Zu Ihrem letzten Satz: Genau das ist jedoch der ziemlich normale Verlauf der Bildung von Mehrheiten, dort wo demokratisch gewählt werden darf. Natürlich gibt es in seltenen Fällen stabile Mehrheiten über Jahrzehnte, aber das nimmt mehr und mehr ab, schaut man sich den Verlauf der letzten Jahrzehnte in Landtagen und im Bundestag an. Ob das Ganze nun deshalb wenig sinnhaft ist, weil sich Mehrheiten heute nur noch selten über mehr als eine oder zwei Legislaturperioden halten, kann man so sehen, aber muss man nicht. Es ist so, dass eher schnellere Wechsel bestimmte Vor- und Nachteile mit sich bringen, so wie das auch stabile Mehrheiten über Jahrzehnte tun. Ich will diese nicht alle aufzählen, denn das dürfte bekannt sein. Aber egal wie stabil und dauerhaft Mehrheiten sind, bedeute Nichtwählen IMMER, dass damit die Einflussmöglichkeiten des Nichtwählers zu 100% gleich Null sind, während in den Fällen der Ausübung des Wahlrechts zumindest minimal kleine Einflussmöglichkeiten bestehen, wer nun nach der Wahl die Regierung bildet. Würde man alleine die Masse der regelmäßigen Nichtwähler zum Wählen bewegen, hätten diese durchaus Gewicht. Ich denke, die Zusammenfassung und die Ohnmacht dadurch zum Ausdruck zu bringen dass man sagt "ich wähle nicht, weil ist eh alles scheißegal" kann man machen und ist ja auch legitim. Ich weiß jedoch, dass das letztlich nicht hilfreich ist und am wenigstens für einen selber. Lieber wähle ich mit meinen minimalen Einflussmöglichkeiten diejenige Partei/denjenigen Kandidaten, die/der für mich von allen das kleinste Übel ist, als dass ich zusehe, wie das größte Übel ohne mein Zutun gegebenenfalls an Einfluss gewinnt. Und Demokratie als "Herrschaft des Volkes" bietet für mich nun mal nur u.a. das bescheidene Mittel, aktiv zu wählen was ich will und damit gleichzeitig das nicht zu wählen was ich nicht will. D.h. nicht, dass dann in der Folge immer die Politik gemacht wird, die ich in jedem Fall gut finde und vertreten kann. Aber ich habe zumindest versucht, mit meinen bescheidenen Möglichkeiten Einfluss zu nehmen. Diese Möglichkeit des Einflusses schöpfe ich aus und das nicht zuletzt auch für mein Gewissen und mein Verständnis von Demokratie.