Um die Frage "Kommt sowas wirklich vor?" zu beantworten:
Ich bin seit 25 Jahren im Rettungsdienst (über dieses merkwürdige "Pflichtjahr" dabei gelandet und geblieben) und seit 23 Jahren bei der Feuerwehr, die wie hier schon richtig stand den Rettungsdienst mit macht. So schlimm, wie es momentan ist, war es noch nie. Fall aus dem letzten Jahr: junger Mann fährt voll auf Droge einen Berg mit dem Fahrrad runter, überholt ein Auto, gerät in den Graben auf der Gegenseite, der schlagartig durch eine Grundstückszufahrt unterbrochen wird. Nach Flug im hohen Bogen liegt er mit diversen Knochenbrüchen im Graben. Alarmiert ist ein Rettungswagen und ein Notarzt (den ich zur Einsatzstelle fahre). Entfernung für uns 28km, das Navi sagt 26 Minuten, wir schaffen die Strecke in 12 Minuten. Der Rettungswagen steht näher und hat dem Patienten bereits aus dem Graben geholt, es ist sofort klar, der Patient braucht ein Krankenhaus der Maximalversorgung, da gibt es für uns 3 mit dem Rettungswagen in annehmbarer Zeit erreichbare: Universitätsklinikum Bonn, Universitätsklinikum Köln und Kliniken der Stadt Köln in Merheim. Bonn ist das nächste, also rufe ich da an... Gespräch verläuft ungefähr so: "Hi, hier ist Marc von der Feuerwehr, könnt ihr einen Patienten, mitte 20, Zustand nach Verkehrsunfall, bewusstlos, Schädel-Hirn-Trauma nicht auszuschließen versorgen?" Antwort: "Unsere Schockräume sind alle belegt, versuch es bitte wo anders..."
Ok, nächstes ist Merheim, also da angerufen und mein Sprüchlein von oben wieder ausgesagt. Antwort: "Wir haben einen Schockraum, aber keinerlei OP- oder Intensivstationskapazität. Versuch es wo anders, wenn du gar nichts findest, meld dich noch mal..."
Also in der Uni Köln angerufen, vorher - in schlechter Vorahnung - bei der Leitstelle einen Hubschrauber bestellt, da die Zeit immer länger wurde. Hubschrauber gibt es für uns 2x Köln, einmal Koblenz, Siegen und Nürburgring, wenn gar nix anderes geht S.A.R. Nörvenich (der allerdings 1h Vorlauf braucht, dafür bei jedem Wetter fliegt). Köln und Siegen sind unterwegs, also kommt Koblenz. Wir haben den Patienten mittlerweile stabil und eingeladen, fahren also zu einem Platz wo der Hubschrauber landen kann. Das letzte Telefonat ergibt das es dort auch kein Bett für unseren Patienten gibt. Der Hubschrauber landet nach etwa 15 Minuten neben unserem neuen Standort, ich übergebe dem Helikopter Notfallsanitäter die Situation, er hängt sich an sein Telefon... Ende vom Lied: der Patient wird vom Helikopter ins Universitätsklinikum Wiesbaden geflogen, da ist als erstes sowohl Schockraum wie auch OP- und Intensivkapazität vorhanden.