche zur Verfuegung steht. Der Versuch in Linz ein neues Laptop zu erwerben scheiterte an unserer Reisekasse und an dem MediaMarkt in Linz, der offensichtlich gar kein Interesse hat etwas zu verkaufen: 3% Skonto fuer ein Ausstellungsgeraet ohne Garantie in Deutschland....Nein Danke. Nach Linz wollten wir wieder bis Koetschach durchfahren, wo wir bekannterweise schoen und guenstig zu naechtigen gedachten. Die Vespa sah das voellig anders. Irgendwas stimmte mit der Benzinzufuhr nicht. Beim Versuch den Schlauchanschluss vergaserseitig fester zu ziehen hab ich mal festlich das entsprechende Gewinde im Vergaser zerstoert. Die Schraube war einfach irgendeine, ein paar Gewindegaenge zu kurz, und schliesslich hat der Vergaser meinen Bemuehungen nicht standehalten. Nachdem ich diesen Punkt mit ausreichen Loctite-Fuegen-Welle-Nabe behoben und Benzinkupplung und Benzinfilter rausgeworfen und den Vergaser gereinigt habe, geht alles aber wie geschmiert. Die Benzinkupplung ist auch inzwischen wieder drin also wird wohl der Filter fuer die hohen Drehzahlen bei Bergabfahrt einfach zu wenig durchgelassen haben. Damit war Koetschach an diesem Tag nicht mehr zu erreichen. Wir mussten das Naechste nehmen was es gab und hatten Glueck! Manchmal ist es fast so als wolle die Vespa uns mit ihren Zicken immer an einen bestimmten Ort lotsen. Wir haben ein Gaestehaus der oesterreichischen JuFa gefunden was soetwas wie eine privat gefuehrte Jugendherbergskette ist. UND: Das ganze war in einem echten Schloss untergebracht! Schloss Roethelstein. Wer mag kanns googlen. Einfach schoen. Im Burgzimmer mit runden Fenster und unglaublichen Blick auf das unter dem Schloss liegende Tal und die Alpen. Als wir ins Zimmer kamen war mein erster Gedanke: "Was fuer ein kitschiges Bild an der Wand", aber es war nur das Fenster. Die Nacht hat unsere ohnehin schon knapper Reisekasse etwas strapaziert aber wir haben den Aufenthalt sehr genossen. Es gab einen Rittersaal, ein Schuetzenzimmer, eine Rauchkueche, einen ummauerten, sehr romantischen Innenhof und das Fruehstueck war delizioes. Dennoch mussten wir am naechsten Tag weiter. Zum einen rief uns der Asphalt der Straße, zum anderen, wie gesagt, nicht unsere Preisklasse...eigentlich. Von Roethelstein ging es dann Problemlos nach Koetschach-Mauthen, wo wir tatsaechlich drei Tage kleben geblieben sind. Es war einfach zu schoen. Wir haben drei (irre) Slovaken getroffen, die in der Gegend im Auftrag der Telekom herumfahren und die Netzabdeckung fuer Mobiltelefone und mobiles Internet festellten. Immer mit nem Laptop auf dem Schoss, schon drei Unfaelle gehabt habend und trotzdem bester Stimmung. Gruss an Rado, Martina und Andreasch (schreibt man das so?) die mich andauernd und unaufgefordert mit Jaegermeister versorgt haben. Es war toll mit Euch. Ausserdem haben wir jetzt einen Schlafplatz in der Slowakei, die ich in Gespraechen immer wieder Slovenien genannt habe. Rado: "Fahr nicht nach Slovenien und ruf mich dann an um mir zu sagen, dass ihr da seid! Slovakei! Nicht Slovenien!" Na, das kann man ja mal verwechseln.... Ausserdem trafen wir in Koetschach auch Katrin, eine der Guides fuer die Aktivitaeten des Fit-Fun-Hostels (Raftig, Canyoning, etc.). Eine Vollzeitalternative auf der Suche nach Buergerlichkeit, der wir von Herzen wuenschen, dass sie die Buergerlichkeit nie finden wird. Bleib wie Du bist! Du hast uns inspiriert und unsere Reise bereichert und wir wuerden uns freuen dich einmal in Bremen als Gast begruessen zu koennen. Ueber die herzlichen Begegnungen hinaus, habe wir von Koetschach aus einiges unternommen und erlebt.Am ersten Tag habe ich endlich den "Mega-Dive" aussprobiert. Eine Attraktion des Fit-Fun-Hostels, die ich schon auf unserer letzten Fahrt bewundert habe aber nicht