So, für alle Kapitalismusgläubigen: jetzt gibts Druck auf die Ohren! Das Dilemma der Weltfinanzordnung oder Der Kapitalismus in der Sackgasse von Edmund Sawall Als vor zehn Jahren der ?real existierende Sozialismus? wie ein Kartenhaus implodierte, glaubte sich der in der westlichen Hemisphäre ?real existente Kapitalismus? im Ziel seiner Vorstellungen als allein überlebensfähiges System gesiegt zu haben. Die liberalistisch ? kapitalistischen Heilsbringer träumten gar vom ?Ende der Geschichte?, d. h. davon, dass nunmehr keine weiteren weltanschaulichen Entwicklungen mehr möglich seien. Seit damals ist die Welt aus einer Katastrophe in die andere geschlittert und alle zittern vor dem großen Crash. Bei unvoreingenommener Betrachtung lässt sich leicht feststellen, dass der Kapitalismus nicht gesiegt hat, weil er sich weder mit seinen Grundwerten überzeugend durchsetzen konnte noch mit seinen wirtschafts- und finanzpolitischen Maximen den Wohlstand für alle begründete. Freilich, es gibt Wohlstand. Dieser ist aber weitgehend nicht erarbeitet, sondern auf Spekulationen begründet und auch nicht bezahlt. Er ist völlig ungerecht verteilt und verschärft die sozialen Probleme. Der Kapitalismus kann nicht obsiegen, weil er folgendes nicht in den Griff bekommt: Geld, Preise und Konjunktur und damit die Inflation. Die Inflation ist die Geisel der Wirtschaft, der arbeitenden Bevölkerung und der Rentner. Es ist unübersehbar, dass das Weltfinanzsystem in Unordnung geraten ist, was zu einer grenzenlosen Überschuldung, zu steigender weltweiter Arbeitslosigkeit und dazu geführt hat, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Dies bedeutet, dass statt dem Aufstieg zu Wohlstand, Lebensfreude und Zukunftshoffnung der Abstieg in eine Krise mit Wohlstandsverlusten, Lebensbeklemmungen und Zukunftsängsten erfolgt ist. Die Gefahr des globalen Mega - Crash Die globale Wirklichkeit ist heute schlimmer als es sich die meisten Menschen träumen lassen. Zwei Problemkreise sind im wesentlichen dafür verantwortlich, dass wir mir der Gefahr eines globalen finanziellen Mega ? Crashs rechnen müssen. Einmal die erdrückende Schuldenlast und zweitens die durch keine realen Werte gedeckte Geldkapital ? Blase. Niemand kennt das vollständige Volumen der weltweiten Gesamtverschuldung, da es keine finanzwirtschaftliche Gesamtrechnung gibt. Vor zehn Jahren gab es Vermutungen in der Größenordnung von 30 Billionen US-$. Die weltweite Schuldenlast wird heute auf weit über 100 Billionen, das sind über 100 000 Milliarden US-$ geschätzt. Damals hatte die Bundesrepublik Deutschland eine Staatsverschuldung von rd. 1 Billion DM. Diese hat sich inzwischen unter Einrechnung alle Verbindlichkeiten verdreifacht. Hinzu kommen die privaten Schulden der Wirtschaft und der Bürger. Das eigentliche Problem der Überschuldung besteht darin, dass zu viele und zu hohe Einzelschulden bestehen, deren Uneinbringlichkeit die Existenz der Gläubiger gefährdet. Es liegt nicht an den Schulden an sich, sondern in der Unbezahlbarkeit eines Anteils von vermutlich 10 bis 15 %, das sind mindesten 10 bis 15 Billionen US-$. Hauptschuldner sind die Staaten der Welt. Je ärmer um so größer die Schuldenlast. Der Hauptgläubiger ist das Weltfinanzsystem inklusive der Banken. Nach dem ?Domino - Effekt? besteht das Risiko, dass der Gläubiger eines insolventen Schuldners selbst insolvent werden kann, wenn sein Schuldner zahlungsunfähig wird. Dies trifft dann wieder dessen Gläubiger, usw.. Eine nicht unwesentliche Rolle spielen die Zinsen, die nicht mehr durch Gewinne aus Realinvestitionen finanzierbar sind und damit den Forderungen zugeschlagen werden, womit sie die Gesamtverschuldung erhöhen. Die Weltwirtschaft sitzt in der ?Zinsfalle?. Aus dieser kann sie nur