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Kaozeka

Mythos Route 66 – Auch in D !

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vor 10 Stunden schrieb Kaozeka:

Yo Arne. 

Noch auf Sendung?

Bin vor Ort. 

Gruß

Gerd

 

Jo, nur die Nachrichten kommen irgendwie mit der Post.
Irgendwie dauert das ewig hier, bis was ankommt. Fast Internet? - Alles Lüge!

Ich fürchte, Du bist schon durch.
Schade.

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Tag 5. Planänderungen

 

Achtung, dieser Post enthält Werbeeinblendungen!

 

Der Plan für heute war:

A) Weit fahren, damit ich morgen frühzeitig in Neufarn eintreffe. Dort lebt ein alter Spezi von mir und nach so langer Zeit brauchen wir viel Zeit für nicht nur ein Bier. Neufarn halte ich auch für eine gute Basis, um übermorgen ganz kuschelig die letzte Etappe anzugehen.

B) Arne wollte mich durch die Hohenloer Ebene begleiten und Willy mir das Altmühltal zeigen. Hatte mich sehr gefreut, hat beides aus unterschiedlichen Gründen nicht funktioniert. 

 

Gestern Abend tauchten Hinweisschilder „Künzelsau“ auf, immer meine Richtung und dementsprechend natürlich immer näher. Ich kann nicht 1100 Km (Stand gestern) durch Deutschland gondelnd und dann 15 Km an Michael vorbei fahren ohne ihn geherzt zu haben. Michael und seine Frau Ariane gehören zu den feinsten Menschen, die ich kenne. Zufällig ist Michael auch der beste Vespa-Restaurator Deutschlands. Punkt. 

Michael kann nur schön und gut und Perfekt. Leider ist er aus gesundheitlichen Gründen zur Zeit nicht aktiv.

https://www.scootervacanza.com/

 

Umweg nach Künzelsau. Michael wusste nicht, dass ich unterwegs bin. Hat sich gefreut. Wir haben uns verquatscht. 

Er hatte auch 'n Fläschchen SAE30 für mich. La Nonna markiert seit 2 Tagen. Will mich mal kümmern. 

 

Zurück auf die Strecke.

Die DFAO bleibt wunderschön.

Die Kirchen haben mittlerweile Zwiebeltürme und die Verständigung beim tanken wird anspruchsvoll.

 

Was weg ist, bemerkt man ja nicht ...

Ich hatte (Pfingsten) den Schwerlastverkehr vergessen. Immer wenn es bei größeren Städten doch mal eine Umgehungsstraße ist, ist es nicht wirklich lustig. Aber meistens bin ich zum Glück alleine im Nichts. 

 

Dinkelsbühl kann man scheinbar nur mit dem Hubschrauber erreichen. Ich gondel eine Stunde lang hin und her. Wegen Baustellen gibt es in Ellwangen drei Umleitungen. Zwei davon führen ganz weit weg... und dann wieder zurück. Die letzte Alternative führt über die A7..., direkt in einen Stau. Nach Stop and Go dann 15 Km Bolzerei. Rollerfahrer geht schönen. 

 

Aber dann wird doch alles schön. Das Wetter ist gut und wird immer besser. La Nonna läuft nach wie vor stabil, macht einen zuverlässigen Eindruck und viel Spaß.

 

Jagsttal

Oettinger Forst 

 

Und dann das Altmühltal. Grandios!

Hatte mich drauf gefreut, aber sowas ...!

Zunächst eng, durch Wälder, hohe Felswände direkt neben der Fahrbahn, 17% Gefälle, enge Kehren, schalten, schalten, schalten. 

Später offener, nur noch wenige Wolken, Sonne, sehr angenehme Temperatur, leuchtende Wiesen, Mohn, Kornblumen, langgezogene Kurven bei Beachtung der Tachonadelsichtbarkeit, aber nicht hektisch, gleiten, außerhalb der Städte nur ich, keiner vor mir, keiner hinter mir, kilometerweit kein Gegenverkehr, alles eingerahmt von bewaldeten Hügeln, Burgen, Schösser, La Nonna geht geil.

Ich glaube, genau dafür bin ich gekommen. 

