Stand 22.08.2021
Im Winter 2017/18 möchte mir den lang gehegten Wunsch erfüllen, einen "echten" Oldie zu neuem und "modernem" Leben zu erwecken.
Den Plan hatte ich schon lange: moderne Technik in einem alten Rahmen, also echtes Flair mit den Annehmlichkeiten von 12V, Elestart und Getrenntschmierung. Mein aktueller Daily Driver kann das alles - ist aber langweilig.
Einzig die Basis für sowas ist schwer zu finden. Italienisch und sauber und - wenn möglich - ohne große Schweissarbeiten sollte sie sein.
Wie der Zufall es so will stand sowas hier im hohen Norden jahrelang in der Werkstatt eines Freundes. Hat er sich mal irgendwann blind gezogen und war dann doch überrascht wie viel Arbeit noch zu erledigen ist.
Eine VNB6T aus 65.
Auf dem ersten Foto sah das Schätzchen auch ganz manierlich aus - wenn auch die Originalfarbe (nicht Originallack...) so gar nicht mein Fall war.
Also flugs gestrippt, die Dame. Zum Vorschein kam eine perfekte Basis, keinerlei Rost und ein wirklich fast kompletter Roller.
Eine solche Basis lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass da mal jemand sehr ambitioniert einen vernünftigen Spengler drangesetzt hat und dann genauso ambitioniert einen untalentierten Lackierer. Der Lack war ziemlich draufgejaucht, aber der gefiel ja sowieso nicht.
Also runter damit und penibel jede Kleinigkeit ausgebessert. Nach 3 Tagen konnte ich keinen Feinspachtel und Füller mehr riechen und kein Kontrollschwarz mehr sehen..
Es sind übrigens - wie beim ersten Deichgraf - alle Löcher zugeschweißt und neu gebohrt worden. Alles Andere ist Fusseltuning.
Den Decklack und die obligatorischen Schiftzüge habe ich selber lackiert und gebrusht, wer den Deichgraf I und mich persönlich kennt weiß, dass Roller Audi Lacke haben müssen - hier Nardograu. Sieht auf den folgenden Bildern, besonders in der Lackierhalle nach dem Klarlacken, mal heller, mal dunkler aus.
Das Bild trifft den Ton ganz gut (hier noch ohne Klarlack)
Wobei ich zugeben muss, dass ich die Farbe anfänglich für zu modern für einen Oldie gehalten hatte und fast bei RAL 7033 gelandet wäre.
Dann wären die Anbauteile auch in Chrom gehalten worden, hier wurden sie schwarz und bekamen mattierten Klarlack.
Kleiner Ausschnitt...
Um es vorwegzunehmen - der Kontrast kommt richtig gut...
Dann lassen wir mal ein - äääääh - Monatsgehalt beim freundlichen Teile-Dealer. Das hier ist ein kleiner Teil des Berges.
Während der Rahmen beim Lackierer weilt und Klarlack bekommt schaue ich mir mal den aus Italien importierten PX125 Lusso Elestart-Motor an.
Holla, das war wohl Stadtverkehr in Rimini.
Aber gut, alles revidiert und anschließend die Ölpumpe ge"bleeded".
Denn sie kriegt ja einen Lusso Tank und eine Benzinanzeige.
Sieht eigentlich weniger "modern versaut" aus als ich dachte.
Die Kleinteile bekommen eh nur glänzenden Deck- und keinen Klarlack, deswegen machte ich das zwischendurch.
Motor ist fertig zum Einbau - wenn es nur schon einen Rahmen gäbe. Die Motorhälften sind auch schwarz mit Mattlack in 2K. Muss ja ölresitent.
Der Motor hat eine dezent verlängerte Einlasszeit mit Originalwelle (Steuerwinkel hab ich nicht gemessen) und einen DR177 mit SI24 bekommen.
Auspuff war an dem Motor so ein Euro-3-Geraffel mit Abgasrückgedöns, der flog natürlich raus. Ich wollte
einen originalen Auspuff drunter machen, aber dann lief mir ein SIP Road mit losen Innereien und abgetrenntem Halter über den Weg. Na sowas lässt sich ja finden und die Innereien kann man wieder festpunkten.
Und gleich für Abgasmessung vorbereitet.
