Neuer Vertrag ist seit Anfang Mai unterzeichnet. Meine Kündigung habe ich Mitte Mai abgegeben, nachdem ich mich mal wieder über die Prozesse und Selbstbereicherung in der Verwaltung geärgert habe.
Am 1. August bin ich zehn Jahre hier in der Firma.
Warum wechseln?
Hmm ... also seit meiner Kündigung gab es genau darüber ein Gespräch mit meinem Abteilungsleiter. Keiner der Geschäftsführer hat sich seit meiner Kündigung die Mühe gemacht mit mir das Gespräch zu suchen. Die Abläufe hier werden überreguliert und dennoch nicht eingehalten - m.E. sehr selten von meinem Chef. Denke am aussagekräftigsten ist das Chefgespräch am Tag nach meiner Kündigung ... Er: "Ja, warum geh'sch?"
Ich: "Neue Herausforderungen ..."
Er: "Ja, du hast das schon mal erwähnt."
- Bedeutungsschwangere Pause -
Er: "Wohin?"
Ich "Kleines Softwarehaus hier in der Nähe. Hat Potenzial und bietet was für die nächsten Jahre."
- Bedeutungsschwangerere Pause -
Er: "Hat das was mit mir zu tun?"
Ich denke, das sollte ihm klar sein. Nach so ein paar Scheiß-Aktionen in den letzten zwei Jahren, bei denen ich mich durchbeißen musste, weil er nichts gemacht hat. Stress bis zum Abkotzen, aber er reagiert erst, als es ihm klipp und klar gesagt wird - hey, wenn eine Kollegin krankheitsbedingt für locker ein Vierteljahr ausfällt, hat er als Vorgesetzter sich verdammt nochmal darum zu kümmern und die Arbeit neu zu verteilen. Stattdessen lässt man laufen ...
Habe ihm vor zwei Jahren gesteckt, dass für mein Tätigkeitsgebiet eine zweite Person als Backup da sein sollte. Ja, aber kein Budget, die Geschäftsleitung will nicht, bla bla bla. Wenn ich im Urlaub bin, bleibt alles an Support-Arbeit liegen, bis ich wieder da bin. Das sind dann oft Sachen von wenigen Minuten!
Mein Job ist hier auch das Release-Management, d.h. Leistungsumfang für die nächste Version festlegen, Termine festlegen, Arbeiten überwachen. Wer aber immer wieder zwischendrin unabgesprochen Versionen rausgibt ist mein Chef. Und für die Versionen, die er rausgibt ist meist nicht nachvollziehbar, was die Änderungen sind ... "Schreib mal die Release-Notes zu der Version ..." - ja wie soll das gehen, wenn er da nichts pflegt?
Hatte Mitte Februar heftigsten Tinitus, quasi kurz vor Hörsturz, weil mal wieder Stress bis zu geht nicht mehr. Aber mein Chef merkt das nicht und als es dann eskaliert wird kurzfristig (fünf bis zehn Minuten zuvor angekündigt) ein Gesprächstermin mit der Leiterin des Personalbüros - pardon - der Personalreferentin - äh - Leiterin Human Resources durchgezogen.
Mal ehrlich, dem Chef traue ich nicht weiter als ich einen Panzer werfen kann, ach was, einen Flugzeugträger. Und der Personalcheffin traue ich noch etwas weniger.
Auf Anfang März ist der bisherige Geschäftsführer in den Ruhestand gegangen. Sein Nachfolger ist schon länger bei uns in der erweiterten Geschäftsführung. Dem Nachfolger, seit Jahren Chef meines Chefs, traue ich ebenfalls nicht.
Bei einem Chef, bei dem ich schon erlebt habe, dass er Kritik persönlich nimmt, ein Chef, der mich mehrfach ins Messer laufen ließ, weil er nichts gemacht hat, was ist die logische Konsequenz als Antwort?
Ich also: "Nee, da ist alles klar."
Ungefähr Mitte Juni kam mein Chef und meinte, ich solle doch mal meinen Verantwortungsbereich beschreiben, weil ... wegen Übergabe und so. Aber da gibt es ja eine Vorlage, er sendet mir sie zu.
Habe dann nach drei Wochen mal angemerkt, dass ich jetzt aufgearbeitet hätte und was ich nun tun solle. Da kam ihm wieder der Punkt mit Verantwortungsbereich und Übergabe und ich habe ihn daran erinnert, dass er mir die Vorlage zusenden soll - schließlich sind Prozesse definiert und qualitätsgesichert. Das Dokument hat man zum Abschied des bisherigen Geschäftsführers "mal aufgesetzt"; Vorlage? Am Arsch ...
Nun habe ich also alle meine 26 Verantwortungsbereiche innerhalb von zwei Tagen inkl. notwendigem Wissen beschrieben und ihm das Dokument zur Verfügung gestellt.
Bis heute weiß ich nicht, wer welche Sachen übernimmt.
Bin gestern mit meiner Kollegin über ein paar Sachen drüber gegangen. Während ihres Mitarbeitergesprächs hieß es "Kannst du dir vorstellen dies oder das zu machen?" Klar kann sie sich das vorstellen, aber das ist doch keine Entscheidung!
Also, warum wechseln?
Weil mein derzeitiger Vorgesetzter Entscheidungen vermeidet, Führung nicht wahrnimmt und Kritik persönlich nimmt. Bei dem "neuen" Geschäftsführer, der Personalcheffin und der Persönlichkeit meines aktuellen Chefs sehe ich auch keine Zukunft in einer anderen Abteilung der aktuellen Firma. Im Gegenteil, ich schätze, dass die Firma ohne Gegensteuern in zehn Jahren vielleicht gar nicht hier existiert.