Zu diesem schwierigen Thema habe ich eine selbst erlebte Geschichte beizusteuern: Ich war in dem Alter 20+ und mit drei Freunden zu Fuß unterwegs in der Stadt. Die Freunde waren zwei eher schmächtig wirkende, desertierte Fremdenlegionäre, die mittlerweile Bildhauer geworden waren und ein ebenso schmächtig wirkender Psychologe. Ich selbst war noch zierlicher. Wir gingen also zu viert die Straße entlang, als uns unvermittelt fünf oder sechs Skinheads umringten, die größer waren und kräftiger schienen. Da standen wir nun umringt und ich sah im Augenwinkel, wie sich die beiden Bildhauer gleichzeitig einfach nur blitzartig locker machten. Einer von ihnen ging einen Schritt auf den vermeintlichen Anführer der Skins zu, sah ihm in die Augen und sagte ruhig und bestimmt: "Lass es besser bleiben." Danach war es einen Moment lang still und dann zogen die Skins von dannen... Das hat mich sehr beeindruckt. Wir haben es uns nicht gefallen lassen, sind nicht geflohen und es war überhaupt keine Gewalt notwendig. Ich weiß nicht, was ich alleine gemacht hätte, denn ich hätte nicht diese absolute mentale Sicherheit gehabt, wie diese ehemaligen Kampfmaschinen, die gelernt hatten, zu Kämpfen aber auch, Konflikte zu vermeiden. Andererseits, wären sie auch bereit gewesen.. Allein diese Überzeugende Bereitschaft und Sicherheit hat die Situation geklärt. Deshalb bin ich Jahre später einen Karateverein Mitglied geworden. Ich wollte einfach diese körperliche und mentale Sicherheit. Später war ich Taxifahrerin und bin die meiste Zeit nachts in einer 400.000 Einwohner-Stadt gefahren. So oft bin ich gefragt worden, ob ich keine Angst hätte oder ob ich bewaffnet sei. Die Frage mit der Angst habe ich ganz klar verneint - wer Angst hat kann nicht fahren oder er wird zum Opfer. Die Frage nach der Waffe habe ich nie beantwortet. Habe gesagt, dies sei mein Betriebsgeheimnis oder dass die Haare auf meinen Zähnen durchaus Waffe genug seien oder ähnliches eher amüsantes und unterhaltendes Zeugs, um die Fahrgäste auch einfach von diesem Thema abzulenken.. In Wirklichkeit habe ich manchmal überlegt, ob ich mir nicht eine Waffe zulegen sollte und kam zu dem Schluß, dass unter diesen Bedingungen (im geschlossenen Fahrgastraum) Waffen keinen Sinn machen, denn wenn man nicht wirklich damit umgehen kann, dann richtet sich die eigene Waffe all zu schnell gegen mich selbst - das wäre unter Umständen doppelt fatal gewesen. Selbst ein Pfefferspray hätte im Taxi fast die selbe Wirkung auf mich, wie auf den Angegriffenen, also kompletter Quatsch und unpraktikabel. Die einzig wirkliche Waffe wäre das mittlerweile altertümlich anmutende Mobiltelefon gewesen: groß und schwer wie ein Ziegelstein und immer griffbereit und mit Kringelkabel angebunden in der Mittelkonsole. Damit konnte man im Zweifelsfall wirklich jemandem auf den Kopf klopfen oder mit der großen Stablampe im Türfach. Aber all dies war nie von Nöten. Wenn Fahrgäste unangenehm waren und sie sich trotz meiner Aufforderung nicht benehmen konnten, habe ich das Taxi selbst als Waffe eingesetzt. Ich war ja - obwohl es keine Pflicht war - immer angeschnallt - anders als die meisten Fahrgäste und so habe ich dann einfach auf die Tube gedrückt, die Kurven gekratzt, dass ihnen fast übel wurde und bevor sie dann am Ziel angekommen ausstiegen, waren sie 1. ganz klein mit Hut und 2. gab es auf wundersame Weise mehr Trinkgeld als üblich... So eine überraschende Wendung!? Was lernen wir daraus? 1. Niemals Waffen benutzen, mit denen man nicht wirklich umgehen kann. 2. Wenn möglich vom Thema ablenken und das Gegenüber freundlich stimmen. 3. Drohungen nur dann aussprechen, wenn man sie auch wirklich wahrmachen kann und bereit dazu ist. 4. Wer nicht nur sicher ist, sondern wer weiß, dass er 'gewinnen' wird, kann Gewalt vermeiden. 5. Wer nicht sicher ist, hält sich wenn möglich, fern von Konfliktpotentialen. 6. Wenn das alles nicht hinhaut, kann man versuchen, den Angreifer abzulenken und schnell zu verschwinden.. 7. Augen, Ohren und überhaupt alles aufstellen, was irgendwie den Gegner erspüren kann und ihn mit seinen eigenen Waffen schlagen - zum Beispiel mit phychologischer Rafinesse. Lass ihn glauben, Du seist auf Seiner Seite. Solange er es glaubt, wird er Dir nichts tun. usw. usw.