Meine Tante ist Anfang der 70er-Jahre nach Schweden ausgewandert und hat dort geheiratet. In Schweden gibt es das sog. "Jedermannsrecht". Das ist ein Gewohnheitsrecht welches den Menschen zugesteht, die Natur überall betreten zu dürfen, unabhängig von den jeweiligen Eigentumsrechten und sich aber dort vernünftig benimmt, nichts kaputt macht und alles wieder so hinterlässt, wie man es vorgefunden hat. Und zum Beispiel darf man dort dann - wenn vorhanden - Beeren, Äpfel o.ä. zum (vernünftigen) Selbstgebrauch pflücken. Das schließt zum Beispiel auch mit ein, dass man Hütten/Grillplätze, die für Wanderer/Kanufahrer in der Natur eingerichtet worden sind, wieder so hinterlässt, wie man sie vorgefunden hat und wie man sie gerne vorfinden möchte. Und das heißt, dass dort jeder (!) wieder die Hütte mit Brennholz und Lebensmittel (soweit eine Zeit haltbar) für den Nächsten wieder auffüllt, zum Scheißen ein Loch aushebt und anschließend wieder zuschüttet und ansonsten so sorgsam und umsichtig mit der Natur umgeht, wie man es sich nur wünschen kann. Es handelt sich wie gesagt um ein Gewohnheitsrecht und in Schweden (wie auch anderen skandinavischen Ländern, ich meine auch in Norwegen und Finnland) hält sich dort jeder ganz selbstverständlich daran. Und zwar nicht, weil es strafrechtlich sanktioniert würde wen man es nicht tut, sondern weil es gesellschaftlich geächtet und ein "no go" ist. Man tut es einfach und jeder findet es richtig. Und es nutzt auch keiner aus. Ich war immer wieder verwundert, wie sehr man in Schweden (überhaupt in Skandinavien) Rücksicht aufeinander nimmt und wie sehr man sich dort an ungeschriebene Regeln hält. Bei verschiedenen Besuchen in Göteborg und sonst wo in Schweden, aber auch in Norwegen und in Finnland, ist mir immer aufgefallen, dass ich - obwohl ich mich für halbwegs rücksichtsvoll halte - eher der deutsche Trampel bin. Mein Onkel hielt außerhalb von Göteborg an einem Parkplatz mit dem Auto, wo man nur 10 Minuten halten soll (nicht darf, sondern soll). Man hatte dort einen schönen Blick auf Göteborg und das Meer. Wir stiegen aus und nach 9:30 Minuten sagte mein Onkel zu mir, dass wir nun zurück zum Auto müssten. Ich sagte "ist doch egal Onkel Björn, du stehst doch tipp topp dort und wenn man in Germany einen Parkplatz hat, dann bleibt man da stehen, völlig wurscht ob man diesen freimachen sollte." Mein Onkel sagte mir etwas pikiert:"Das macht in Schweden niemand. Wir fahren spätestens nach 9:59 Minuten wieder weg, denn es könnte ja ein anderer dort parken wollen. Das ist sonst nicht fair." Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass so ein "Jedermannsrecht" auch in Kanada so ähnlich existiert.