entkommen, wenn die Zinsen fallen und das Wirtschaftswachstum steigen würden. Dies aber ist nach Theorie und praktischer Erfahrung die Quadratur des Wirtschaftskreislaufes, d. h. schlechterdings nicht möglich. Kredite werden auf Vertrauen gegeben, wobei der Kreditgeber, in aller Regel die Banken, sich diesen Geldbedarf wiederum durch Kredite bei ihren Kunden besorgen. Wird eine Kettenreaktion erst einmal ausgelöst, zieht sich der Verlust durch das gesamte Finanzsystem. Die Forderung nach Schuldenerlass bedeutet letztlich nichts anderes als der freiwillige Verzicht auf eine Forderung gegenüber dem sowieso nicht zahlungsfähigen Schuldner. Zunächst trifft dies die maroden Kredite des IWF und der Weltbank, sodann die Staatskredite der Industrieländer und schließlich die Banken. IWF und Weltbank werden versuchen ihre Verluste bei den Mitgliedsstaaten auszugleichen. Die Staaten müssen ihre Verbindlichkeiten gegenüber dem IWF sowie ihre direkten Kreditverluste wieder bei dem Steuerzahler eintreiben. Die Banken werden über Gebühren und neue Darlehen ihre Verluste ausgleichen und damit wieder ihre Kunden zur Kasse bitten. ?Den letzten beißen die Hunde?. Wem in dieser Kette die Luft ausgeht, wird schlicht und ergreifend zahlungsunfähig und macht Konkurs. Wird das Volumen der Verluste zu groß, so dass die Kette nicht mehr unterbrochen werden kann, verläuft das Ganze in einer Abfolge von einzelnen Teilzusammenbrüchen und endet schließlich in einem Mega ? Crash, der unweigerlich in einem totalen Kreislaufzusammenbruch des Kapitalismus enden muss. Hinzu kommt das Problem, dass das umlaufende Geldvolumen heute zu etwa 80 % aus reinem Geldkapital und nur zu 20 % aus Realkapital besteht. (Vergleiche Darstellung). Das Realkapital, auch Sachkapital genannt, ist das in Sachwerten wie Produktionsanlagen, Immobilien u. ä. investierte Geld, d. h. es repräsentiert einen realen Wert. Das Geldkapital steht für die Summe aller Forderungen gegenüber dem Bankensystem. Gemeinsam ergeben sie die Summe des Gesamtkapitals, d. h. des Geldvolumens in seiner weitesten Abgrenzung. Die Realinvestitionen haben im Verhältnis zum umlaufenden Gesamtkapital permanent abgenommen und das Geldkapital, d. h. das Papier- oder Buchgeld hat sich unverantwortlich erhöht. Dieses Kasino ? Geld dient dem Spieltrieb der Spekulation zu allen möglichen Geldanlagen in der Hoffnung durch steigende Kurse leichte Gewinne zu erzielen. Das systemimmanente Gesetz des Geldkapitalmarktes eines unmittelbaren Gewinn ? Verlust ? Ausgleiches führt eben automatisch dazu, dass wenn einer einen Gewinn erzielt, ein anderer in gleicher Höhe einen Verlust erleidet. Wenn derjenige, der bei einem solchen spekulativen Geldgeschäft mit einem Verlust, selbst nicht mehr dafür aufkommen kann, weil er es selbst auf Kredit aufgebaut hat, kann dies schon der leichte Windhauch sein, der die Lawine zum Absturz bringt. Darüber hinaus koppeln sich die Finanzmärkte von der realen Wirtschaft der Produktion, des Handels und der Dienstleistungen ab. Die Kosten (Verluste) der Finanzmärkte müssen aber letztlich über die Banken von Realwirtschaft erwirtschaftet werden.[1] Diese sogenannte ?Abkoppelungshypothese? führt auch dazu, dass im Falle eines Platzens der Geldkapital ? Blase, die Realwirtschaft mit in den Strudel gerissen wird. Der gar nicht so komplizierte Zusammenhang, hat zu einer unendliche Zahl von Theorien geführt, die alle mehr verwirren, als das sie Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Der Hintergrund ist durch die irrige aber nicht ausrottbare Auffassung gekennzeichnet, dass Geld an sich einen Wert hat. Zuviel Geld sei die Ursache allen Übels, sagen alle. Die monetaristischen Theoretiker ebenso wie die Zentralbanken. Nur die Politiker sind der