Ich bim zwar im Moment noch arbeitslos beziehe aber zum Glück kein Hartz 4. Trotzdem komm ich so gut wie nie mit meinem Geld aus und muss trotzdem an allen Ecken und Enden veruschen zu sparen. Gibt es hier Leute die in der beschissenen Situation sind und von Hartz 4 leben müssen? Und wie kommt ihr damit über die Runden? Würde gerne mal drüber diskutieren... Seit ihr auch alle wie ich die ihr Konto überziehen um noch ein wenig Spass und Kontakte im Leben zu haben oder eher die ungewollten Geizkragen die mühsam den letzten Pfennig sparen um es irgendwie zu schaffen? Hartz IV, wir kommen Wie weit kommt man mit 345 Euro? 13 Studenten der Sozialwissenschaften der Berliner Humboldt-Uni machten die Probe. Für einen Monat versuchten sie, genau wie Empfänger von Arbeitslosengeld II zu wirtschaften - dieser Geiz war nicht geil. Härtefall-Test: Berliner Studenten ahnen, wie es kommen könnte © DDP "Jeder, der sich mit Reformen auf dem Arbeitsmarkt irgendwie auseinandersetzt, sollte auf jeden Fall mal erlebt haben, wie es ist, mit 345 Euro zu leben. Dann weiß man auch, was die Einschnitte wirklich bedeuten", sagt Jan Nestlinger. Und Sarah Schlote ergänzt: "Sonst diskutiert man eben in die graue Theorie hinein und sagt, na ja gut, da lebt halt jemand von noch weniger Geld. Dafür finde ich es wichtig, dass man weiß, was bedeutet das dann." Jan Nestlinger und Sarah Schlote wollten es genau wissen. Vier Wochen lang haben sie, zusammen mit Norman Ludwig und Sebastian Scharch, wie Hartz-IV-Empfänger gelebt, gespart und: geschimpft. "Ich habe zum Beispiel darauf verzichtet, gutes Fleisch einzukaufen und bin stattdessen jetzt zum Discounter gegangen und habe dann dort aus der Tiefkühltruhe was genommen", erzählt Sebastian Scharch. Und Norman Ludwig: "Ich habe ein sehr kostenintensives Hobby. Ich fotografiere gern und habe da ein, zwei Sachen bei Ebay ersteigert, ein paar Diarahmen und ein Gerät dafür. Das hat so zu Buch geschlagen, dass ich mir in diesem Monat nicht mal eine Hose leisten konnte. Alle meine Hosen haben Löcher, ich brauche jetzt wirklich unbedingt eine Hose und vielleicht einen warmen Pullover für den Winter - es ging nicht!" Anzeige "Für den Monat war das okay" Die Testpersonen führten jeden Tag akribisch Buch, sie durften maximal den westdeutschen ALG-II-Satz ausgeben: 345 Euro im Monat plus Warmmiete. Und dieser Geiz war gar nicht geil. "Die Einschränkung war ganz klar im kulturellen Bereich. Ich musste mehrfach Freunden absagen, konnte jetzt nicht irgendwie weggehen", so Jan. "Und da, denke ich, ist das Problem. Für den Monat war das okay. Aber langfristig würden auf jeden Fall massiv Kontakte wegbrechen, das ist letztendlich die Folge." "Ich wurde auch eingeladen zum Essen und einmal auch auf ein Bier, weil ich gesagt habe, okay, ich hätte Lust, mitzukommen, aber ich kann's mir einfach nicht leisten", berichtet Sarah. "Dann haben die Leute gesagt: Wir wollen aber schon, dass du mitkommst, deswegen bezahlen wir dir das jetzt. Aber ich kann's mir einfach nicht vorstellen, wenn es jetzt Langzeitarbeitslosigkeit auch noch ist, dass die Leute da sagen: Ach so, Sarah laden wir auf'n Bier ein", sagt Sarah. Sarah Schlote war bereits einen Tag vor Ende des Sparmonats pleite - und sich nicht mehr sicher, ob sie das Projekt wirklich bis zur letzten Minute durchzieht: "Ich war einkaufen, das heißt, ich habe ausreichend Brot und Käse zu Hause. Da muss ich mir halt morgen fünf Schnitten Brot mit in die Uni nehmen - und müsste mich dann zwei Tage von Käsebrot am ernähren, aber das wäre schon ganz schön hart." Zum Glück können die Eltern helfen Die Studentin hat normalerweise monatlich fast 600 Euro zur Verfügung - vor allem wegen ihres Nebenjobs. Und ihr WG-Zimmer ist billig. Hartz IV war für sie deshalb ein echter Rückschlag. Jan Nestlinger hatte dagegen keine großen Sparprobleme: "Als Student habe ich jetzt auch nicht viel mehr Geld als diesen Hartz-Satz im Monat, also circa 400 Euro neben der Miete - also muss ich auch relativ reduziert leben. Ich kaufe eigentlich auch nur bei Discountern ein, weil ich schon vom relativ geringen Level komme." Ähnlich war die Erfahrung anderer Testpersonen. Norman Ludwig stellte aber fest, dass man selbst als "armer Student" noch viele Vergünstigungen hat, die Arbeitslose nicht bekommen - wie Kino-, Zeitungs- und Mensarabatt sowie das Semesterticket: "Und dann hat man den Rückhalt durch die Eltern, die jederzeit was dazuschießen können, wenn man in der Notlage ist", sagt er. "Also wenn mein Kühlschrank kaputt geht, dann sagen meine Eltern, okay, dann bezahlen wir den. Und wenn das einem Hartz-IV-Empfänger passiert, der kann nicht zum Arbeitsamt gehen, die kriegen keine Kühlschränke mehr bezahlt." Die Studierenden sind sich nicht einig, ob man nun von der Politik eine Erhöhung des Hartz-IV-Satzes fordern soll. Die einen sind dafür, die anderen meinen, mehr - bargeldlose - Rabatte würden ausreichen. Auf jeden Fall wollen die Sozialwissenschaftsstudenten weiter forschen. Demnächst treffen sie sich mit richtigen Arbeitslosen. "Ich denke, dass die Erfahrungsberichte von Menschen, die schon länger von Arbeitslosengeld II leben, noch deutlich drastischer ausfallen würden, als was wir geschildert haben", so Jan. Von Jens P. Rosbach, "Campus & Karriere" / Deutschlandfunk Quelle: Spiegel online