Update: später ist dann der bullige 177er Polini mitsamt 60mm-Welle eingezogen und er "Box Auspuff" einem Originalauspuff gewichen. Das ist leise und wirklich kräftig ohne gleich Fahrwerk und Bremsen an ihre Grenzen zu bringen. Irgendwie die perfekte Motorisierung für so eine alte Vespa.
... dann kam der Rahmen zurück - danke an Olav dafür, dass er mich nur so kurz hat zappeln lassen
Vor dem Zusammenbau kuck ich mir schon mal den Kabelkram an. So ein Conversion-Kabelbaum ist ja eine super Sache...
... aber mit Elestart und allem was dazu nötig (Batterie, 5-poliger Regler, Relais, Anlasserschutz usw.) ist kann ich den auch gleich selber bauen.
Gleich wieder zurückgeschickt.
Na dann los.
Ist mir irgendwie auch lieber wenn das alles selbstgemacht ist.
Front End.
Die PX Gabel lag schon zum Umbau bereit, aber dann hab ich mir gedacht - besser nicht die
original Optik ruinieren. Obwohl man die ja schön kurz machen kann mit 5cm weniger und gekürztem PK Dämpfer.
Nächsten Winter hab ich eh wieder Langeweile. Bleibt erst mal bei der VNB Gabel.
Dämpfer ist neu aber irgendein günstiges Zubehörteil, denn ich bin eh noch nie mit Schwingsattel gefahren und bei dem Geeier
hilft vermutlich auch kein HighEnd-Dämpfer mit einstellbarer Zug- und Druckstufe
Hinten auf 8 Zoll zurückrüsten? Eigentlich Quatsch, also vorne auf 10 Zoll umbauen. Soll ja auch besser fahren.
Originale Felge um ihr Felgenhorn erleichtern...
...dann kann sie in eine 4-Loch-Conversion-Stahl-Felge adaptiert werden.
Die hat eigentlich keine 6 Aufnahmen sondern nur 4.
Naja, was nicht passt... Hat ja sonst keiner und das ist auch was wert
Spurversatz geht gegen null, auch wenn im linken Bild der Zollstock 1mm vom Dämpfer weg ist (das Foto mach ich jetzt aber nicht nochmal deswegen )
Die schwarze Markierung ist die zentrale Spur.
Die vielen Schrauben sind ein bisschen Kirmes aber mit lackierten Kappen wird es dezenter.
Zur Zentrierung: Messuhr drangehalten, Seitenschlag Felge 1mm, das ist doof aber das sind halt Zubehörteile und keine Vespafelge läuft komplett rund - behaupte ich jetzt mal. Höhenschlag bzw. Zentrierung ist nahe null. Bohrungen exakt gesetzt.
Ich werde nach den ersten Testkilometern schauen ob sich die äußere Felge trotz der Pressung durch die 6 Muttern dezentriert und ggf. in die Bolzen arbeitet,
wenn ja schweiße ich die eine Felgenhäfte auf dem 4-Loch-Teil fest. Bolzen blieben dann natürlich zusätzlich.
Aber eigentlich zentriert sich die neue Felge "automatisch" aus der inneren.
Schon mal Reifen draufgesteckt, ist doch tief genug, die Kiste.
Felgen in Moppedfarbe sind irgendwie asiatisch aber immer noch besser als Weißwandreifen.
Stand 23.10.17
Nachdem eigentlich geplant war, den Elestartmotor über 2 separate Schalter (in Reihe, also nur gleichzeitig gedrückt
wäre Strom geflossen) zu starten...
...brachte man mich in diesem Topic auf die Idee, das Starter-Relais neben einem Starterknopf über eine Cosa-Schaltraste mit Leerlaufkontakt zu steuern. Also Starten nur im Leerlauf möglich - pfiffig, vielen Dank!
Zum Thema "Platz für Elestartmotor".
Beim Trockentest mit nur der kleinen Hälfte war da viel Platz, jetzt mit neuen Silentgummis - eher eng. Aber 7 cm Federweg möglich bevor der Motor am Rahmen
angehen würde. Das reicht dicke. Zumal durch den Schwingsattel kein Soziusbetrieb möglich und auch nicht über ein "Brötchen" geplant ist.