Überzeugung, dass man davon immer mehr benötigt als man ausgeben kann. Die einen möchten das Geld knapp halten, während die anderen die Geldmenge möglichst ausweiten wollen. Die verantwortlichen Währungshüter bemühen sich daher seit Jahrzehnten mit einer Politik der Geldverknappung mit Hilfe der Zinssteuerung der Inflation pari zu bieten. Es ist ihnen nicht gelungen. Zumindest nicht unter gleichzeitiger Konjunkturpflege und Beseitigung der Arbeitslosigkeit. Auf der andere Seite wissen wir nicht, wie viel Geld überhaupt existiert. Die Geldmenge hat im Grunde auch nicht die Bedeutung, die ihr beigemessen wird, solange Geld nur (im Sinne eines Naturaltausches) als Zahlungsmittel dazu verwendet wird eine reale Leistung (Ware oder Dienstleistung) zu erwerben und der Empfänger des Geldes seinerseits damit ebenso wieder eine Leistung nach seinen Wünschen erwerben kann. Von Crash zu Crash Spätestens seit Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts haben die Finanzkrisen von Banken, Währungen und ganzen Volkswirtschaften zugenommen. Insbesondere die Bankenkrisen und Wirtschaftszusammenbrüche ganzer Staaten haben sich nachweisbar in erheblichen Umfange erweitert. Bereits 1991 schrieb der Frankfurter Bankier Johann Philipp von Bethmann: "Überschuldung endet mit Crash. Der Crash besteht weniger aus dem Konkurs der Schuldner, er besteht im wesentlichen aus dem anschließenden Konkurs vieler Gläubiger. Der Crash wird auch nicht aus nur einem, er wird aus mehreren Teil ?Crashs, aus wiederholten Kurs- und Preisstürzen, bestehen.? [2] Wodurch könnte ein Mega ? Crash ausgelöst werden? 1. Durch einen Börsen ? Crash, der à la 1929 groß genug ist, um die großen Weltbörsen wie Billardkugeln anzustoßen und damit die weit überhöhten Aktien - und Derivate [3] ? Kurse in den Abgrund zu stürzen. 2. Durch einen Überschuldungs ? Crash, der eine größere Wirtschaftsnation oder ?region zum kippen bringt und von den globalen Finanzsystemen IWF, Weltbank und Bankenkonsortien nicht mehr aufgefangen werden kann. 3. Durch einen Weltwährungs ? Crash [4] der die Währungsspekulationen zum Einsturz bringt und damit das gesamte Währungsgefüge aus den Angeln hebt, womit erhebliche Verluste in der Realwirtschaft entstehen, die den gesamten Welthandel tangieren. Als man noch der Auffassung war, dass Staaten nicht Konkurs gehen können, weil ja die Gesamtheit ihrer Bürger mit dem ganzen Staatsvermögen haften, war man überzeugt, dass jeder Crash mit einem Börsen ? Crash beginnt. Seitdem aber die Erfahrung lehrt, dass auch ganze Volkswirtschaften zusammenbreche und Staaten in die Zahlungsunfähigkeit treiben können, hat man seine Aufmerksamkeit stärker dem Problem der Überschuldung gewidmet. Die Bankenkrisen der 80er und 90er Jahre wurden dadurch ausgelöst, dass die Banken im wahrsten Sinnes des Wortes va banque spielten, indem sie überbewertete Vermögen, die weit überschuldet waren, immer wieder neu beliehen haben, so z. B. in den USA die völlig überschuldete Farmwirtschaft oder in Deutschland ?Schneider ? Immobilien?, u. v. a.. Hinzu kamen und kommen die Kreditfinanzierungen von Spekulationsgeschäften und überzogenen Währungsgeschäften. Das Hauptproblem ist die Überschuldung, die aus der langjährigen Inflation resultiert und zu einer aufgeschwemmten Geldkapital ? Blase geführt hat. Die Überschuldung ist heute nicht nur unvergleichlich schlimmer als beim Mega ? Crash von 1929 sondern ebenfalls viel größer als bei den Börsen ? Teil ? Crashs von 1987, 1989 und 1990. Der globale Schuldenturm ist dem schiefen Turm von Pisa vergleichbar. Er steht schief und hält bis zu einer bestimmten Neigung solange er technisch stabilisiert werden kann. Neigt er sich über den Kipppunkt, dann fällt er um. Solange die ?wohlhabenden? Industriestaaten