ausprobieren konnte, das wir spaet im Jahr unterwegs waren und diese Einrichtung schon geschlossen hatte. Diesmal hat es aber gelappt. Ich erklaer das mal kurz: Man nehme sich, notfalls mit Gewalt, eine uebliche Autobruecke die ueber ein Alpental fuert. Unter die Bruecke haenge man an 55m langen Stahlseilen eine Stahlkonstruktion in der drei Personen an Riemen haengend Platz finden. Nun nehme man eine starke Seilwinde und platziere diese auf einem der Berge, die das Tal einrahmen und ziehe das Konstrukt mit den drei Menschen daran hinauf bis in die Horizontale. Dann wir ausgeklingt.... Das Ganze ist dann die groesste Schaukel Europas und bereitet wirkliche Todesangst! Aber ich habe es getan und es war gut so. Leute, Leute, Leute...das muesst Ihr mal versuchen! Nebenbei haben wir in Bergbaechen geplanscht, sind dabei fast erfroren (Wasser ist so kalt wenn es direkt aus den Tiefen eines Berges hervorschiesst) und unseren Durst an dem besten und saubersten Wasser gestillt, das dieser Kontinent zu bieten hat. Herrlich, herrlich, herrlich.... Am zweiten Tag sind wir die Grossglockener Hochalpenstrasse abgefahren. Auch ein Genuss, der uns auf der letzten Reise entging, da die Strecke bereits wegen Schnees gesperrt war. Die Hochalpenstrasse ist eine Panoramastrasse entlang der hoechsten Bergzuege Oesterreichs. Ein Dutzend Paesse auf einer Stecke von 45km, alle mehr als 2000m hoch. Jenseits der Baumgrenze. Wir haben diesmal die insgesamt ueberwundenen Hoehenmeter nicht wirklich gezaehlt aber eine vorsichtige Schaetzung lag bei etwas mehr als 15000 Metern. Als Belohnung gab es wunderbare Aussicht, Gletscher ganz in echt, sogar noch ein wenig Schnee im August und einen schicken Aufkleber zum angeben fuer die Vespa. Bereits bei der Anfahrt sind uns zwei Vespen aufgefallen, die wir mit viel Vollgas und ein wenig Glueck an einem Rastpunkt einholen konnten. Tom und Clara waren gleich Freunde und wir sind die Route zum grossen Teil zusammen abgefahren. Es war super mit Euch! Die Beiden waren mit einem Begleitfahrzeug unterwegs (Frau, Freundin, Kind) und beide Partner der Vesparistas waren irgendwas mit Unfallchirurgen oder sowas. Auf jeden Fall beruhigend. Prompt wurden wir bei der Abfahrt von der Franz-Joseph-Hoehe Zeugen eines schweren Unfalls zwischen einem Mercedesrentner und einem Rennradfahrer. Klar wer da verloren hat. Das Begleitfahrzeug mit den qualifizierten Insassen blieb zwecks Hilfeleistung zurueck, der Radfahrer wurde per Heli abtransportiert und fuer uns ging es schließlich weiter. Unser Respekt gilt allen Radfahren, die wir in den Alpen trafen. Menschen, die mit sich und gegen sich kaempfen und das alles in einer Natur die so hoch in de Bergen keine Gnade kennt. Ihr seid die einzigen vor denen wir uns verneigen. Genau das Gegenteil stellen fuer mich inzwischen die BMW-GS fahrer dar. Zu viele, zu einfach, zusehr diesseits der Wohlfuehlzone. Autofahrer auf zwei Raedern, die sich fuer Biker halten. Laecherlich. Schweren Herzens konnten wir uns dann von Koetschach trennen und es ging weiter nach Venedig. Italien hat uns von Anfang an mit Sonne verwoehnt und gestraft. Unsere Mopedklamotten kleben und haengen wie Blei an uns. Irgendwann in der Tiefebene vor Venedig hatten wir keine Wahl mehr und liessen die Jacken weg. Der Hitzschlag wurde wahrscheinlicher als ein Sturz. Wir ahnten ja noch nicht was noch kommen sollte. In Venedig haben wir so ziemlich auf Anhieb einen netten Campingplatz gefunden, wo wir den billigsten Bungalow bezogen, den es gab. Genaugenommen war es bloß ein Alucontainer mit einem Bett darin. Immerhin stand das gute Stueck im Schatten eines Baumes, was allein den Aufenthalt im Inneren ermoeglichte. Es sollte auch nur fuer eine Nacht sein und wir waren frueh genug dran um