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Inhalte mit der höchsten Reputation am 22.06.2010 in allen Bereichen anzeigen

  1. So habe mal meine Bilder von der EL gesichtet und dachte mir, ich erfreue euch mal mit einer schönen Momentaufnahme. Das Bild spricht glaub ich für sich.....
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  3. Zuletzt ein kleiner Bericht zur EL-Anfahrt. Vorweg gleich dieses: Zum Glück muß man nicht alles lesen, wenn die Olle wieder bellt, man solle gefälligst mal den Roller im Keller, die Kirche im Dorf und das Internet das Internet sein lassen. Das Kurz-Fazit zum Weiterblättern: Es war geil. Für alle anderen die Extended Version: Vorbereitungen: Die Tour begann genaugenommen 2 Wochen vor Start, sofern nochmal alle 12-Volt-Kisten in der Casa L. gecheckt wurden. Kelle wollte nur noch neue Kupplungsbeläge einbauen, Lehra den ZZP geblitzt haben und ich mein ewiges Auf- und Absattel-Problem mit den besch******* Expandern lösen. Ging alles glatt: Lehras Zündung stand bei lauschigen 21° vOT, Kelle hatte die extra-guten Beläge und eine ganz frische Nebenwelle verbaut und ich hatte mir die guten MOD-Strapse besorgt. Arnes Kiste war von Speedy auf allen Zen-Wegen unter strenger Beachtung der für Vegetarier vorgeschriebenen Chi-Punkte betreut worden. Ottos Karre kommt aus dem Museum und ist als O-Kiste definitionsgemäß wartungsfrei. Immerhin: Durchgerosteter Pott war aus Prinzip getauscht und die Kupplungsbeläge nur aus Mitleid und unter dem Eindruck eines gewissen Gruppenzwangs von ihm erneuert worden. Sonntag, 6. Juni 2010: Der Haupttross aus Arne, Kelle, Lehra, Otto (alphabetische Reihenfolge, top Motorleistung in exakt umgekehrter Reihenfolge) fuhr angeblich gegen Mittag los. Vielleicht auch schon vormittags. Ich wollte es nicht wissen, denn ich war sackneidisch auf den Vorsprung von einem Tag, den die Jungs auch bei garantiert gutem Wetter abreißen durften. Und während die am Abend am Gardasee irgendwo die Lötlampe anzünden würden, durfte ich daheim ein hochinteressantes und freilich abartig überbezahltes Manuskript verlagsfertig machen. (Daß mein Co-Autor ausgefallen war und ich Mühe haben würde, es nicht nur rechtzeitig zum Abgabetermin, sondern auch noch am Montag um 8e in die Arbeit zu schaffen, wird niemanden interessieren.) Naja, haben halt mal andere den Blick in die Sonne. Irgendwann kam dann auch in der Tat die SMS, der ein abendliches Telephonat folgte: alle brav und pannenfrei angekommen. Kelles Kupplungszug war wohl leicht zu straff gespannt oder die Kupplung rutschte. Vielleicht hatte er zu schwache Federn genommen. Aber egal, für das Hochleistungs-Chapter mit den superschnellen originalen SXen langt auch eine Automatik-Honda-Conversion. Arne kommt sich so beim Fahren auch nicht alleine wie der Sound-Depp vor: "MÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖEEEEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHHHH!" Und ich feierte einen - freilich von einer leicht gedrückten Mitleids-Stimmung begleiteten - inneren Reichsparteitag, weil die alte Grundregel bestätigt wurde, daß nunmal ohne Probefahrt nicht losgefahren werden kann. Weil man sonst den Gonzo macht. Oder den Automatik-Deppen. Zu diesem Zeitpunkt war leider auch klar, daß ich mein Manuskript nicht vor 3 in der Früh im Rechner hätte. Ohne Korrekturen. Ein paar Kännchen Espresso später - es muß gegen 5 gewesen sein - schickte ich den Kram ins Lektorat, schaltete den Rechenknecht ab und ging noch schnell in den Keller. Wenigstens schonmal Werkzeug packen. 20min später hing die Casa-Tasche im Beinschild und das nötigste Werkzeug (incl. Ersatzbirnchen, Zügen, Kupplungsschlüssel und Andrücker, sowie allen Abziehern) am Moped. Fehlten nur noch Zelt, Regenkombi mit Ersatzhandschuhen, Schaffell für die Sitzbank und Klamotterie. Das ging aber erst nach der Arbeit. Jetzt - um kurz vor halb sechse erstmal ins Bett. Montag, 7. Juni 2010: Der Morgen begann gegen 7e im entspannten Autopilot. Meine Frau wunderte sich beim Frühstück, daß ich so überaus unaufgeregt sei und daß die Mopedtasche noch leer rumstand und nur die Europakarte und die Schlüssel danebenlagen. Wenn die gewußt hätte: "Mach ich heute mittag, nach dem Mittagsschlaf." Ich verabschiedete mich prophylaktisch vom Rest der Familie und ging in die Arbeit, von wo ich recht gerädert gegen 15 Uhr zurückkehrte. Mannometer, war ich alle. Erstmal Handy ans Ladegerät und ablegen. Der Wecker klingelte unerbittlich um 16 Uhr. Immerhin wieder einigermaßen wach stieg ich in die Protektorenhülle, warf ein Handtuch und Klamotten in die Tasche, kramte das Zahnputz- und Rasier-Reiseset zusammen und stiefelte in den Keller. Die Aufregung wurde spürbar. Alles dabei? Papiere? Auslands-Versicherungsschein? Karten? Alles da. Die MOD-Strapse rockten das Haus. Aufsatteln war so in unter 5min möglich. Die Casa-Tasche machte das ganze Moped nicht so hecklastig wie auf den vorherigen Touren. Zumal mit der schweren Ersatzzündung vorne im Gepäck. Hinten die Zeltrolle, darauf der Ortlieb-Toploader und eine kleine Tasche mit ein paar Ersatzhandschuhen und Regenkombi. Handy verstaut, Navi angeschnallt und ab. Die Jungs hatten sich noch nicht gemeldet. Tanken sparte ich mir erstmal. Wollte fahren, um noch ein bischen wacher zu werden, und weil ich die Jungs ja einholen mußte. Bis zum Irschenberg - das sind irgendwas um 50km - langt der große Tank