alle diese Krisen im Ernstfalle finanzieren können, solange kann der ?schiefe Schuldenturm? finanztechnisch immer wieder stabilisiert werden. Solche Rettungsaktionen treiben die Staaten in immer höhere Schuldenverpflichtungen, die irgendwann auch einmal eingelöst werden müssen. Die Stabilität des Weltfinanzsystems ist aber abhängig von der Solvenz der Banken und Staaten. Dies geht zu Lasten der Arbeitslosigkeit und des sozialen Wohlstandes und ist nicht grenzenlos. Das letzte Jahrzehnt des ausgelaufenen 20. Jahrhundert war gekennzeichnet durch den Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften und / oder regionalen Wirtschaftskrisen. Die Krisen die man bisher offiziell als Effekt von Ereignissen verkauft hatte, die man beseitigen könne, wie zum Beispiel Erdölpreise, Währungsschwankungen, Auftauchen neuer Industrieländer, erweisen sich als dauerhaft. Es ist die Krise des Kapitalismus. Ja selbst die freie Marktwirtschaft, die in einem Stadium der Produktivität und Effizienz angekommen ist, in dem der Mensch überflüssig geworden ist und der Überfluss an Produkten zu Massenarbeitslosigkeit führt, wird ihre Unschuld und Unantastbarkeit verlieren. Es begann mit Mexiko. Dieses Land war 1990 in die Schulden- und Zinsfalle geraten und praktisch Zahlungsunfähig geworden. Es musste mit dem US-Finanzministerium, den Gläubigerbanken Mexikos und dem ?Internationalen Währungsfonds? (IWF) den sogenannten Brady - Plan unterzeichnen. Dieser Plan spiegelt die besondere Strategie des IWF: Diese besteht darin, dass ein verschuldetes Land angewiesen wird, seine Währung drastisch abzuwerten. Diese Abwertungen sollen die Exporte wettbewerbsfähig machen. Dann wird dem Schuldner-Land auferlegt, die Gesetze zu liberalisieren, ausländische Eigner zuzulassen und den traditionellen staatlichen Sektor zu eliminieren, der für die Entwicklung eines Schwellenlandes von hoher Bedeutung ist. Diese Maßnahmen eröffnen den multinationalen Konzernen alle Möglichkeiten der Ausbeutung. Im Falle Mexikos machte die ständige Abwertung des Pesos gegenüber dem Dollar die Preise für die US-Konzerne spottbillig, so dass sie hochwertigen Industriebesitz für ein Butterbrot erwerben konnten. Eine Folge war, dass allein 1992 etwa 20 Milliarden Dollar hauptsächlich aus den USA nach Mexiko flossen. Es ist nicht überzogen, wenn man feststellt, dass die ?Welthandelsorganisation? (WTO), der ?Internationale Währungsfond? (IWF) und die Weltbank als ,,institutionelle Brechstangen" arbeiten, um diese Politik der Globalisierung des hegemonialen Anspruchs der USA voranzutreiben. Um einschätzen zu können, worin die eigentliche Bedeutung für die USA liegt, muss man sich vergegenwärtigen, dass Mexiko bei Vertragsabschluß auferlegt wurde, seine insgesamt 112 Milliarden US-$ Auslandsschulden zurückzuzahlen. Dadurch wurde auf jede mexikanische Regierung ein immenser Druck ausgeübt, Löhne und Sozialausgaben nahe dem Existenzminimum zu halten, um ausländische Kapitalinvestoren anzulocken und steigende Exporterlöse zur Schuldentilgung einzusetzen. Im ersten Halbjahr 1995 gingen in Mexiko 2,4 Millionen Arbeitsplätze verloren, die in sieben Jahren vorher geschaffen worden waren. Die Arbeitslosenzahl stieg auf über 10 Millionen Mexikaner und die Realeinkommen gingen um 30 Prozent zurück. Entsprechend diesem Beispiel folgte die Krisenbewältigung Ukraine (1996) Brasilien (1998), Argentinien, in Asien mit Korea, Japan u. a., Indonesien (1998/99) usw. Der Kapitalismus in der Sackgasse Nachdem die Finanzmärkte in Turbulenzen geraten sind, häufen sich die Stimmen, die eine neue Weltfinanzordnung verlangen. [5] Die Weltfinanzordnung von Bretton Woods aus dem Jahre 1944 - welche allerdings erst 1946 in Kraft trat und in deren Gefolge der