Nach letztjĂ€hriger Pause geht es fĂŒr die Juniorenfraktion der Ortenauer dieses Jahr endlich wieder auf Tour. Ende Juni fĂŒr 5 Tage mit dem Ziel Comer See. Viermal PX. Anders als die Altherrenfraktion, die eine Woche spĂ€ter unterwegs ist und wieder einmal alle Tage ohne Regen durch kommt, erwischt es uns halt wieder wie jedes Mal, aber dazu spĂ€ter mehr. Wir treffen uns am Freitagmorgen um 5:30 Uhr, da wir ziemlich viel Kilometer am ersten Tag vor uns haben. Doch schon vor dem eigentlichenh Start zeigt sich: Die Vorfreude hat bei manchen deutliche Nebenwirkungen. Einer der Truppe ist so heiĂ auf die Tour, dass er den Kalender kurzerhand um einen Tag nach vorne schiebt und felsenfest davon ĂŒberzeugt ist, dass bereits Donnerstag Abfahrt ist. Nur eine kurze WhatsApp Konversion am Mittwochabend bewahrt ihn davor, am nĂ€chsten Morgen als alleiniger Teilnehmer geschniegelt am Treffpunkt zu stehen. Aber wer sich das ganze Jahr so auf diesen Tag freut kann schon einmal den Bezug zu Raum und Zeit verlieren und bringt selbst das seit Monaten unverĂ€nderte Datum im Gruppennamen durcheinander. Passiert. Der nĂ€chste weiĂ bei Abfahrt nicht ob es Richtung SĂŒd oder Nord geht, aber auch das ist nebensĂ€chlich, die âNavisâ kleben auf dem Lenker und wir sind alle VollstĂ€ndig mit fahrbarem Untersatz beim Treffpunkt, dass ist jetzt erstmal alles was zĂ€hlt! Wie immer gehtâs auf der Autobahn bis nach Rheinfelden wo wir in die Schweiz fahren. Ăber Land und unzĂ€hligen Dörfern gehtâs vorbei am malerischen Walensee, bei dem es bei schönstem See und Bergblick das erste KaltgetrĂ€nk gibt. Das Thermometer zeigt weit ĂŒber 30 Grad an. Weiter gehtâs ĂŒber Landquart Richtung Davos wo es dann links hoch endlich auf den ersten kĂŒhleren Pass geht, dem FlĂŒelapass. Nahtlos wechseln wir auf den Ofenpass, um durch den einspurigen Tunnel nach Italien Richtung Livigno zu wechseln. Wir liegen allerdings so gut in der Zeit, dass wir uns vor dem Tunnel entscheiden den groĂen Bogen ĂŒber Umbrailpass und Teile des Stilfserjoch ĂŒber Bormio zu fahren. Kurz noch ein Kaffee in schönster Bergkulisse und wir bezwingen den Umbrail. Mit Abstand der schönste Pass des Tages, zum GlĂŒck waren wir so gut in der Zeit. Es ist kurz vor 18 Uhr, wir sind ziemlich alleine auf dem Pass, herrlich. Jetzt aber Gas, fĂŒr die Passhöhe des Stelvios haben wir leider keine Zeit mehr. Aber da waren wir ja auch schon. Es geht wie im Flug das Joch runter und bei Bormio biegen wir ab auf den Passo Foscagno bis nach San Carlo wo unser Hotel ist. 498km stehen nach diesem Tag mehr auf dem Tacho. Bei lecker Pizza und Bier lassen wir den Tag ausklingen und fliegen erschöpft ins Bett. Uns lacht die Sonne durchs Fenster an, ab zum FrĂŒhstĂŒck damit wir los kommen. Alles verstaut gehtâs hoch auf den Passo Foscagno und links vorbei an Livigno um rĂŒber zum Berninapass zu gelangen. Da in Livigno zollfreie Zone ist, kostet der Liter Benzin rund 1,40 âŹ, verrĂŒckt! Aber natĂŒrlich sind die Tanks noch so voll das sich tanken selbst bei dem Preis nicht lohnen wĂŒrde. Bei bestem Wetter gehtâs dann ĂŒber den Pass und unten biegen wir links ab nach St. Moritz um dann wieder hoch auf den Julierpass zu fahren. Kurze Trinkpause auf der Passhöhe und schon gehtâs weiter Richtung Thusis und SplĂŒgen wo es auf den gleichnamigen Pass hoch geht. Die unzĂ€hligen Kehren runter Richtung