auch halbvoll zweimal. Also aufgesessen und in Ramersdorf gegen 17 Uhr auffe Bahn. Die ersten Kilometer sind nicht ganz so sehr vom paranoiden Lauschen geprägt, weil ich die ganze Probefahrt auch mit probeweise montierten Gepäckstücken zum Glück schon hinter mir hatte. Dennoch fuhr ich in Holzkirchen kurz raus, um die Regentasche ganz unten auf das Sprintrack zu packen und die Rolle mit dem Toploader obendrauf. Das war "aerodynamisch" besser und auf jeden Fall leiser. So ging es mit entspannten 115 dahin gayn Irschenberg. Vollgas traute ich mich noch nicht. Die erschreckenden 8 Liter, die um kurz nach 17:30 Uhr aus dem Hahn sprudelten, schob ich auf den offensichtlich nicht korrekt gefüllten Tank und das Windschild am Heck, das ich ja nun wegoptimiert hatte. Ein letzter Griff zum Handy, bevor die leider schon dunkelgrau bewölkten Berge in Angriff genommen werden sollten, offenbarte zweierlei: Eine Gute-Reise-SMS meiner Frau (Details gegen Aufpreis erhältlich.) und ein Anrufversuch von Kelle und Otto. Oha. Da rufste mal zurück. "Ihr Anruf wird aufgebaut. Bimmelim." - "Kelle hier. Otto ist bei Bobbio abgeraucht. Polrad gerissen." - "6-Volt-Polräder hab ich im Keller. Was braucht er denn? Ducati? Dansi? Filso?" - "Ducati." - "OK. Dann dreh ich um und hol das Ding. Braucht ihr sonstwas?" - "17er." - "Hab ich dabei. Kompletter Schlüsselsatz." - "Nee, reicht nicht. Bei ihm sitzt die Polradmutter so tief, da brauchen wir eine Nuß." - "Geht klar." Auf der Heimfahrt zurück dachte ich mir, daß ich mehr hätte darauf insisitieren sollen, daß er bitte auch das Polrad mitnimmt, vor zwei Wochen als er sich eine Ersatzzündgrundplatte ausgeliehen hatte. Eigentlich hätte er gleich eine E-Zündung verbauen sollen. Lehra-Programm eben. Aber egal. Was würde ich wohl am besten rausschmeißen? Denn geschätzte 5 Kilo Extra für die scheiß Ratsche, Verlängerung, 17er Nuß und das fette Polrad konnte ich nicht mal eben verstauen. Zu Hause im Keller warf ich den Ersatzkolben, den kleinen Steckkasten und die Bremsbeläge raus. So paßte der Kram gerade so rein. Zwei Zündungen (eine verbaut, eine 12-Volt im Ersatz) und drei Polräder (eins verbaut, einmal 12-Volt und einmal 6-Volt im Ersatz) dabei. Diesmal fuhr ich gleich zur Tanke, um den Stand zu überprüfen: OK. Ich war durchgehend Vollgas gefahren und das waren erfreulicherweise liegend über 120 Sachen nach Navi. Aber 4,5 Liter für 50km? Allder. Reifen nochmal aufgepumpt und Nadel eins runter. Muß gehen. Hab ja jetzt eh keinen Kolben mehr dabei So ging es gegen 18:30 Uhr in München zurück auf die Bahn nach Salzburg. Die Kiste fuhr prächtig. Vermutlich merkte sie, daß es jetzt wirklich gayn Highmat ging. Und passend angemagert auf 3/4 zieht der Karren schon an der Wurst. (Wenn man das von einer Ancilotti-Karre überhaupt so sagen darf.) Am Irschenberg ballerte ich dieses Mal vorbei. Zum Glück, denn sonst hätte ich den Anruf von Otto abgehört, er habe sich das überlegt und es sei ja voll der Scheiß, daß ich zurückfahren wolle Auch in Reith am Alpbachtal, wo ich nach knapp 130km um 19:35 zum Tanken abfuhr, blieb das Handy aus. Der Verbrauch lag bei erträglichen 8 Litern für 125km. So konnte ich weiterballern. Zumal die Autobahn traumhaft frei war. Hinter Kufstein hatte ich drei superlahme Laster, die überkorrekte 80 fuhren, überholen müssen. Von PKWs keine Spur. Ein paar sah ich wieder bei der Auffahrt zur Europabrücke in Innsbruck. Aber kein Vergleich zum normalen Tagesverkehr. Ich hatte mich auf einer Autobahn noch nie so sicher gefühlt. Dem gaynighten Laysayr sei mitgeteilt, daß ich auf Autobahnen mit Moped immermal der wiederkehrend blöden Vorstellung ausgesetzt bin, ein Turbo-Diesel-Lieferwagen klebt an meinem Nummernschild und ich habe einen Klemmer. Das ist - für die OI!sterreichischen MitlayserInnen und Clubkameraden sei es erläutert - im Gegensatz zum Reiber ein echter Steckreiber, also oa®g . So ein Klemmer kommt dann im Rahmen der Reaktionszeit, die vergeht, ehe man die Kupplung hoffentlich noch ziehen und die Kiste ausmanövrieren kann, einer Vollbremsung ohne Bremslicht gleich ... und dann der Lieferwagen ... ja, der Lieferwagen ... Ganz andere Gedanken als diese werden durch ein ärgerliches Geräusch unterbrochen: *dingelingeDingelingeDingeLingeDINGDINGDING* - *PLÖP* - *STILLEIMHELM* Diejenigen Fahrer unter uns, die das Körpergefühl nicht schon bei pornhub geparkt haben und noch den Unterschied zwischen zu viel und zu wenig Bier kennen, werden vielleicht folgen können: Leichtes Kribbeln in der Leistengegend, der Körperschwerpunkt wandert in die Magengrube und verdichtet sich dort zu einem unangenehm "engen" Punkt, Adrenalinschauer im Schulter- und Rückenbereich, kalter Schweiß rinnt in die Sturmhaube. Es folgt ein kurzes Reißen in den Knochen, Übelkeit, Angstgefühl. So stellt man sich Geburtsstunden vor. So muß es sein, wenn man den Gonzo macht. Verdammte Axt. Nadel zu tief gehängt. Griff zur Kupplung, Blick nach unten: Menno. Benzinhahn fast zu. Irgendwie mit der Hose hochgezogen. Scheißendreck, ausgerechnet hier, wo kein Standstreifen ist. Hand vom Gas, Griff mit rechts nach unten, Kupplung kommen lassen ... *MÖP* - "Geilomat, der Motor ist frei!" - *MÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖHHHHHHH* Hach! Schön! Einfach schön! Und weit und breit kein Turbo-Diesel-Lieferwagen im Spiegel. Aber doch: Scheiß Dialektik. Denn wie das Gute aus dem Antlitz dieses O(h)M(y)G(od)-Benzinhahnhebels strahlt, wenn man weiß, daß er mehr Reserven bewacht als mancher im ganzen Tank unterbringt, so breit und klar grinst hier eine Fratze des Bösen aus dem verfi***en Aluzapfen, wenn man bedenkt, wie leicht das Ding vom schlackernden Hosenbein rumgezogen wird. Bei nächster Gelegenheit drehe ich ihn um. Spitze nach innen. Komme was wolle. Am Brenner fahre ich ab. Es sind zwar nur 90km seit der letzten Tanke, aber die Berganfahrt mit der Benzinhahnaktion erfordert eine Kaffee. Und wenn wir eh schonmal am Zapfhahn stehen: The trend is your friend ... 