am Abend noch mit dem Bus (Parkticket in Venedig fuer die Vespa kostet 20 EUR fuer einen Tag...jaja) in die venizianische Altstadt zu fahren. Waehrend wir auf den Bus warteten, der so ungefaehr eine ¾ Std. verpaetet kam (Welcome in Italy) lernten wir eben dort den Christian kennen, der fuer das Deutsche Jugendherbergswerk arbeitet und selbst gern Urlaub fuer kleines Geld macht. Da er sich als studierter Geographielehrer zu erkennen gab und zudem ueberaus symphatisch war haben wir uns waehrend unseres Stadtrundganges an seine Fersen geheftet. Nichtsdestotrotz haben wir und in den verwinkelten Gassen Venedigs prima verirrt und daraufhin den allerletzten Bus zurueck nehmen muessen. Die Beschilderung dort ist derart sparsam und die an die Touristen ausgegebene Karten so schlecht, dass beim Dunkelwerden ueberall Touristen zu finden waren, die verzweifelt mit dem voellig unbrauchbaren Kartenmaterial hantierten. Scheinbar steckt ein Plan dahinter... Trotzdem war Venedig schoen. Wir haben Pizza und Eis gegessen und uns auf der Rialtobruecke gekuesst (also ich und Jana....nicht Christian) Was Touris in Venedig halt so machen. Danke Christian fuer den netten Abend mit Dir und fuer deine innere Ruhe als ich schon dachte wir kommen da nie wieder raus. Spaet am Abend waren wir zurueck auf dem Campingplatz um nach nur 3 Std. Schlaf wieder aufzubrechen nach Ancona. Wir hatten um 16:00 eine Faehre zu erreichen und noch 298km vor uns, was fuer uns eine große Tagesdistanz bedeutet. Es gelang uns eine Abfahrt um 5:05 Uhr. In der Morgendunkelheit viel auf, dass die Beladung des vorderen Gepaecktraegers das Scheinwerferlicht der Vespa halbiert. Auch nett. Geht aber dank H4 ganz gut. In den Vormittagsstunden liefen wir eine Tankstelle an und wurden vom Besitzer Pietro herzlich willkommen geheissen. Er hatt selbst eine alte Vespa und war derart begeistert, dass er uns unbedingt einen Kartensatz zu Trivial Persuit mit Fragen zur italienischen Fussballnationalmannschaft schenken musste, die seine Tankstellenkette gerade anbietet. Das ganze natuerlich nur in italienischer Sprache. Leider sprechen wir gar kein italienisch und haben auch ueberhaupt keinen Platz so einen kleinen Karton mitzuschleppen. Aber wir konnten bei Pietros herzlicher Art einfach nichts abschlagen und fahren nun die kleine Pappschachtel im Handschuhfach mit uns herum. Vielleicht findet sich noch ein abnehmer, der italienisch spricht, gern TP spielt und auf Fussball steht. Zugegeben, eine recht kleine Schnittmenge.... Gegen 13:30 erreichten wir Ancona, begaben uns sofort zum Faehr-Schalter, bekamen problemlos unsere Deck-sleeper-Karte fuer die voellig ueberbuchte SUPERFAST XI und waren bereit an Bord zu gehen. Zuvor haben wir nicht mit Fressalien und 9l Wasser eingedeckt und sind dann, nun wirklich restlos ueberladen, aufs Schiff gerollt. Griechenland wir kommen! Am Morgen des 05.08. erreichten wir nach einer wunderbaren Ueberfahrt bei viel Sonne und einem milden, kuehlenden Wind den Hafen von Patras. Wir waren fuer Faehrverhaeltnisse gut ausgeschlafen, hatten noch in der Nacht nette Gespraeche mit zwei Tuerken die ausser tuerkisch nur franzoesisch sprachen, mit dem ich nicht und Jana nur bedingt dienen kann. Dennoch konnten wir Meinungen ueber Familie und Kinder austauschen, wozu unsere Ringe den Anstoss gaben, die fuer uns aber nur eine Tarnung sind um auch in konservativen Gefilden gemeinsame Zimmer und mehr Repekt fuer Jana zu ermoeglichen. Das haben wir dann aber nicht gesagt. Patras ist keine besonders schoene Stadt aber fuer uns das goldene Tor in den Sueden. Wir freuten uns auf einen geplanten Zwischenstopp in unserem Dauergeheimtip Katakolo und unsere Erwartungen wurden erfuellt. Unser alter Zimmerwirt hat uns quasi am Hafenbecken direkt