Die klassische Imbißbude mit Flair ist in den letzten Jahren selten geworden, meist nur noch an Großmärkten anzutreffen, verdrängt durch wechselnde Eßgewohnheiten von Pizza bis Döner. Daneben ist es recht schwer die Spreu vom Weizen in Sachen Qualität zu trennen. Der bekannteste Imbiß hierzulande dürfte der Konnopke in Berlin sein - touristisch immer ein Highlight. Currywurst mit Schultheiß zu jedwelcher Uhrzeit (warum nur Mo bis Fr von 7-19 Uhr geöffnet, die könnten nen Riesenreibach machen ?) Naja, zu Berlin nicht viele Worte, ich wollte heute mal mit einem Klassiker in meiner Zweitheimat anfangen : Ich habe das Glück schon seit einiger Zeit eine neue Heimat im Mainzer Containerhafen direkt am Rhein gefundenzu haben, nämlich den Imbiß "Beim Schorsch" - direkt vorm Eingang vom Containerhafen. Angefangen mit ner Bude vor 30 Jahren hat es sich nun zum gemauerten Häuschen gemausert - vorne dran noch ein verglaster Bereich mit Sitzmöglichkeiten. Der Schorsch hat klassische Öffnungszeiten täglich von 4-23 Uhr, Schnitzel mit Pommes kannste also morgens um 5 verdrücken, genauso wie abends um 22 Uhr. Mein Highlight sind jedoch die Rühreier (4) mit Butterbrötchen zu 4 Euro, die mir gerne mit nem Kaffee (kein Cappucino, Espresso oder Latte, ganz einfacher Filterkaffee ) und der Haus BILD über die Theke gereicht werden. Die Stühlbezüge vorne im verglasten Bereich sind schwarz vom Dreck der Blaumänner, die Containerfahrer kommen im Sekundentakt am Häuschen vorbei, da es direkt am Eingang zum Hafen liegt. Ein weiteres Highlight ist der Leberkäse mit Jägersoße und Pommes - das es sich hierbei um gute Portionen handelt muß nicht weiter erwähnt werden. An der kalten Theke hagelt es Bratenbrötchen, klassiches Mettbrötchen , Käse- und Schinkenstullen und und und... Vom Flair her ne klassische Imbißbude, der Chef trägt Weißkittel, keiner der Jungs hinter der Theke ist unter 40, Chef mit Oberlippenspoiler und damentechnisch scheinen die alle mit Thais liiert zu sein. Je nach Kundschaft riechts nach Schweiß, Motoröl oder billigem Parfüm. Wenn ich manchmal morgens um 6 auftauche schiebt sich die Nachtschicht vom Erdalwerk nebenan gerade das vierte Weizen rein. Stammkundschaft bis zum abwinken, ein sicheres Indiz für gute Qualität sind die Busfahrer und Polizisten die ab und an einkehren, leider hatte ich noch nicht die Möglichkeit zum abendlichen Alkabschuß - werde es aber demnächst mal nochholen. Mittlerweile habe ich nach unzähligen Besuchen schon den ein oder anderen Trucker am Tresen kennengelernt, der mir wüste Geschichten über die Hackordnung zwischen Containerfahrern und Betonfahrern erzählt hat und einer der Wirte gab gestern die Geschichte zum Besten, das er nach Geschäftsschluß ne Truckerbraut im reifen Alter flachgelgt hat : Ich: "Na ,war Sie noch wenigstens fest untenrum ?" Er: "Naja, sie hatte schon etwas Vorfutt". Ich liebe das deutliche Wort. Zum Schluß ein paar Bilder von dem Innenraum, Bilder von außen werden nachgeliefert. EM beim Schorsch - nix für schwache Nerven. Ach ja, im Fernsehen waren die Jungs auch schon, mal schauen ob ich an den Bericht komme. ----schnipp---- Mainzer Hafenmelodie Der Schorsch, die Biermänner und ein Imbiss Die Kneipe "Zum Schorsch" im Hafen von Mainz ist ein Familienbetrieb. Seit 20 Jahren betreibt Familie Biermann den Imbiss. Von 13 Geschwistern arbeiten fünf im legendären Imbiss. Für Hafenarbeiter, Schiffer und Trucker, aber auch für manchen Mainzer ist der Tresen beim "Schorsch" zur zweiten Heimat geworden. Der Film begleitet die "Biermanns" bei ihrer Arbeit und beobachtet einige Stammkunden an ihrem Arbeitsplatz. Unter ihnen: Betonmischer Klaus und Sprengmeister Walter Kappel. Am Hafenimbiss findet man noch "richtige Typen". Doch auch für diese Urgesteine des Mainzer Neustadt-Imbiss hat sich in den letzten Jahren einiges geändert. Sie erzählen über Risiken und Chancen diese Wandels und über Strukturveränderungen im Frachthafen. -----schnapp---- weitere Beiträge willkommen. ---> 26.6.08 Photoupdate