5 Liter. Das geht. Auch wenn es nicht mehr lauschig warm ist, es regnet nicht. Das entspricht nicht ganz den Vorhersagen, ermutigt mich aber, die Regenkombi am Bock zu lassen. Ein kurzer Check der Mailbox ergibt, daß Otto das ganze also zu aufwändig findet und KHK sich gemeldet hat. Sollte ich Bedarf haben und die Sache mit Otto zu übel sein, bietet er Assist mit Bus an. Alle Rückrufe gehen in die jeweilige Mailbox. Kurze SMS an Kelle und Otto mit Lagebericht. Aber nur kurz. Der Kaffee ist scheiße, also weiter auf die Autovia, Viacard ist am Mann. Es folgt ein Abschnitt, den ich dem geneigten Leser dringend für eine Nachtfahrt empfehlen möchte. Bergab reißt es den Karren in die Heimat. Aus dem sonoren Knattern der Bergponies ist ein lüsternes Summen geworden, das sich auf steilen Geraden zum sirenenhaften Brausen "steigert". Leicht über den Lenker geduckt geht es in Cannonball-Laune dahin. Manche Kurve mit durchgezogener Begrenzungsmauer reflektiert das symphonie-gleiche Motorengeräusch. Der Innocenti am Taktstock, der kann was. Ich verstehe, warum die Gefährten Odysseus an den Mast fesseln mußten, denn die Versuchung abzusteigen, um das ganze mal "a tergo" zu hören, ist groß An der Schw ... äh ... Franzenfeste geht die Sonne endgültig unter. Im Fernlicht breitet sich die leere Doppelspur vor dem Vorderreifen aus und wartet begierig darauf, befahren zu werden. Das letzte Lichtspiel in den langsam verschwindenden Gipfeln erscheint selbst bayerischen Hobbyalpinisten "besonders". Es ist inzwischen kurz nach 21 Uhr und ich kann meine Idee, bis zum Gardasee durchzuballern, wohl knicken, als auf der Autobahnanzeige die ernüchternde Meldung in bernsteinfarbener Leuchtschrift erscheint, daß ab Auer die Autobahn wegen Nachtbauarbeiten zwischen 22 und 6 Uhr geschlossen ist. Aber was soll's? Bis 24 Uhr auf dem Campingplatz aufschlagen zu wollen, ist immer ein Risiko. Wenn der Portier keinen Bock hat, darf ich auf der Parkbank pennen. Was wiederum die Polizei ... aber lassen wir das. Irgendwas um 350km sind bei meinem Schlafpensum eh genug. In Bozen raus, Maut gezahlt und am Navi auf "Nächstes Hotel" geklickt. Es werden naturgemäß erstmal die Absteigen in unmittelbarer Umgebung (Klein-Flughafen/Gaywerbegebiet) angezeigt. Ich entschließe mich, einen Laden in St.Jakob, etwas außerhalb anzusteuern. Die Kennzeichnung in der P(oint)O(f)I(nterest)-Liste enthält ein kleines Motorrad-Symbol. Das weckt Vertrauen. Trotzdem ist es ein elendiges Gegurke und Warten an Ampeln, deren Sinn ich um diese Uhrzeit nicht mehr anzuerkennen bereit bin. Aber die Vernunft siegt. Als ich nach unendlich langen 20km durch irgendwelchen Kreisverkehr um 22:30 die Kiste auf einem absperrbaren Garagenplatz an der Landstraße zur Nachtruhe schicke und die Packrollen ablade, stehen schon die ersten GS-Oppas parat, um sich zu erkundigen, wohin die Reise geht. Der Betreiber des Ladens ist selber Biker, Portier und Thekenchef. Die erste Erkundigung ergibt, daß die Küche schon geschlossen hat. Aber die Sympathie für den "armen Irren" mit dem Roller bringt mir zwei leckere Baguettes, einen Cremepudding, ein Wasser und zwei kleine Bier in der Weinlaube ein. Auf's Haus. Die Oppas sind inzwischen schon im Bett. Dienstag, 8. Juni 2010: Am nächsten Morgen um 7e raus, geduscht, gefrühstückt, gezahlt, den Oppas nochmal die anstehende Route auf der Karte gezeigt, ungläubiges Kopfschütteln geerntet und aufgesattelt. Wetterberichtscheck ergibt: 32°, leichter Wind. Die Verkehrsmeldungen sagen voraus, daß es auf dem Abschnitt hinter Verona nochmal eng bzw. dicht befahren werden könnte. Der Chef hat die halbe Hausmannschaft versammelt, die früher auch "Vespa" fuhr. Wir tauschen Visitenkarten, ein Winken zum Abschied und wieder auf die Bahn. Die Berthe macht weiter, wo sie aufgehört hat. Der Verkehr ist um einiges dichter, die rechte Spur mit LKWs überfüllt. Dafür mehrt sich das Hupen und Winken, wenn man leicht gebückt im Cannonball-Style mit 110 Sachen (mehr ist nicht erlaubt ) an den Kolonnen vorbeirauscht. Kurz vor Verona, etwa 150km nach Abfahrt in Bozen - ich hatte eben auf Reserve umgeschaltet - wird es plötzlich sehr deutsch. Die Kolonne rechts stockt, auf der Spur vor mir gehen die Warnblinkanlagen an. Es lebe die DirtySanchez. Irgendein Idiot im 30Tonner hat wohl trotz durch Dauerbaustelle verengter Fahrbahn mit dem Brummi zum Überholen angesetzt. Na, egal. Ich will eh Tanken. Sollte man meinen, man käme da mal eben von der Bahn runter. Zumal vor einem so großen "Kreuz" wie dem vor Verona. Aber nix. Ich stehe allein 30min im Stau und fürchte um meinen Spritvorrat, ehe es weitergeht. Zudem macht sich das Wetter erstmals unangenehm bemerkbar. Allder, war das heiß. Aber lieber so als Regen. Bei der Abfahrt zur Tanke sehe ich einen Stuttgarter Brummifahrer