So, da ich wohl nix dazu gelernt hab, hab ich mir das Pinasco 251 Motorkit angetan. Folgende Punkte führten zu dieser Entscheidung:
Konzept gefällt mir
Der Hubraum gefällt mir
Der breite Drehschieber gefällt mir
Der Preis war der Hammer (Weihnachtsangebot von CTP: 1755€+16,50€ Versand)
Ich werde hier den Motoraufbau beschreiben und hoffe auf die Unterstützung bei diversen Technischen Fragen.
Ich versuch das hier so technisch-sachlich wie möglich darzustellen (besser als in diesem Topic bis jetzt) und hoffe auch auf entsprechende Beiträge. Pinasco-Dissen bitte im anderen Topic ausleben
Wegen den Erfahrungen, die ich mit meinem 200er Gehäuse gemacht hab, stand natürlich als erstes auf der Agenda: Prüfen
Lieferzustand
Bis auf eine verbogene Fußdichtung kam alles gut an. Den Kolben hab ich kaum aus dem Styropor bekommen, ist wohl zu groß
Kurbelwelle
Was mir gefällt:
Verarbeitung ist top, keine Grate etc.
Pleuel sieht lecker aus, Oberflächen, Radien, alles schön
Pendelt schön auf 12 Uhr, Wuchtfaktor 36%
Was mir nicht gefällt:
Ungleiche Massenverteilung: ein Teil der Unwucht der Drehschieberwange wird durch die Lichtmaschinenwange ausgeglichen. Das bekommt man besser hin, zumal sowieso schon Wuchteinsätze drin sind.
Lichtmaschinenwange keine Vollwange: Daran scheiden sich die Geister, aber meiner Meinung nach wäre für einen Tourenbomber mehr VVD besser.
Zylinder
Daten:
Hauptauslass 35,5mm
Nebenauslässe 37mm
Hauptüberströmer 46,8mm (Unterschied max. 0,1mm)
Nebenüberströmer 47,7mm
Boostport 48,8mm
Länge zw. Den Dichtflächen 100,5mm
Länge Fuß 34mm
Durchmesser Fuß 78,8
Gemessen mit Messchieber ohne Fasen.
Der Kolben scheint gesteckt oben am Zylinder bündig zu sein (mit 0,2er Originaldichtung), damit ergeben sich bei mir folgende Steuerzeiten:
Der Haupt-Auslass ist 50mm breit, das entspricht dann 68,5% in der Sehne.
Was mir gefällt:
Bohrung
Verarbeitung / Gussqualität
Niedrige Steuerzeiten (da ist noch Spielraum für Optimierungen)
Was mir nicht gefällt:
Bohrung in Kombination mit dem T5 Bohrbild - da sind teilweise schon sehr schmale Dichtflächen und man bekommt keinen O-Ring am Kopf unter.
Kühlrippen zu Bohrung Verhältnis - als Pinasco hätte ich mir bzgl. der Zylinderhaube was einfallen lassen und evtl. etwas mehr Kühlfläche reinkonstruiert und gleich eine passende (ohne Distanzgebastel) Haube angeboten. Ich hoffe, das ist im Sommer thermisch stabil.
Bohrungen des Auslassflansches gehen bis zu den Nebenauslässen durch - evtl. ist das gusstechnisch notwendig, keine Ahnung, aber wg. Tiefe der Gewinde müsste es nicht sein.
Bzgl. der Kanalform usw. will ich mir noch kein Urteil erlauben. Optisch hätte ich da jetzt mehr Leistung auf Anhieb erwartet, aber das ist subjektiv.
Noch ein paar Daten zu Kolben und Kopf:
Kolben:
Feuersteg 3,3mm
Zwischensteg 3mm
Kompressionshöhe 25,5mm
Länge: 65mm
Kuppe 5mm
Kopf:
Karlotte ca. 50mm -> Quetschflächenanteil: 53%
Quetsche konnte ich noch nicht messen, da der Kopf an der Zentrierung 4/10 falsch gebohrt ist, der geht nicht drauf. Bin deswegen auch schon mit CTP in Verbindung.
Jetzt zum Gehäuse. Vorab: Pinasco scheint dazu gelernt zu haben, aaaaber….
Erst mal das Positive:
Gußqualität: sieht sehr gut aus. Ich hab nur einen kleinen Lunker entdeckt, leider im Kurbelgehäuse. Da die Wandstärke dort aber noch knapp 5mm ist und ich inzwischen eine erfolgreiche Leckageprüfung durchgeführt habe, bin ich entspannt.
Drehschieberspalt: scheint ok. Ich hab leichtes Spiel in den Lagerdummies, erst ging die 0,10er Leere noch rein, wenn man nach oben drückt, nicht mehr. Wenn Lager drin sind, werde ich nochmal messen.
Kicker: geht gut rein und die O-Ring-Nut scheint auch in der Achse zu liegen.
Lagersitze: Untermaß zw. 0,04 und 0,06mm. Leider weiß ich nicht mehr wo was. Werde ich am Samstag nochmal checken.
Ölpumpenwelle: keine Fehlerquelle mehr, da nicht vorhanden. Puh
Leider gibt’s auch negative Aspekte:
Zentrierung: Die Hülsen haben zu viel Spiel, selbst zusammen mit dem Zentrierstift fallen die Hälften locker zusammen. Wenn man dran rum rüttelt, sieht man noch Relativbewegungen. (fand ich auch schon bei meinem 200er, aber da gab´s ja noch den Steg)
Dichtflächen: Erst mal ist aufgefallen, dass die Hälften nicht plan sind, die kippeln ganz ordentlich aufeinander. Ich hab das mit @gravedigger diskutiert, liegt vermutlich an Eigenspannungen in den Teilen, die sich im Betrieb wohl abbauen werden. Was meiner Meinung nach schwerer wiegt sind die Abweichungen an der Zylinderfuß-Dichtfläche! Die sind leicht gegeneinander verkippt und fallen zur Mitte hin leicht ab. Sieht man gut an der Verteilung der Dichtmasse. Also ohne Dichtmasse und/oder Papierdichtung wird es da schwitzen.
Gefällt mir gar nicht. Da ich aber nicht erwarte, durch Reklamation was deutlich besseres zu bekommen, ist mein Plan: Neue Passhülsen selber drehen und dann zusammengeschraubt die Zylinderfußdichtfläche einen Hauch überfräsen lassen.
Ich werde das Gehäuse vorher auch mal zusammengeschraubt ne Weile in den Ofen packen zum Entspannen. Mal schauen ob es am Einlass wieder einfällt, wie bei meinem 200er.
Eine weitere nervige Kleinigkeit: Der Platz bei der Gehäuseschraube neben dem Zentrierbolzen ist zu knapp für eine Nuß. Ich will aber mit Drehmoment anziehen. Man könnte das ja einfach ein paar Zehntel weiter außen Bohren… (Malossi hat da eine Vertiefung im Gehäuse!).
Es sind nicht alle Gehäuseschrauben-Angüsse angespiegelt. Sieht jetzt vom Guss her unkritisch aus, aber was soll das, wieviel Cent wurden da eingespart?
Ach ja, kurios ist auch: im Gehäuse ist ein Kanal für die Boost Ports, im Zylinder aber nicht...
Vielleicht auch noch interessant:
Kurbelgehäuse Kl. Hälfte: 99,9mm, große nicht messbar
Dichtfläche zur NW: 1,9mm
Steuerzeiten Drehschieber: 69° / 115°
Offen:
Verdichtung
Quetschspalt
Kupplung