Update: nach Testfahrten muss ich sagen dass es ohne Rahmen Bearbeitung doch leider nicht geht. Durch die Bewegung des Motors im Rahmen entsteht ohne Rahmenbearbeitung immer das Risiko dass der Startermotor den Rahmen berührt. Daher muss ein kleiner Ausschnitt im Rahmen gefertigt werden.
Stand 28.10.2017
Hauptständer.
Durch Umbau auf 10 Zoll ist er zu kurz.
(Schön muss das ja an der Stelle nicht )
Schon ist er länger..
... und die Kiste steht sauber.
Man hätte auch - wieder - längliche Bleche nehmen können um den Druck der Hauptständerblechbolzen zu verteilen.
Aber passende Unterlegscheiben zurecht zu dremeln geht halt auch.
Anfertigung der Adapterplatte für den V50-SIP-Tacho. Ja, man hätte auch 35 Euro an MRP überweisen können
Update zum Tacho: die V50-Lösung war ja nur nötig, weil es bis dato keinen passenden VNB-Tacho gab.
Nun Gibts ja einen...
Der Verschluss für den Öltank. War mit der Gewindedimension so nicht ohne Weiteres zu kriegen. Also...
Elektrik kommt voran.
So wird es aussehen.. Elektrostarter bekommt Strom wenn "Zündung" ein, Starterknopf gedrückt und Schaltraste im Leerlauf (dann kriegt das Relais von der Schaltraste seine Masse, sonst nicht).
Hier noch mit dem braunen Kabel zum Lichtschalter als Steuerleitung für den Spannungsregler. Geht aber eleganter -
siehe 2. Diagramm.
... und dann der Teil mit der Spannungsregleransteuerung. Der GGBCM-Regler hat einen Eingang für Steuerstrom (C).
Nur wenn der Gleichstrom bekommt wird die Batterie geladen um ein Entladen zu verhindern.
Den kann man über den Lichtschalter (oder, wenn vorhanden, das Zündschloss) auf Gleichstrom-Plus legen damit die
Batterie über B+ geladen wird.
Oder...
.. man nimmt den geregelten Wechselstrom des Spannungsreglers, richtet ihn über einen kleinen Gleichrichter (5 Euro) inkl. Elektrolytkondensator (8 Cent) gleich und schaltet damit ein Relais (5 Euro), welches widerum den Strom von Batterieplus zu "C" schaltet. Perpetuum mobile sozusagen - der der Spannungsregler produziert ja nur beim Laufen des Motors Strom welcher dann die Ladefunktion des Spannungsreglers frei gibt. Wenn der Motor nicht läuft kann auch kein "Rückwärtsentladen" statt finden.
Danke ans Forum für die Hilfe bei der Schaltung.
Verwendete Teile:
Relais https://www.conrad.de/de/kfz-relais-12-vdc-30-a-1-schliesser-66-e-70g-30-840629.html
Gleichrichter https://www.conrad.de/de/brueckengleichrichter-diotec-kbpc10152502fp-kbpc-200-v-25-a-einphasig-501140.html
Kondensator https://www.conrad.de/de/elektrolyt-kondensator-radial-bedrahtet-25-mm-47-f-35-v-20-o-x-h-63-mm-x-11-mm-1-st-472506.html
Tankgeberanschluss für SIP-Tacho. Tank leer - Kontakt geschlossen - "Fuel"-Anzeige im Tacho. Anzeige der Tankfüllung ist nicht möglich.
Oder nur bei Verbau einer externen Tankanzeige - gut, nächster Winter und so.
Dann los..
Oben das Starterrelais (der alte silberne Klopper), unten das Laderelais mit Gleichrichter.
Für so wenig Technik Licht, Starter, Hupe, Tacho ganz schön viel Kabelgedöns.
Relais mit Gleichrichter und Kondensator
Musste selber immer mal wieder meinen eigenen Stromlaufplan anschauen
Der wird später schwarz, passend zum Rest
Stand 03.12.2017
Viel Kleinkram fertig bekommen, Bremsen Elektrik. Und schon gefahren.
Zum endgültigen Motorsetup mehr unten im Text.
Wie beim Deichgraf I habe ich den Fühler für Kopftemperatur versenkt statt diese leidigen Kerzenunterleger zu verwenden.
Auch die Tankanzeige (bzw. Reserveanzeige) im Tacho funktioniert.