im 30Tonner hinter dem Carabinieri-Wagen mit laufendem Blaulicht stehen. Nachdem ich getankt und bezahlt habe, mache ich kurze Lockerungspause im Schatten. Der Fahrer des Lasters ist tatsächlich der Typ, der überholt hatte: 260 EUR, 10 Punkte, 2 Monate Fahrverbot in Italien. Volltreffer. Wenn man dann noch bedenkt, daß dessen Chef jetzt einen neuen Fahrer nach Verona schicken darf ... da ist der Job wohl in Gefahr. Nochmal Wasser gekauft, das Handy wieder eingeschaltet und kurzer Mail-Check. Die anderen Kinder waren tatsächlich noch bis Genua gekommen, nachdem Arne Otto auf dessen Kiste mit geplatztzem Polrad knapp 100km über die SS45 geschoben (GESCHOBEN!) hatte. Es lebe die Multivar. Ich meinte ja, Respekt vor der schieren Distanz haben zu müssen. Das verging erst, als ich Genuas Innenstadt gesehen hatte. Aber dazu später. Es war jedenfalls klar, daß ich ein gemeinsames Mittagessen mit den Jungs knicken konnte. Durch den blöden Stau hatte ich auch ordentlich Zeit verloren. Also mal lieber schön alleine Mittagessen. Der Abstecher bis kurz vor Mantua kostete laut Navi keine Extrakilometer - nur nochmal Zeit. Aber die Pizza am Palazzo del Te ist es wert. (Scampi!) Gesättigt fuhr ich nicht über Modena und Parma, sondern "quer" über die SS10 zurück auf die Bahn zwischen Brescia und Piacenza. Das Navi ging d'accord. Die Autobahn bei Cremona ist super ausgebaut. Es lebe die EU-Kreisfinanzierung. Hinter Cremona gelang mir dann ein doppelter Rekord: Ich fuhr über den Po ( ) und auf einer langgezogenen abschüssigen Strecke vor einem Tunnel hatte ich so viel freie Bahn, daß ich das Gasseil mal längerfristig gespannt hielt und in für Schmalrahmenfahrer tpischer Sitzposition verharrte. Am Ende des Tunnels war eine neue gefahrene Höchstgeschwindigkeit im Navi. UND! danach ging auch mein O-Tacho, der bis dahin 10km/h zuviel angezeigt hatte, wieder "exakt". Kann ich jedem nur empfehlen so eine Tachoeinstellfahrt. Und den Ancilotti eh. Die Menschen in den Autos, die ich überholt hatte, winkten beim nachfolgenden Rück-Überholen besonders frenetisch. Eine Truppe im Kombi machte Photos aus dem Auto, überholte mich, fuhr vor mich, bremste, damit ich nochmal vorbeifuhr und machte erneut Photos. Kann mir nicht vorstellen, daß das abgelichtete Motiv so viel hergab, aber angeblich ist der Italiener ja stilsicher. Hinter Piacenza bei irgendeinem Kastell fuhr ich zum Tanken ab. Service-Station. Die beiden Burschen an den Säulen krochen gleich aus dem Schatten und einer von ihnen holte seine Sprint aus der Garage. Leider gibt mein "Italienisch" für ausgedehnte Benzingespräche nicht zu viel her. Aber mit Händen und Füssen wurde immerhin Sinn und Zweck meiner Ausfahrt verständlich, und warum ich mit einer 150er (laut Beinschild) auf der Autobahn fuhr. Handy-Check offenbarte die Adresse des Hotels der Jungs in Genua: Piazza Giuseppe Verdi. Klang sehr schön. Die restliche Strecke mit Abfahrt Tortona nach Genua war unspektakulär. Die üblichen Winker und Hupaktionen auf der Bahn. Der Italiener an sich ist ja leicht zu begeistern. Bei Abfahrt von der Autobahn in Genua merkte ich nur die "leichte Schwüle". War ich bis 15:30 Uhr in Genua gut und entspannt (es lebe das Schaffell!) von der Bahn abgefahren, bot die letzte Zielanfahrt durch die Stadt mehr Streß als die gesamte bisherige Anfahrt von (incl. Umkehraktion) 820km. Die Lambretta drehte mit Tank kurz vor Reserve auf Meeresniveau ein bischen nervös hoch, die Hitze in der Smog-durchtränkten Stadt ließ die Luft über dem Asphalt flimmern und der Hafengeruch trug ein übriges bei: Ich hatte Kreislauf. Die Verkehrsführung bzw. die unorthodoxe Beachtung derselben linderte diesen Umstand nur wenig. Immerhin gab es Kisten. Zwischen den ganzen Automaten und Drecks-PXen, Sprinten und Rallies zeigte sich doch tatsächlich die eine oder andere Lambretta. Auch wenn jeder Ampelstop gefühlte 2 Liter Schweiß kostete, dieser Anblick war es fast wert. Ich schreibe nur deswegen "fast", weil die Verkehrsführung echt grenzwertig war. So viele Einbahnstraßen ... Um 15:55 landete ich auf dem Motorradgroßparkplatz an der Piazza di G. Verdi. Nicht gerade klein. Dicker Bahnhof, "Prachtbauten" drumherum, kleiner "Park" in der Mitte. Ein Anruf bei Kelle ließ das in Habachtstellung wartende Lotsenkommando anrennen. Kelle fuhr meine Kiste auf den gayhighmen schattigen Abstellplatz hinter dem Hotel, und Otto führte den von dem Ritt durch die Stadt etwas ramponierten Courier zielsicher durch den Feierabendverkehr in die Lounge. Teile auspacken. Arne hatte mir ein Zimmer mit Dusche organisiert (die Jungs hatten ja schon ausgecheckt!), Lehra schleppte einen Kaffee an, Otto umarmte mich ein 7. Mal und Kelle gab super Tips, wo ich "um's Eck" die besten Panini kaufen kann. - "Einmal Schinken-Käse, bitte." - Nach der Dusche war ich zurück unter den zivilisiert Lebenden und ließ mir die Details der Geschichte erzählen. Am krassesten erschien mir die Tatsache, daß Arne Otto (am Abend ohne Licht an Ottos Karre) noch durch Genua bis hierhin geschoben hatte. Mag die Ausfahrt bis zur Landstraße auch nicht so weit wie bis zur Autobahn sein, jeder, der schonmal versucht hat, eine besetzte und bepackte Kiste aus dem Stand mit dem Fuß anzuschieben, wird hier den Respekt-Hut ziehen. Wer die bezogen auf die Kreisverkehrsposition durchaus unorthodox angelegten Ampelstreifen und Steigungen in Genua gesehen hat und noch