Internationale Währungsfond (IWF) und die Weltbank ins Leben gerufen wurden - hatte zum Ziel, den Welthandel durch ein internationales Währungssystem der festen Wechselkurse abzusichern. Dieses Fixkurssystem war an den US-$ gebunden, der seinerseits einem festen, in Gold garantierten Wert entsprach. Dabei konnten die Währungen gegenüber dem US-$ in einer Bandbreite von +/- 1 Prozent sowie untereinander von +/- 2 Prozent schwanken. Die Schwäche des Bretton-Woods-Systems bestand darin, dass auf lange Sicht ein Gleichgewicht der bilateralen Außenhandelssalden vorausgesetzt wurden. Die USA nahmen mit ihrem Dollar eine hegemoniale Stellung im Bretton-Woods-System ein. Sie konnten ohne Rücksicht auf den Wechselkurs ihrer Währung schalten und walten wie sie wollten, d. h. sie konnten eine Wirtschaftspolitik verfolgen, die sich nur an innenpolitischen Überlegungen orientierte, da sie nicht selbst für die Stabilität ihrer Währung zu sorgen hatten. Schließlich führte eine zu expansive amerikanische Wirtschaftspolitik, die eine Dollarschwemme erzeugte, zum Zusammenbruch des Systems. Die USA wandelten sich bis Ende der 60er Jahre von einer ?weltweiten Wachstumsmaschine zu einer weltweiten Inflationsschleuder?. Die internationalen Anleger verloren ihr Vertrauen in den Dollar und wechselte entweder in andere stabilere Währungen oder aber in Gold. So wurde die Bundesrepublik gezwungen am 4. und 5. Mai 1971 zwei Milliarden US - $ gegen DM aufzunehmen. Die USA konnten den garantierten Goldkurs schließlich nicht mehr halten und kündigten das System 1973 auf. Damit erweiterte sich die Problematik des Weltfinanzsystem um die Weltwährungsordnung. Die Auflösung des kapitalistischen Weltsystems wird nicht zuletzt durch seine Unfähigkeit bewirkt, die Währungsordnung zu stabilisieren. Seitdem ein System frei variabler Währungskurse besteht, hat dies zu einer zunehmenden Möglichkeit geführt, mit den laufenden Wechselkursschwankungen zu spekulieren. Wenn dabei Einzelspekulanten wie George Soros [6] ganze Währungen sonst stabiler Industriestaaten, wenn auch nur vorübergehend, aus den Angeln heben kann, wird man sich unschwer vorstellen können, was solche Spekulanten für eine Kettenreaktion der globalen Spekulationsmeute auszulösen vermag. Die Währungsspekulationen haben dazu geführt, dass die Wechselkursbewegungen nicht mehr evolutionär von den Fundamentaldaten der Wirtschaftsentwicklung bestimmt werden, sondern sprunghaft den selbst verstärkenden spekulativen Einflüssen unterliegen. Das kapitalistische Weltsystem hat bisher in Bezug auf die Währungsordnung nur die Alternativen feste oder frei Wechselkurse angeboten. Beide Systeme haben unter den sie begleitenden Rahmenbedingungen versagt. Trotzdem werden zunehmend Forderungen nach Wiedereinführung fester Wechselkurse erhoben. [7] Die Debatte um ein neues Weltwährungssystem steckt zwar noch in den Kinderschuhen, wird aber bald erwachsen werden müssen, um den schon seit geraumer Zeit prognostizierten Zusammenbruch des Weltfinanzsystems verhindern zu können. Eine dauerhaft tragfähige Weltwährungsordnung ist aber nur erreichbar, wenn die wirtschaftspolitische Verantwortung für die Stabilität einer Währung in die Hände nationaler Regierungen zurück verlegt wird. Währungskurse dürfen sich nur an den wirtschaftlichen Entwicklungen orientieren und müssen der Spekulation entzogen werden. Dies wird letztlich aber nur auf der Basis fester Wechselkurse in Verbindung mit einer internationalen Finanzarchitektur möglich werden, die sich nicht in teils gegenläufigen Aktivitäten ihrer Institutionen erschöpft, sondern angesichts expandierender globaler Herausforderungen ein Regelungs- und Kontrollsystem entwickelt, welches den Welthandel in geordneten Bahnen unterstützt.