Und jetzt noch die Abwehrmechanismen: Abwehrmechanismen des Ich Zur Bewältigung des Triebimpuls/Abwehr-Konfliktes aber auch zur Bewältigung von Ängsten stehen dem Ich, als dem zum Handeln gezwungenen Teil der Persönlichkeit verschiedene Mechanismen zur Verfügung. Diese stellen jedoch keine optimalen Lösungen des Konfliktes dar, sondern begünstigen ein Wiederaufleben des Konfliktes zu einem späteren Zeitpunkt und führen zur Symptombildung. Die wichtigsten dieser Mechanismen sind: Kompensation Kompensation ist eine Verhaltensweise, durch die psychische Mängel (z.B. Minderwertigkeitsgefühle) ausgeglichen werden sollen. Es kommt zu Handlungen, die Vollwertigkeit demonstrieren sollen, wobei das Ich leicht über das Ziel hinausschiesst, und die Mängel überkompensiert. Verleugnung Im allgemeinen Sinn wird darunter die Leugnung bestimmter unangenehmer Gefühle verstanden (z.B. Angst, Minderwertigkeit, Unsicherheit) vor sich selbst und der Umgebung. Die Verleugnung kann dabei sowohl durch "Wort und Handlung" als auch nur in der Phantasie erfolgen. In einem spezifischen Sinne wird "Verleugnung" als ein Abwehrmechanismus gesehen, durch den sich das Ich weigert, die Realität einer traumatisierenden Wahrnehmung (z.B. der Penislosigkeit der Frau) anzuerkennen Mittels der Verleugnung werden Fetischismus und Psychosen erklärt: während der Neurotiker die Forderungen des Es verdrängt, wird die Realität vom Psychotiker verleugnet. Verschiebung Verschiebung (=Substitution) ist ein Abwehrmechanismus, mit dessen Hilfe ein ursprüngliches Triebobjekt durch ein anderes (Ersatz-) Objekt ersetzt wird. Diese Vorgehensweise erfolgt, wenn die Befriedigung eines Bedürfnisses aus inneren oder äusseren Gründen unmöglich ist. Z.B. kann die aus dem Es stammende Aggression, die sich gegen ein äusseres Objekt (z.B. den Vorgesetzten) richtet, auf ein Ersatzobjekt (z.B. einen Untergebenen) verschoben werden und sich dort entladen. Andererseits kann die gegen ein äusseres Objekt gerichtete Aggression sich auch auf das Ich verschieben (Autoaggression). Schliesslich kann auch eine aus dem Über-Ich stammende und gegen das Ich gerichtete Aggression (z.B. Selbstbeschuldigung) auf ein anderes Objekt umgeleitet werden. Isolierung Isolierung ist ein Abwehrmechanismus, der darin besteht, einen Gedanken oder ein Verhalten zu isolieren, so dass die Verbindung mit anderen Gedanken oder mit der übrigen Existenz des Subjekts unterbrochen ist. Zu den Isolierungen gehören Pausen im Gedankenablauf, Formeln und Rituale. Isolierung ist ein für die Zwangsneurose typischer Abwehrmechanismus, wird aber auch bei Phobien (Ängsten) und als Abwehr bei der Hysterie beobachtet. Identifikation, Introjektion, Projektion Die Identifikation des Ich mit dem Objekt kann sowohl über die Projektion als auch die Introjektion erfolgen. Im Falle der Introjektion erfolgt eine Einbeziehung oder bewusste Einbeziehung von Personen oder einzelnen fremden Motiven und Anschauungen in das Ich. Mittels der Projektion werden Gefühle und Wünsche, die das Subjekt verkennt oder in sich ablehnt, aus dem Subjekt ausgeschlossen und in eine andere Person oder Sache hineinverlegt. Projektion ist ein bei Paranoikern und Phobikern häufig verwendeter Abwehrmechanismus. Rationalisierung Rationalisierung ist ein Mechanismus, durch den das Subjekt versucht, Verhaltensweisen, Gedanken, Gefühle usw., deren wirkliche Motive nicht erkannt werden, eine logische oder moralisch akzeptable Erklärung zu geben. Rationalisierung kann nur bedingt als Abwehrmechanismus gesehen werden, da sie nicht direkt gegen die Triebbefriedigung gerichtet ist, sondern eher sekundär den Abwehrkonflikt verschleiert. Rationalisierung wird bei neurotischen und psychotischen Symptomen z.B. Verfolgungswahn benutzt. Reaktionsbildung Als Reaktionsbildung wird ein Abwehrmechanismus bezeichnet, der an die Stelle eines verdrängten Wunsches, eine, diesem entgegengesetzte Vorstellung oder Verhaltensweise setzt. Symptomatischen Wert erhalten Reaktionsbildungen durch ihre Zwanghaftigkeit und Übertreibung, die gelegentlich zu Misserfolgen führen und Ergebnisse bewirken, die den bewusst angestrebten entgegengesetzt sind. Reaktionsbildungen können sehr spezifisch symptomzentriert sein, aber auch grössere Persönlichkeitsänderungen hervorrufen. Reaktionsbildungen werden häufig bei Zwangsneurosen und bei der Hysterie beobachtet. Sublimierung Sublimierung ist ein Vorgang zur Erklärung derjenigen Verhaltensweisen, die scheinbar keinen Bezug zur Sexualität haben, deren treibende Kraft aber die Sexualität ist. Insbesondere künstlerische und intellektuelle Tätigkeiten sind als Ergebnisse von Sublimierungen anzusehen. Verdrängung Verdrängung ist wohl der bekannteste Abwehrmechanismus. Es ist dies ein psychischer Vorgang, mit dem die mit einem Trieb verbundenen Vorstellungen ins Unbewusste abgeschoben werden. Es kommt zur Verdrängung, wenn dem Trieb entgegengesetzte Forderungen (des Über-Ich) gegenüberstehen. Zum Lustgewinn durch Befriedigung des Triebes würden sich damit Unlustgefühle gesellen. Um dies zu verhindern, werden die Triebvorstellungen verdrängt. Die Verdrängung ist sowohl ein normal-psychologischer Mechanismus, der der Bildung unbewusster Sachverhalte dient, als auch ein pathologischer Vorgang, der besonders bei der Hysterie eine Rolle spielt. Verdrängte Wünsche kommen unbeabsichtigt durch Symptome, Träume und Fehlleistungen wieder zum Vorschein. Andererseits ist es ein Ziel der psychoanalytischen Therapie, verdrängte Inhalte aus dem Unbewussten ins Bewusstsein aufsteigen zu lassen. Vermeidung: bewußt Situationen vermeiden (z.B. bei Flugangst). Projektion: die Übertragung von Charakterzügen, Gedanken und Meinungen auf andere. Regression: Rückfall in Verhaltensweisen einer früheren Entwicklungsstufe. Fixierung: ein bestimmter Aspekt der Persönlichkeit verkümmert, die Unzulänglichkeit wird in den Vordergrund gestellt. Somatisierung: Flucht in Krankheit bei seelischer Belastung, Angst führt zu Bauchweh. Steffi