dazu die recht "ungeduldige" Fahrweise der übrigen VerkehrsteilnehmerInnen einkalkuliert, .Der Rest des Tages verlief nicht ganz so erfreulich: Der Polradtausch ergab, daß die Karre auch mit zweiter Zündspule, Fuffi-Zündspule vom Piaggio-Händler ums Eck, und Ersatzzündgrundplatte immer noch nicht zündete. Daß die Welle eierte, war auch sichtbar, aber gar kein Funke? Aus der Lima spratzelte es hinreichend. Das konnten wir uns nicht so recht erklären. Otto war sichtlich genervt. Die ganze Bande wollte ursprünglich noch weiter fahren, um nicht noch eine Nacht in der wenig attraktiven Hafenstadt verbringen zu müssen. Eine Idee, die mir sehr zusagte. Der Kopfweh-Faktor dieser Luft war überdurchschnittlich hoch. Der Anruf beim dOI!tschen Automobilclub ergab, daß allerdings ohne Schadensgutachten durch eine lokale Werkstatt kein Leihauto zur Verfügung gestellt wird. Egal wie weit unter/über Budget. Nach einigen anderweitigen Versuchen hatte Otto die Piaggio-Werkstatt, die die Zündspule geliefert hatte, klar gemacht. Die Chefs sprachen gut Englisch. Das erleichterte doch einiges. War auch nur 800m weiter. Otto könne ab "morgen um 7e" dort vorbeikommen. Die weitere Abwägung war dennoch für uns schwierig. So eine Ausfahrt ist ein soziales Ding. Wir waren uns einig: lieber in Italien bleiben, ehe jemand den Menke gayn Spanien macht. Zurücklassen ist nicht. Andererseits konnte man Otto nicht weiter helfen. Er würde mit Kiste im Kombi schneller sein als wir. Und die ganze Mitleids-Posse nervt einen echten Münchener Grantler eh. Otto schickte uns schließlich gegen 19:30 Uhr weg mit der Ansage, daß er das ganze schon hinbrächte. Es könne nicht sein, daß wegen eines Mitfahrers vier andere es nicht bis zur EL schafften. Er würde alles vorbereiten, so gut es ginge, um in der Werkstatt den Kram vorzuführen. Gutachten, Leihauto, Berthe da rein, ab dafür. Noch ein Zimmer sei gleich gebucht. Wir fuhren ab. Nicht ohne schlechte Laune dabei. Scheiß Originalfahrer. Des oide Klump, des. Von Genua schafften wir es über ein Teilstück "autostrada dei fiori" bis zur Ausfahrt Arenzano. Über die wunderschöne, kurvenreiche Küstenstraße, die abschnittweise durch "bewaldete" Berghänge führte, nach Varazze. Mir wurde klar: Bei dieser Tour fahre ich nicht mehr über Viertelgas. An der Strand-Piazza ging Arne auf Sondierungstour. Nach 10min war er wieder da. "Habe Unterkunft! Villa Rosa!" Ja, nee. Is klar. Pop(p)ogaudi in Ligurien. Hurra! Die Anlage war top. Ein leicht zurückgelagertes Haus mit netter Einrichtung und noch netterer Chefin; lag in einem Seitengässchen parallel zur Hauptstraße am Strand. Das freundliche Hotel-Team half uns beim Kisten-Parken und schickte auch gleich den ersten Besichtigungstroß aus der Küche. Kelle übernahm in gewohnt souveräner Manier die Führung durch den Original-Teile-Dschungel. Als ich rauskam, um das Navi, das ich abzubauen vergessen hatte, zu demontieren, kniete einer der alten Herren immernoch staunend unter Arnes Karre. "Piaggio?" Frisch geduscht ging es zur Piazza. Dort bekamen wir in einer einladend wirkenden Pizzeria einen super Platz auf der Terasse. Die Reste schlechter Laune waren vollends verflogen, . Supergeil! Otto würde auf eigener Achse anrOI!sen können. Es gab gleich mal zum guten Essen einen ebenso guten Rotwein, diverse Morettis auf den Durst und einen schön Korrigierten zum Schluß. Ein dreifaches Hoch auf Klaus!Mittwoch, 9. Juni 2010: Das Frühstück war nicht incl. Deswegen packten wir zeitig auf. Der Begriff "zeitig" ist freilich schillernd, wenn Kelle mitfährt. Jeder, der davon ansatzweise eine Vorstellung entwicklen möchte, versetze sich in den Zahnarztsessel, wo es nach 5min wildem Bohren heißt: "Sehen Sie, schon fertig!" Selbst wenn 15min angekündigt waren, dauert der Scheiß immer zu lang. So in etwa ist das, wenn Kelle mal eben die Spanngurte neu verlegt, die Gepäckoptik prüft, bei einer Zigarette darüber nachdenkt, ob das so "gut aussieht", neu konzipiert, noch eine raucht, umpackt und dann mit der Wahl der Handschuhe entsprechend weitermacht. Immerhin ließ das den Damen "über 50" vom Hotel genug Zeit, die Kisten zu begutachten, auf denen sie "damals" mitgefahren waren. Wir schafften es schließlich gegen 9e auf die Promenade in die Kaffeebar, wo uns bei einem Hörnchen die Nachricht erreichte, daß Otto erst ab Mittag - von 12 bis 14 Uhr während der Mittagspause bei runtergelassenen Rolläden vor der Auslage - in der besagten Werkstatt 800m vom Hotel schrauben kann. Italienische Bürokratie. Nicht angestellt, nicht versichert ... wehe, jemand kriegt was mit. Otto hatte aber inzwischen im Baumarkt einen Ratschenkasten gekauft, um die Kiste hinter dem Hotel an der Piazza di G. Verdi wenigstens so weit vorab zu zerlegen, wie es ohne Spezialwerkzeug möglich war. Klaus meldete voraussichtliche Ankunft in Genua an der Piaggio-Werkstatt um kurz vor 12. Das paßte prima. Der Werkstattmeister raufte sich dann aber gleich die Haare, als er hörte, was auf dem Programm stand. Der hatte wohl nur Berichte von wegen "20 Minuten brauche ich allein für das Flurbrett" gelesen. Otto hatte aber mit KHK ab Uhrenstart 12 Uhr in der Piaggio-Werkstatt die alte Welle demontiert, die Lager und Siris getauscht sowie die neue Welle eingebaut. Deckel drauf, Zylinderhaube dran, Auspuff dran und ab dafür. Nach exakt 70 Minuten waren sie durch und hatten das Angebot, in der Piaggio-Butze direkt