waehrend meiner Bin-Angekommen-Zigarette abgefangen und gefragt wo wir so lange waren. Es war wieder ein tolles Zimmer frei, das wir sofort bezogen (Thx Jannis!). Ich schwelge hier nicht erneut herum, da es das alles schonmal gab. Wer es nochmal nacherleben moechte muss sich durch den Bericht der letzten Reise klicken. Zusammenfassend laesst sich sagen: Das Abendessen war der Oberhammer (Dicke Bohnen auf griechische Art fuer Jana und die besten Calamari Griechenlands fuer moi – Jimmies Taverne in Katakolo. HINGEHEN!), die Menschen behandeln uns wie alte Freunde und beschenken uns. Wir verlassen Katakolo nach zwei Naechten beladen mit Wein, Ouzo und frischen Feigen tuetenweise fuer lau. Griechenland eben. Zeigst du ihnen wie ihr Land dich erfuellt, lassen sie es dich erst recht spueren. Kein Raum fuer vornehme Zurueckhaltung. Unsere schoensten Begegnungen in Katakolo waren diesmal der Henning und der Alex. Henning, ein alter Berliner und 3/4-Aussteiger, dem nach viel Lebensstress (hauptsaechlich mit Frauen...) und einer langen Zeit in der Tschechischen Republick nur eine Tschechische Staastbuergerschaft, eine sehr kleine Rente und ein grosses, schoenes Haus in Griechenland geblieben ist. Alex, ein Schweiz-Grieche aus Luzern, der gleich unter zwei DJ-Pseudonymen unterwegs ist und Heimweh nach Griechenland hat(te). Wir haben uns grandios unterhalten, viel aus ihren Leben erfahren und Adressen ausgetauscht. Mal sehen, ob man sich mal wieder trifft! Taet uns freuen. Nach unserem Aufbruch aus Katakolo war es nur ein Katzensprung zu unser Gastfamilie in Dorio. Auf dem Weg dahin wurden wir bei einem Tankstopp von Dimitris quasi abgefangen. Ein 100% Aussteiger, der unbedingt mit uns Orangen auspressen wollte. Dimitris ist irgendwas in dern 60ern, stellt ganz tolle Moebel aus Olivenholz unter primitiven Bedingungen her und lebt unter freiem Himmel auf einem herrlich naturbelassenen Grundstueck. Wir verliessen ihn nach Stunden mit Literweise frischem O-Saft und der Anweisung wieder zu kommen und unser Portmonaie zuhause zu lassen... Wer gerne mal ein wenig Aussteigen will ist bei Dimitris herzlich wilkommen. Fuer ohne Geld. (Das Land liefert Obst und Gemuese uebers ganze Jahr, eine Dusche ist vorhanden). Kontakt bei Bedarf gern ueber uns. Tatjana und Stavros haben uns in Dorio wieder aufgenommen wie ihre eigenen Kinder und lassen es uns an nichts fehlen. Wir haben in einem neuen Bett auf einer neuen Matraze herrlich ausgeschlafen. Wir konnten unsere Waesche waschen, wurden bekocht, waen baden und Tatjana hat meine zerschlissene, kurze Hose genaeht.Wir sind startklar fuer die naechsten Kilometer und muessen es auch sein. Morgen fahren wir in fuer uns fremdes Territorium. Das erste Ziel ist Sparta, wo wir Koenig Leonidas huldigen werden in dem wir seine Statue fortografieren. Danach geht es ueber Filiatra, an Athen vorbei in Richtung Istanbul. Das Navi meldet von Dorio nach Istanbul ungefaehre 1300km. Etwas 2700 km liegen (ohne Faehre) hinter uns. Zudem ist es unerbittlich heiss. Die Hoechsttemperatur lag gestern Nachittag kurzzeitig bei 45.5° Celsius. Kein Witz! Ausserdem stehen Teile der Pelleponnes wegen der im Sommer oft vorkommenden Waldbraende in Flammen. was uns ggf. zu unerwarteten Umwegen zwingen koennte. Wir lassen uns nicht erschuettern und halten an unseren Plaenen vorerst fest. Istanbul ist Pflichtziel auch wenn die Zeit knapp wird und bei deutlich ueber 40° in unseren Motorradhosen (an denen wir festhalten wollen) nicht mehr wirklich von Vergnuegen gesprochen werden kann. Unsere Pannen und wir selbst haben uns Tage gekostet, die wir aufholen wollen, ohne dabei ins Hetzen zu geraten. Mal sehen ob wir diese Gradwanderung hinbekommen. Drueck uns die Daumen! Bis bald! Eure Jana und Moritz