See sind atemberaubend. Atemberaubend sind allerdings auch die Temperaturen unten in Italien. Bei 80km/h Wasser in den Kniekehlen ist fĂŒr uns Premiere. Das Thermometer am StraĂenrand zeigt Stolze 38 Grad. Wir tanken zum gefĂŒhlt 28. mal und kommen endlich am Comer See an. Bei schönstem Seeblick gehtâs weiter auf der östlichen UferstraĂe bis nach Varenna wo wir die FĂ€hre nach Bellagio nehmen. Die Wartezeit wird mit KaltgetrĂ€nken ĂŒberbrĂŒckt. Kurz nochmal auf den Bock schwingen und schon sind wir in Lezzeno in unserem Hotel direkt am See. Es klebt alles, erstmal abkĂŒhlen im See. Da das Hotel Restaurant schon ausgebucht ist fahren wir Richtung Nesso und nehmen uns unterwegs Pizzen to Go mit uns essen diese am StraĂenrand. Auf dem RĂŒckweg zum Hotel wird noch kurz die ansĂ€ssige Dorfjugend mit ihren Mopeds geĂ€rgert. Kurzes Gasaufreisen des 221er Mallossi bei dessen Ăberholvorgang löst etliche hektische Bewegungen bei denen aus. ZurĂŒck im Hotel gibtâs noch das ein oder andere Bier bevor Bettruhe herrscht. Am dritten Tag bleiben wir den ganzen Tag am See, bevor morgen dann wieder die Heimreise startet. Wir frĂŒhstĂŒcken in aller Ruhe und fahren dann durch das Hinterland auf der Halbinsel. Schönste Kehren durch kleine italienische Dörfer. Wir kommen gegen 11 Uhr wieder in Nesso an und finden in einer engen Gasse eine kleine Bar, ruckizucki sind vier Spritz bestellt, bei dem es nicht bleibt. Es gefĂ€llt uns so gut, dass wir lĂ€nger bleiben und noch eine Kleinigkeit essen. Dann mĂŒssen wir aber wieder los, denn wir haben uns ein Boot auf 14 Uhr reserviert. Wir verbringen einen saugeilen Nachmittag bei bestem Wetter und kĂŒhlem Bier auf dem Kutter. Vom Wasser aus wirklich nochmal alles um einiges schöner und spektakulĂ€rer, vor allem die unzĂ€hligen Villen rund um den See. Architektonisch mit Abstand der schönste See in Italien. SprĂŒnge hin der bekannten BrĂŒcke in Nesso dĂŒrfen natĂŒrlich nicht fehlen. Der Verleiher war bei der RĂŒckgabe nicht ganz so amused, scheinbar hatte ihn die Carabinieri kontaktiert unseretwegen, halb so wild. Wir denken nur: âwieder typisch fĂŒr unsâ! Pizza mit Peroniâs und ab ins Bett. Vierter Tag der Reise und somit der Beginn der Heimreise, der leider etwas schlechter verlĂ€uft als geplant⊠Wir nehmen die FĂ€hre rĂŒber nach Menaggio und fahren in sĂŒdlicher Richtung bis nach Argegno und biegen dort ab ins Hinterland und fahren wunderschöne enge Kurven rĂŒber zum Luganersee, an dem wir den Bogen durch Morcote fahren. Eine Villa nach der anderen mit top gepflegten Palmenanlagen. Ein eher langweiligeres StĂŒck fĂŒhrt uns durch Bellinzona bis es dann endlich wieder hoch auf den Lukmanierpass geht. Wir nehmen an Sepp seiner PX seltsame GerĂ€usche wahr, die definitiv aus dem Motor kommen, sich aber anhören wie ein sich bewegendes Blech oder Ă€hnlich wie Kolbenklappern. Als es immer stĂ€rker wird halten wir und schrauben LĂŒfterrad und Kerze ab, um hier alles zu checken, es ist aber alles so wie es sein soll. Eine Idee ist ein sich gelöstes Blech im Auspuff, wir entscheiden uns weiterzufahren um zu sehen ob es schlimmer wird. Es wird schlimmer⊠und sie fĂ€ngt auch an zu ruckeln bis sie dann irgendwann auch einfach aus geht. âEndlichâ mal richtiges schrauben! Als sich aber nach Abnehmen des Sip Roads kein loses Blech bestĂ€tigt, schwindet die Hoffnung auf eine Weiterfahrt