übernommen zu werden, auch gleich auf dem Tisch. Sie lehnten aber dankbar ab. Das einzige, was noch fehlte, war die Montage und Verkabelung der neuen Vari. Dazu später. Wir fuhren inzwischen auf der "dei fiori" weiter. Es waren herrliche 26° C. Die Durchfahrt bis auf eine Unfallstelle, die umfahren werden mußte und wo wir zum Glück weit vorne waren, frei. Ein erster Tankstop gab mir Sicherheit: Die Kisten knapp über Originalstandard (Arne, Kelle, Lacknase) zogen alle fast gleichviel Sprit: um die 7 Liter auf 100km. Arne hatte den kleinsten Tank, aber dafür den Riesenvorteil mit der Getrenntschmierung, daß er leicht vorausfahren konnte: tanken, zahlen und weiterfahren. So würde er uns immer wieder treffen bzw. einholen. Wie auch immer: Lief gut. Nicht so danach die Automatik. Auf der Bahn blieb Arne zurück. Die Kiste magerte übel ab. Eine Pause im Schatten oberhalb der ligurischen Küste, deren Anblick so geil ist, daß er hier schlicht nicht beschrieben werden kann, ergab: Dreck im Vergaserzulauf - so als hätte jemand Espresso-Trester ( ) in den Tank gehauen. Das ganze war zum Glück schnell behoben. Weiter ging's. Durch Imperia/Sanremo waren wir kurz vor Mittag durch, als das Vorhaben aufkam, nach Monaco zu fahren: Ein Kaffeetscherl in Monte Carlo. Also Navi auf "Hafen" und ab über den Asphalt, den bereits Lauda 75/76 siegreich malträtiert hatte. Saugeiles Feeling und top Sound übrigens, in diesen Tunnelabschnitten mal im 2. Gang das Gas stehen zu lassen. Der Mittlere Ring in MUC ist auf jedem Tunnel-Abschnitt akoustisch nur fad dagegen. Nach einer kleinen Fahrt ums Dorf waren wir dann auch endlich am Yachthafen angekommen. Kisten aufgebockt und ab ins Restaurant. Der Blick in die Karte ließ angesichts der üppigen Menüs eine Runde Wasser, Limo, Kaffee und zwei Käseplatten bzw. Salat angeraten erscheinen. Bei allem Anderen wären wir im Verdauungsschlaf glatt weggepennt. Ein paar Photos bei leckeren 27° C, ein bischen Französisch, Gaststuhlen in Motorradkombi auf einem Klo mit goldenen Wasserhähnen, Kartenzahlen, Photos am Steg, ein bischen mit Passanten und Hochzeitsreisenden über Roller quatschen und raus hier. Am Ortsausgang nochmal tanken (60 bis 80km waren bei Augenkrebs Pflicht). Arne hatte gleich mal Super-Bio-Ethanol erwischt und sich gefreut, daß das so toll billig war. Kampfschwabe vs. Simmering. Aber egal. Moderner Motor. Der packte das. Der Maybach vor mir hatte gerade für 220 Öcken getankt, als ich auch endlich mal dran war. Der Durchschnitts-Monegasse liebt anscheinend Tankstellen mit nur zwei Zapfsäulen, weil dann der neue Ferrari in der Sonne stehend länger von der Mutti, die auf ihrem feuchten Höschen im Lamborghini vom letzten Jahr nHAIRvös rumrutscht, bestaunt werden kann. Der Blick auf die Uhr machte klar: Wollten wir es auch nur ansatzweise bis Montpellier oder sogar Narbonne schaffen, mußte es ab Nizza nach Aix abgehen. Küstenstraße über Marseilles fiel aus. Änderte an der guten Laune aber nichts. Die Sonne schien, streckenweise herrschte Windstille, und Lehra konnte mit der original motorisierten SX extrem locker und mit Gasreserve an den paar Lastwagen vorbei. In Arles an der Tankstelle erreichte uns schließlich die Nachricht, daß Otto "alles Wesentliche" geschafft, die Kiste bei Klaus in den Bus verladen und mit Klaus die Verfolgung aufgenommen hatte. Wir gaben durch, daß wir den exakten Aufenthaltsort ansagen würden, sobald wir wüßten, wo wir landen. Um 18:30 Uhr war schließlich klar, daß wir nur noch Montpellier anpeilen. Narbonne war schlicht zu weit, wenn wir noch für uns vier Rollerreisende und zwei weitere im Bus eine Unterkunft finden wollten. Also Montpellier am Strand: Palaves-les-Flots. SMS an Otto und KHK. Gegen 20 Uhr waren wir da. Die Anfahrt war so lala. Das Wetter wurde diesig. Dafür sah man in den Buchten, an denen man vorbeifuhr, Flamingokolonien stehen und jede Menge sonstige schräge Vögel. Überhaupt wurde es zwischenzeitlich sehr "ländlich". Umso mehr ernüchertete wieder die Ankunft in der verhangenen Promenadenregion: eine Mixtur aus Amsterdam, Ballermann und St.Pauli. Das ganze in "runtergekommen". Aber bei dem Wetter ... und runtergekommen waren wir ja auch. Nach 15min cruisen hatten wir ein Hotel gefunden, das immerhin vier Passagieren Platz bot. Aber bitte, wer pennte denn in diesem Nest? Auf der Straße war ja wenig los. War uns dann aber egal. Vier Leute in der Bude paßte schon. Der Rest mußte dann eben improvisiert werden. Die Kisten parkten draußen vor einem Schuhladen unter der Markise. Die mußten bis zum nächsten Tag um 10e weg sein. Sagte man uns Nach kurzem Absatteln und Aufhübschen ging es in eine Brasserie jenseits des Kanals. Dort wurde uns klar, wo ein gut Teil der Leute war: am Glars. Und dort erreichte uns gegen 21:30 die Nachricht, daß die Jungs "gleich da" seien. Der Ober wurde nervös, da um 22:00 Bestellungsschluß und um 22:30 die Küche dicht sein würde. Um 21:45 kamen dann aber die Helden an und nahmen Platz, so daß noch alle gemeinsam speisen und trinken konnten. Nach einem kurzen Zwischenbier in der ortsansässigen Kneipe für Bedienstete des umliegenden Tourist-Gaywerbes, ging es mit vereinten Kräften an Ottos rOI!se. Zum Glück hatte Otto den Gaslötkolben dabei, so daß die Kiste gegen 2 Uhr in der früh nach Randsteinschrauben mit "vereinten Kräften" und nach "Erfahrung und Optik" eingestellt im Nebel (zum Glück ohne