Nachdem die Original Feder vorne schon beim strengen Ansehen durchfedert - möchte gar nicht wissen was die macht
wenn eine vernünftige Bremse wirkt - habe ich nach den ersten zaghaften Fahrversuchen die 30% härtere Stoffis´s Feder
verbaut. Das fährt dann gleich deutlich besser.
Aber nun ist die Feder hart und die Dämpfung weich - seufz - also muss man da auch noch bei.
Update: mittlerweile hat eine von diesen aus dem vollen gefrästen Bremstrommeln Einzug gehalten. Riesen Unterschied zu den gepressten Dinger, bremst wirklich besser.
Was ebenfalls bei den ersten Fahrten auffiel waren die großen Gang-Abstände am Schaltrohr.
Bei Oldie-Lenker mit PX-Motor wohl normal.
Dafür gibt es aber auch eine Abhilfe.
Hier ein paar Detailbilder
Ich habe der Mutter meiner Kinder leider mitteilen müssen, dass sie nicht mehr den geilsten Arsch in der Familie hat.
Stand 17.12.2017.
24.12.2017
Tachoaufnahme bearbeitet, damit die elektronische Aufnahme des SIP-Tachos rein passt. Das ist schon fast Plug-and-Play, man muss die
Überwurfmutter etwas kürzen und ein Halteblech anfertigen. Auch die Standarteinstellung des Tachos passt ohne Nachstellen - 80 auf dem Tacho sind 80 per GPS. Erstaunlich..
Weitere Details sind fertig..
Auch der Auspuff hatte einen VNB-Look erhalten, wurde aber 2021 wiederdurch den originalen ersetzt.
Und dann das Thema Außenspiegel. Nicht nur eine für den TüV, sondern eine langfristige Lösung sollte es sein.
Also kein Klemmspiegel oder sowas.
Zunächst habe ich einen "Prototypen" gebaut um zu sehen wie die Optik generell leidet wenn man an die Lenkerklemmung geht.
Da das grundsätzlich mal nicht so völlig daneben war habe ich dann mal 2 weitere Halter gebaut.
Dieser gefiel besser..
Lackiert und ordentlich mit einem aus dem vollen gefrästen Magazi-Spiegel verbaut sieht das dann passabel aus.
Stand 12.02.2018
Es ist dann auch das endgültige Motorsetup klar, Polini 187 mit SI24 und SIP Road, also der Klassiker mit irgendwo 12PS am Rad und vernünftiger Fahrbarkeit.
Der Vergaser musste erst mal auf Getrenntschmierung umgestellt werden.
Bohrloch außen mit Flüssigmetall verschlossen, jetzt hat der Vergaser eine Verbindung zwischen Öleintritt-Loch und Schieberbohrung
Der 125er Motor hat ein sehr kurzes Getriebe, mit Primär 20/68 und 4. Gang 21/36 fährt das Ding bei 6.000 upm 81km/h. Geht gaaar nicht. Deshalb habe ich das 23er Ritzel von BGM eingebaut. Damit sind's dann stolze 94 Sachen bei 6.000..
Aber auch das war mir nach einigen Fahrten zu kurz, daher ist es dann ein originales 200er Lusso-Getriebe mitsamt Cosa-Kupplung geworden.
Jetzt konnte ich den D.R. noch "kräftiger" machen - 0,6mm am Fuss abdrehen.
Dadurch konnte eine 0,8mm Kopfdichtung rein, nun sifft da auch nix..
Quetschspalte ist auf 1,4mm angepasst. Der Polini-Kopf hatte aus der Schachtel eher 2mm, den D.R. Kopf konnte ich mit 3mm Lötzinn schon nicht mehr messen..
Endgültiges Setup ist aber letztlich Polini 187 mit Originalauspuff, SI24 bei dezent verlängerter Einlasszeit. Fährt sich wie eine PX200 mit O-Tuning und Boxauspuff, reicht auf jeden Fall für flottes Vorankommen. Leise und komfortabel.
Steuerwinkel 112/162VA25, Bedüsung 160/BE3/128 mit 52/140 und Schieber ohne Cutaway. Zündung 19 Grad, Quetschspalte 1,4mm.
Erste richtige Testfahrt bei eisigen Temperaturen.
Nach Fertigstellung - hier vernünftige Bilder in mittlerer Auflösung