schlagartig. Nach Abnehmen des Zylinders stirbt die Hoffnung dann vollends. Kapitaler Kurbelwellenschaden. Das Pleul ist eine Ehe mit den Wangen eingegangen. Untrennbar vereint! Wir haben ziemlich viel dabei, eine Welle allerdings natĂŒrlich nicht. Sowas passiert und jetzt muss halt der ADAC herhalten. WĂ€hrend wir die zwei Stunden auf den Abschlepper warten kommt ein Ă€lterer Schweizer in seinem Jeep vorbei und fragt was los ist. Auf unser ânichts mehr zu machenâ antwortet er nur âdenkt immer dran, Material gibtâs noch, gut das euch nichts passiert ist!â Wie recht er hat, der Stimmung tut es zum GlĂŒck auch keinen Umbruch. Aus unserem Pechvogel wird bald ein Papa und der Nachwuchs trĂ€gt den Spitznamen âMumpeâ jetzt schon â Standort sei Dank. Wir schrauben die SitzbĂ€nke um und verteilen das ganze GepĂ€ck auf die verbleibenden drei Böcke, sodass er bei mir als Sozius mit kann. Hiermit wĂ€re natĂŒrlich fĂŒr das nĂ€chste GelĂ€chter gesorgt. Mit dem ADAC Heim ist allerdings keine Option, es steht schlieĂlich noch ein lustiger Abend an. Somit kĂ€mpft sich jetzt mein 210er Polini den Oberalppass zu zweit hoch. Erstaunlich gut nur die Sitzposition lĂ€dt nicht gerade zum langen Verweilen ein, hilft nix hier mĂŒssen wir jetzt durch. In Andermatt angekommen entscheiden wir uns aufgrund der Lage und der aufziehenden dunklen Wolken den Sustepass zu nehmen anstatt Furka und Grimsel. Durch das Warten auf den ADAC ist es auch schon um 19 uhr rum und wir mĂŒssen die Hosen wackeln lassen um noch was essen zu bekommen im Hotel. Zu allem Ăberfluss ist es jetzt natĂŒrlich wieder so weit: Regenkombi auskramen! Bei gefĂŒhlten 10 Grad und Regen fahren bei null Sicht wegen tief hĂ€ngenden Wolken den Sustenpass runter. Und das zu zweit. Wir kommen rechtzeitig am FuĂe des Passes an und freuen uns ĂŒber eine deftige Portion Rösti und Fassbier. Prost, auf die Welle fertig fest! Ăbrigens der erste Regen seit drei Wochen in dem Ort- klar, wenn wir kommen. Wir freuen uns ĂŒber die kĂŒhle Alpenluft und schlafen alle wie ein Stein. Wieder bestes Wetter am letzten Tag, wir starten durch Meiringen und vorbei am malerischen Lungernersee und Sarnersee wo wir ĂŒber PanoramastraĂen hoch nach Entlebuch und Richtung Olten fahren. Tanken zum 395. mal und Kaffee. Wir entscheiden uns aufgrund der besagten Sitzposition und daraus entstehenden TaubheitsgefĂŒhlen den Bahnhof an der deutschen Grenze in Rheinfelden anzusteuern und unseren Pechvogel abzuladen damit dieser die letzte Etappe mit der bewĂ€hrten Deutschen Bahn antreten kann. Wir drei machen uns auf den Weg durch den Hochschwarzwald und stellen wieder einmal fest, wie schön es doch auch bei uns ist. Zum Abschluss kommen wir noch einmal zu viert in der NĂ€he von zu Hause zusammen. Bei einem gemeinsamen Abendessen versuchen wir nochmal die ganzen Erlebnisse Revue passieren zu lassen, um dann festzustellen, dass es wieder einmal einfach zu viel fĂŒr den Kopf war. Brutale EindrĂŒcke, die mit Sicherheit jeder Zweiradreisende bestĂ€tigen kann. GlĂŒck im UnglĂŒck war eigentlich auch, dass der Schaden erst auf der Heimreise war. Trotz des Ausfalles wieder ein Ausflug per excellence! Der Technikgott war jetzt halt mal nicht auf unserer Seite, aber dafĂŒr wieder der Schutzengel! Wohin 2027?!
Von
Jubiatze , · Geschrieben Gerade eben 1 Min
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