Bier-Straßenverkauf!) zum ersten Mal zündete. Klang gaysund. Das war genug. Licht mußte tags drauf nach dem Frühstück ran. Donnerstag, 10. Juni 2010: Nach dem Frühstück, bei dem zunächst gar nicht auffiel, daß es nicht nur vier waren, die bestellten, ging es gleich ans Aufsatteln und die Lichtausbeute. Nach 35min blinkte und hupte es, und die Freude war bei allen riesig. Die Eurolambretta war für einen Moment egal. Bei Kilometerstand um 1300 konnte es für alle weitergehen. Jede erdenkliche Art der Hilfe war ausprobiert worden, um den alten Originaldreck ans Laufen zu kriegen, und nicht zuletzt der betroffene Fahrer hatte bis zum Schluß nicht aufgegeben. Manch anderer wirft ja schon das Handtuch, wenn der Kerzenschlüssel in der Werkstatt nicht drauf geht. Großes Kino! Hätten wir Schampus gehabt, hätten wir ihn aufgemacht. Otto sattelte hastig und fuhr schonmal vor, um zu testen, ob die Karre Vollgas klingelt. Auf der Schnellstraße vor Autobahnauffahrt wartete er, um das OK zu geben. Alles bestens. Klaus fuhr die erstern Kilometer mit, um im Notfall nochmal mithelfen zu können. Ab der ersten Autobahntanke (hinter Beziers oder Narbonne) zog der Troß dann wieder "allein" weiter, weil endgültig klar war: Ottos Karre löppt gut. Allgemeine Zufriedenheit machte sich breit, als Lehra und Otto sogar wieder anfingen, O-Kisten-Racing am Berg zu betreiben. Wie die jungen Hunde ... Das Wetter war nicht mehr ganz so strahlend, aber es hielt. Der Blick auf die Pyrenäen war durchgehend beeindruckend, streckenweise grandios. Hinter Carcassone (ich glaube, bei Bram) wurden dann Klagen laut, daß die "doofe Autobahn" so langweilig sei. Die beiden betreffenden Fahrerinnen wollten nicht den "Umweg" über Toulouse fahren, sondern bei Villefranche-de-Lauragais abfahren, über die D622 nach Capens fahren und eben dort wieder auf die E80 (La Pyrénéenne) fahren. Auffahrt 28. "An der Tanke danach treffen wir uns." Die Toulousefahrer machten einen Tankstop, besichtigten einen E-Type, der dort ebenfalls Pause machte, lobten den E-Type-Fahrer, weil die Kisten ja noch öfter liegen bleiben als Lambrettas, derweil der E-Type-Fahrer die Lambrettisten lobte, weil er es besser wußte. Wir aßen noch ein paar Tramezzini, ein Zug aus der Hydropumpe. Der Landstraßentreck machte kurz Halt beim Vietnamesen, wie wir später erfuhren. Mit einer Differenz von 10min trafen wir uns alle wieder an der Tanke nach Auffahrt 28. Spitzentiming. Das Wetter war auch wieder königlich. Bullenhitze, leichter Wind. Über Tarbes, Pau und Bayonne ging es schließlich nach Spanien rein: nach San Sebastian. Gleich hinter der Grenze war es dann so weit: Es begann zu nieseln. An einem leichten Anstieg fuhr auch schon der erste Brite an uns vorbei und machte den Kanu-Ruder-Fuß. Grund genug, daß Arne und ich ausscherten und dem Hool 500m hinterHAIrzubollern, um ihn dann nach kläglicher Gegenwehr ebenso final wie deutlich zu versenken. An der nächsten Mautstation, als wir auf den Rest der Truppe warteten, fuhr der Brite gleich mal vor, um sich vorzustellen. "Matt" war ein Prachtexemplar: Polierte rote TV175, zweite Serie, mit Oansa, Taffspeed-Bollertröte und allem (wirklich allem), was der MB-Katalog so hergibt an Instrumenten und Blinkenlights. Er selber bis zum Halskragen tättowiert, untere Zahnreihe komplett abhanden, Bomberjacke, ölverschmierte Jeans, Hosenstall Anschlag offen, Springer. Der eine investiert in die Hygiene, der andere ins Gayfährt. Wir konnten dem zahnlosen Gestammel entnehmen, daß "me mate" ein "hole" in den "piston" ge"burned" hätte. Wir waren kurz verunsichert: Sparbüchsen-Gonzales? So weit südlich? Unmöglich. Wahrscheinlich nur ein Witz - so von Cockney über Cockney. Das erklärte Tagesziel Eibar erreichten wir nur im strömenden Regen. Es war zwischenzeitlich so, als hätte jemand auf den sprichwörtlichen Knopf gedrückt. Kelle hatte auch gleich mal die Ausfahrt verpaßt, Lehra war hinterHAIRgeballert, während Otto, Arne und ich durch die lauschige Industriestadt fuhren, um gegen 21:30 Uhr noch eine Bleibe zu sichern. Auch nach diversem Nachfragen, verschiedenen Navi-geführten Anfahrten und verzweifeltem Bretterverschlag-Scannen hatten wir dann doch mal Lehra am Apparillo. "Jo. Bin hier an der Piazza. Habe mit Kelle T5Rainer getroffen. Der ist mit einem Kumpel da. Sitzen in einer Bar." Ja, nee. Is klaa, oder? Da fährt man 1900km (plus minus 100) gayn Spananien, um dann in Eibar den T5Rainer aus Schwabing zu treffen. Wie geil ist das? EL in Spanien hin, EL in Spanien HAIR. Dank hervorragender Vorplanung von Rainer und seinem Kollegen war der ortsansäßige LC bereits informiert. Wir bekamen schließlich ein Hotelzimmer mit Bombenfrühstück und einen trockenen Parkplatz in der Club-Garage des Servietten-Vereins Eibar. Die Freibiere zähle ich nicht auf. Der Präsident betreute uns persönlich und klärte uns auch über die Planungen seines Clubs für die EL auf: 60 Leute mit/auf 30 Kisten waren gemeldet. Ein Wahnsinn alles in allem. Zum Eindruck von Wahnsinn trug auch die Charity-Veranstaltung auf der Piazza gegenüber der Bar bei: Die Spanier hatten doch glatt dieses Jahr das Gastmotto "Deutsches Fest" gewählt und ein lauschiges Bierzelt mit Paulaner-Humpen und Kalbshaxen aufgestellt. War nicht unsere Vorstellung von Verpflegung für den Abend. Deswegen ging die eine Hälfte lädiert ins Bett, derweil die andere nochmal den Chips-Automaten an der Bar bemühte. Alles in allem eine denkwürdige Station. Ach ja, das auch noch: Das Serveta-Museum gibt es wirklich. Freitag, 11. Juni 2010: 350 km wollten noch gefahren werden. Nach einem fürstlichen Frühstück mit leckeren Tomaten-Tostados und trinkbarem Café con leche ging es bei prasselndem Regen gegen 9e auf die Bahn. Die Kisten hatten über Nacht in der Garage trocken gestanden und waren entsprechend "griffig". Bereits nach 50km ging es ab nach Bilbao, da wir unbedingt noch das Guggenheim-Museum sehen wollten. Nach einer Dead-End-Situation (zwei gesperrte Straßen in unterschiedlichen Planquadranten) fuhren wir schließlich einfach in verbotener Richtung durch die Einbahnstraße vor das Museum, wo gleich mal ein Rolls-Royce Silver Ghost vorgefahren war. Toller Anblick. 