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Polrad aufmagnetisieren

Featured Replies

Geschrieben

Hallo

Ich habe ein Gerät zum aufmagnetisieren gekauft. Leider habe ich keine Ahnung wie man das Gerät verwendet.

Der Verkäufer hat mir erklärt, dass der Lüfter auf das Gerät aufgelegt wird und mittels 12v autobatterie 3x das Magnetfeld aktiviert werden soll.

Der Verkäufer hatte zu diesem Zeitpunkt geschätzt 3 Promille, dadurch bin ich mir über den richtigen Gebrauch nicht sicher.

Kann da jemand helfen

Geschrieben

Solche Magnetisiergeräte "mit großen Spulen und niedriger Gleichspannung" gab es früher tatsächlich, die funktionieren allerdings nur an weichmagnetischen Werkstoffen wie Chromstahl und Alnico Magneten so recht und schlecht. Im Gegensatz zu moderneren Pulsmagnetisergeräten welche aus eine Capbank mit einem kurzen aber kräftigen Impuls gespeist werden, müssen die uralten Magnetisiergeräte für längere Zeit ein kräftiges Magnetfeld für die große Spule aufbauen, welche naturgemäß auch enorme Abwärme erzeugt. Deshalb ist es zwingend nötig die Magnetisierspule ausreichend zu kühlen, weil andernfalls beim magnetisieren von Magnet 3 und 4 bzw. 5 und 6 am Polrad kaum noch ausreichend magnetische Feldstärke erzeugt würde.

In den 70er Jahren funktionierte das mit moderneren Pulsmagnetisiergeräten schon deutlich besser, vor allem konnte man damit auch alle 6 Alnico Magneten im Polrad auf einmal aufmagnetisieren. Vor vielen Jahren hatte ich mal ein defektes Magnetisiergerät von Motoplat repariert und auch einen Schaltplan dafür gezeichnet.

motoplat_cv205l.png

Dessen einfachen Stoßstromgenerator mit bescheidenen 90 joule Ladekapazität kann man recht einfach nachbauen, allerdings wäre zum anfertigen der 6 poligen Magnetisiervorrichtung eine professionelle CNC-Fräsmaschine das Maß der Dinge. Deren Anschaffung ist mir aber viel zu teuer und ausreichend Platz dafür hätte ich auch nicht!

Stärkere Ferritmagneten kann man widerum nur mit soliden Luftspulen aufmagnetisieren, weil jeder induktionsverstärkende Eisenkern ab ca. 2 Tesla in magnetische Sättigung geht. Für stabille Luftspulen (welche die entehende Lorenzkraft mit Magnetisierströmen von mehreren Kiloampere nicht gnadenlos zerstört), werden häufig wassergekühlte harte Kupferohre verwendet. Das ist dann nichts mehr für die kleine Bastlerwerkstatt.

Bearbeitet von Ewald-R

Geschrieben

Bei derartiger Uralt-Technik kann man nicht viel verkehrt machen, solche Steinzeit Magnetisiergeräte dienten überwiegend zum aufmagnetisieren von diversen Zündmagneten, mit Chromstahl Hufeisen Magneten. Das lässt sich auch mit einfachsten Mitteln nachbauen.

Bescheidene 12 bis 36 Volt Betriebsspannung mit höheren Stromstärken (in Form von mehreren in Reihe geschalteten 12 Volt Starterbatterien) waren auch vor 70 bis 90 Jahren in diversen KFZ Werkstätten vorhanden und man konnte sich damit auch nicht richtig weh tun. Anfang der 70er Jahre als damals 13 Jähriger Radio und Fernsehbastler, baute ich so etwas ähnliches mit zwei gleichen Spulen von elektrodynamischen Lautsprechern aus den 1930 Jahren.

Tfk_30cm_LS_Chas_seit_hint_rm40.jpg

Damals waren sogar simple BY127 Gleichrichterdioden noch richtig teuer, denn zu dieser Zeit waren nur Radio und TV Geräte mit Röhren, als kostenlose Teilespender an jeder Ecke erhältlich. Mit Einweggleichrichtung am umgewickelten Trenntrafo aus einem Uralt Radio hat das gar nicht so schlecht funktioniert, allerdings würde ich mich heute nicht mehr mit vergleichbarer Steinzeit-Technik beschäftigen.

Geschrieben

faszinierend was hier für fachwissen abrufbar istthumbsup

Geschrieben
vor 33 Minuten schrieb wervespa:

faszinierend was hier für fachwissen abrufbar istthumbsup

Willkommen im GSF!

Geschrieben

wacko wollte doch nur loben

Geschrieben
  • Autor

Ich bin auch überfordert

Ich mache ein Bild von der Gerät

Da sind mehrere Spulen radial angeordnet

stehend der Kern hat jeweils einen Winkel auf denen der Magnet vom Schwung aufliegt. Laut Verkäufer wird über einen massiven Schalter das Magnetfeld kurz aktiviert . Ich bin nur nicht sicher ob der Schwung irgendwo ausgerichtet werden muss, immer wieder von einem Kompass die rede war ??

Geschrieben

Bilder sagen bekanntlich mehr als 1000 Worte!

Nordpol und Südpol der einzelnen Magneten muss man zwingend beachten, denn komplett umpolen wäre nicht wirklich empfehlenswert. Wenn man allerdings mit hohen Pulsströmen arbeiten kann welche Werkstoffe wie Alnico problemlos in deren magnetische Sättigung treiben, wären auch versehentliche Ummagnetisierungen jederzeit reversibel!