10min Pause, Photos, aufsatteln. Die letzten Kilometer würden mit Blick auf die Wetterentwicklung die schwersten werden. Extreme Winde und Regen wie aus Kübeln erwarteten uns, wann immer wir die "schützenden" Berge zum Antlantik hin durch- oder überfuhren. Das Geprassel auf der Helmschale allein war so laut und so nervig, daß man weder Wind noch Motoren noch sonst irgendetwas hörte. Von der Sicht wie in dichtestem Nebel ganz zu schweigen. Dazu die spanischen LKW-Fahrer, die allesamt aus den Karren rausholten, was ging. Im Nachhinein betrachtet können wir froh sein, daß uns nichts passiert ist. Auf der abschnittweisen Autobahnumgehung krochen wir dafür dann mal nur mit 45 bis 50 dahin, als dem Tross eine Engländertruppe voranfuhr. Was wir zunächst aus der Ferne für ABC-Modelle hielten, entpuppte sich nach dem Kolonnenhüpfen jeweils(!) als Serie3 mit Bollerrohr. Völlig meschugge, die Pfund-Tuner. In Santander gab schließlich das Navi auf. Wie sich zu Hause herausstellte, war es nur abgestürzt - wohl das fiese Geprassel auf dem Display - und nahm nach kurzem Reset seinen Dienst wieder auf. In Santander hatte es so ausgesehen, als wäre der Saft weg. Die Kontrolle der Bordelektrik ergab dort aber nichts Auffälliges. Egal. Ab hier war Fahrt nach Schildern/auf Sicht leicht möglich. Dennoch bollerten wir an der eigentlich richtigen Ausfahrt (Cabuenes) vorbei, um dann in Gijon durch die Stadt zurückzufahren. Egal. Ortsausfahrt geschafft. Wir waren alle da. Aber noch nicht auf dem Platz. 5km vor dem EL-Gelände, auf einem Krankenhausparkplatz, den wir zur Neuorientierung angefahren waren, bot ein freundlicher Lambretta-begeisterter Herr an, uns mit dem Auto bis zum Campingplatz zu lotsen. Wir nahmen dankend an. 10min später waren wir da. Ein unglaubliches Gefühl nach (in meinem Fall) 2.550km one way in 5 Tagen von der Kiste zu steigen. 15:15 Uhr waren angesagt, 15:15 Uhr waren wir da. Schmiedi nahm uns in Empfang, wir meldeten uns an der Rezeption und fuhren zum Jetsons-Bungalow auf eine Ankommerhülse von Miha frisch serviert. Ich weiß nicht, wann mir ein Dosenbier zuletzt so gut geschmeckt hat. Niemand war bis dahin gestürzt oder hatte sich verletzt. Es hatte keinen Streit gegeben, jeder hatte auf jeden gewartet. Die Nichtraucher hatten die Raucher geduldet - und umgekehrt. Die O-Kiste-aus-dem-Museum-Panne wurde gemeinsam bewältigt. Und zwar so, daß nicht nur verladen oder sonst irgendwie improvisiert wurde, sondern Otto nach kompletter Revision wieder on the Road ging und problemfrei mitfuhr, als sei nichts gewesen. Der Rest war EL und ist in den zugehörigen Topics zu finden. (Mir persönlich aber nicht halb so wichtig wie die Fahrt. Was nicht heißen soll, daß die EL nicht geil war. Im Gegenteil.) Mein Fazit: Die von Speedy revidierte Automatik ebenso wie die übrigen Nicht-Museums-Motoren hielten alle ohne auch nur das geringste Rappeln. Keine verwarzten Teile, keine abgerüttelnten Kerzenstecker, keine gerissenen Ansauggummis, Ketten oder Pötte, kein siffender Auslaß oder Kopf, kein durchblasender SiRi, keine versagenden Bremsen, nichtmal ein gerissener Zug. Neben den Freunden, die alle mitfuhren, gilt mein persönliches Merci den vielen netten Menschen unterwegs. Ob sie uns nun ein Bier spendierten, auf eine Zigarette anhielten und mit uns einen kleinen Plausch hielten oder "nur" freundlich winkten. Was zuletzt den Kurze-Hosen-Samariter und Otto angeht, so fehlt mir persönlich jede Kategorie. Der eine fährt aus der Schweiz nach Genua, um dem anderen beim Vollfrust-Wellentausch in der Mittagspause zu helfen, der andere läßt sich helfen und gibt bis zuletzt nicht auf, damit es für alle wie geplant weitergeht. Ich kenne bislang niemanden sonst, der das getan hätte. Tobi vielleicht. Aber der fährt nicht Lambretta. Zuallerletzt nochmal ein 3faches HIP-HIP-HURRA! auf Speedy. HAIR konnte sich auf eine Kiste setzen und angasen, die mindestens so ausfallsicher war wie das Amen in der Kirche, ein top Handling bot und Dank Kurbelwellen-Magic und "kleiner Optimierungen" das Feld in jeder Lage souverän um 5 bis 10sec Beschleunigungsvorteil bzw. 20 bis 30km/h Spitzengeschwindigkeit anführte. DANKE, SPEEDY! Ziehst Du mir meine Kinder auf? p.s.: Sollte ich etwas vergessen oder nicht richtig dargestellt haben, bitte PM. Ich korrigiere umgehend. Entsprechend füge ich Bilder, die das eine oder andere Ereignis illustrieren können, gerne ein. Einfach zuschicken. Merci.
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  4. diesen antrag unterstütze ich sofort! wäre echt klasse, wenn maniac das einrichten würde
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