PS: Mit bescheidenen 12V Betriebsspannung sind allerdings keine brachialen magnetischen Feldstärken zu erwarten, das klappt mit so einer großzügigen Capbank "90000µF bis max. 200 Volt Ladespannung" schon wesentlich besser.

90000uf_200v.jpg

Allerdings müssen niederohmige Spulen an Magnetisiervorrichtungen auch ausreichend stabil verarbeitet sein, sonst fliegen beim bestromen naturgemäß die Fetzen!-D

Geschrieben
20 hours ago, Ewald-R said:

Dessen einfachen Stoßstromgenerator mit bescheidenen 90 joule Ladekapazität kann man recht einfach nachbauen

Die Spannung geht ja quadratisch in die Rechnung ein, daher würde ich eher den spannungshalbierenden Trafo rauswerfen und die Kondensatoren auf 450V umrüsten.

Komme bei meinem Pulser mit 1800uF auf 130 Joule.

Pulse-Magnetizer-400V.png

20 hours ago, Ewald-R said:

allerdings wäre zum anfertigen der 6 poligen Magnetisiervorrichtung eine professionelle CNC-Fräsmaschine das Maß der Dinge. Deren Anschaffung ist mir aber viel zu teuer und ausreichend Platz dafür hätte ich auch nicht!

Da muss man ja nicht gleich für ein Gerät einen ganzen Maschinenpark anschaffen, das können ja auch befreundete Fachkräfte erledigen -D

50 minutes ago, innviertlerroas said:

Ich bin nur nicht sicher ob der Schwung irgendwo ausgerichtet werden muss, immer wieder von einem Kompass die rede war ??

Wenn Du ein kleines Netzteil mit Strombegrenzung hast, kannst Du das vorher in gleicher Polung anschliessen

und die Magnete vom Polrad richten sich dann automatisch aus.

29 minutes ago, Ewald-R said:

Nordpol und Südpol der einzelnen Magneten muss man zwingend beachten, denn komplett umpolen wäre nicht wirklich empfehlenswert

Komplett umpolen wird er mit den 12V Spulen eher nicht schaffen.

Vermutlich wird das Polrad vorher von der Halterung durch die Werkstatt hüpfen aber mal abwarten wie "der Gerät" überhaupt aufgebaut ist.

Geschrieben

In die Gate Steuerung vom Thyristor wäre ein Vorwiderstand sehr sinnvoll, den eine neue 1,5 Volt Batterie wäre andernfalls durchaus in der Lage das Steuergate nachhaltig zu beleidigen. Ein Elko mit 450 Volt Spannungsfestigkeit und weniger Kapazität ist durchaus sinnvoll, weil sich auch die Flankensteilheit deutlich erhöht. Die klassische 230 Volt Glühlampe zur Ladestrombegrenzung passt auch, allerdings hätte ich einen Trenntransformator vorgeschaltet. Bei einem möglichen Fehlerstrom gegen die Erdung, löst nach dem Gleichrichter nicht jeder Fi-Schutzschalter zuverlässig aus. Nicht von Netztspannung getrennte elektrische oder elektronische Schaltungen sollten in jedem Fall Schutzisoliert sein, andernfalls könnte es gefährlich werden falls man nich aufpasst. Zum aufladen diverser Cap-Banken (beispielsweise für Coilguns) macht dieser alte Hochsetzwandler sehr gute Dienste, wenn man ihn mit 15 bis 24 Volt DC versorgt!

https://de.aliexpress.com/item/1005008406227359.html

Heute ist es gar nicht mehr so einfach, dass jüngere Maschinenbauer oder Werkzeugmacher irgend etwas in ihrer Freizeit anfertigen. Mein Sohn arbeitete mehrere Jahre als Softwaretechniker in einem größeren Betrieb für Metallverarbeitung. Wenn ich ihn fragte ob er für mich diverse Komponenten auf CNC Maschinen fräsen oder Drehen lassen könnte erhielt ich meistens nur Antworten wie: "mit den Leuten in der Produktion kann ich irgendwie nicht"! Andere Schlosser welche mir früher regelmäßig diverse Teile fertigten sind mittlerweile schon überwiegend in Pension und mehrere mittelständige Produktionsfirmen haben schon vor vielen Jahren wegen wirtschaftlichen Problemen dicht gemacht!

PS: Mit einer schwachen Magnetisierspule wird kaum ein schweres Polrad abheben, anders sieht es wiederum aus wenn man einen größeren Alu-Ring auf eine Spule legt und und eine größere Capbank daran entlädt. Dann ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass diese gelochte Aluscheibe bis zur Decke hoch fliegt! Allein durch die Lorentzkraft, springen die beiden 25mm² Schweißkabel zwischen Capbank und Spule beim Entladeimpuls, etwa 5 bis 10 Zentimeter hoch.laugh

Bearbeitet von Ewald-R

Geschrieben

Man muss ja nicht unbedingt alles selbst machen. Wenn keiner mehr zum Fachmann geht, stirbt der auch wieder aus und es bleibt nur noch China.

Geschrieben

Es gibt gelegentlich ernsthafte Improvisationen in Steinzeittechnik, welche so recht und schlecht funktionieren!

Die uralten Vespa Alu-Polräder sind ebenfalls mit ALNICO Magneten bestückt, welche sich noch einfach aufmagnetisieren und mit ausreichend starken Magnetfeldern sogar ummagnetisieren lassen. Der klassische Schweißtrafo von Elin hat selbstverständlich auch einen Gleichrichter integriert, sonst könnte das überhaupt nicht funktionieren!

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