 

Abfahrt 08:30

Ankunft 20:30

356 Km DFAO

3 x tanken. 12,9 Liter

Regionales Essen: Butterbrezn

Highlight: Altmühltal

Eis des Tages: Entfällt

Verlierer des Tages: Keine Begleitung

Defekte: Keine Defekte

 

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Edited by Kaozeka
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Am 21.5.2019 um 18:53 schrieb Lapsus:

Hier kommen jetzt mal in loser Reihenfolge ein paar Tipps für deine Tour:

  • An Seeon führt quasi kein Weg vorbei. Stehenbleiben lohnt sich allemal, weil das Kloster dort wirklich idyllisch gelegen ist.
    https://www.kloster-seeon.de/
  • In Traunstein warst du glaube ich schon mal. Nur wusste damals niemand das ein gewisser Josef Ratzinger, der dort einen Teil seiner Kindheit und Jugend einmal Papst werden würde.
  • In Haag gibt´s in der Wasserburger Str. 3 (mitten im Ort) eine super Eisdiele mit dem Namen Smeralda.
  • In Abensberg tummeln sich gern mal Hundertwasser Fans
    http://www.kuchlbauer.de/bier-kunst/kuchlbauer-turm/
  • weitere Tipps in Kürze

 

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Guter Tipp !

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Tag 6. Kurze Tour geht auch lange. 

 

Das Nachtgewitter war ein Nachtgewitter. Hunde, die bellen ...

Die Straße ist wieder trocken.

Schwül, extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Beim Packen schon durchgeschwitzt. Ich brauche unbedingt Luftkühlung.

La Nonna durfte im Schuppen übernachten. Kommt beim ersten Kick, hat noch Lust. BlaBlaBla, ist ja bekannt, aber ich freu mich trotzdem jedesmal!

Abfahrt. 

 

Zunächst 15 Km Zubringer. Ich schwimme im Schwerlastverkehr. Eine 300er (?) Plastikvespa überholt mich. Was stört‘s den Baum, wenn ...

Ich habe alle Zeit der Welt. 

 

Dann wieder schön. Unmengen an Hopfenfeldern. Ist ja auch wichtig. 

Kreisverkehr, Landshut wird angezeigt, 40 Km. Ich weiß, dass ich da durchkomme. Meine Route verschwindet natürlich in entgegengesetzter Richtung in einem unscheinbaren Wald. 

 

Kleines Nummernschild vor mir. Moderne Automatikvespa. 

Wir fahren eine ganze Weile mit 40 nebeneinander her, jeder eine Fahrspur, und freuen uns wie die Spechte.

Dennis Hopper und Peter Fonda.

 

Landshut. 

Höhere Mathematik der DFAO:

40 Km = 64 Km

 

Die Wolken machen sich weg. Geiles Rollerwetter. 

 

12:10 Kupplungszug gerissen. Es geht gerade bergab, rolle bis zur Bushaltestelle.

Ne Veloce kommt vorbei, hupt freundlich und hebt fragend den Daumen, ob ich zurecht komme. Ja, alles gut.

Während ich hochkonzentriert beide Hände benötige, um den Nippel festzuziehen, ziehen 4 Ameisen hochkonzentriert einen toten Käfer durch mein Gesicht. 

Wo das Werkzeug schon mal offen liegt, gibt’s jetzt auch 'n ordentlichen Schluck SAE30.

Weil die Fläschchen für spezielle Rolleröle von SIP, zur Befüllung von Rollern völlig ungeeignet sind, hat Michael mir noch sein Spezialfläschchen geschenkt. Michael kann nur gut und richtig!

 

Intermezzo für Interessierte:

125 Nuova '67, gemäßigter Quatrini M1-60, RD350, TMX30, kurzer Vierter, Elektrische Sonne, VSP-Road, 18,3 PS.

 

13:00. Weiter 

 

Die Kupplung trennt etwas früh, da will ich nochmal ran. Jetzt nicht. 

 

Das Wetter ist eigentlich weiterhin schön. Eigentlich...

Jetzt Sturmböen. Wind geht anders. Spontane Schräglagen auf gerader Strecke. Vmax 60 Km/h. Ich benötige eine komplette Fahrbahn für mich. Und hoffe, dass mich kein Odenwälder überholt.

 

In Dorfen wollte ich eigentlich Pause machen, aber Pause hatte ich ja gerade schon an der Bushaltestelle. 

 

Ab wann darf man eigentlich von Orkan sprechen? 

Ich werde zum Verkehrshindernis. So einen Eiertänzer würde ich nicht vor mir haben wollen! Vmax gewagte 50 Km/h. Rette mich bis Haag. 

 

Hier sollte sowieso Schluß sein für Heute, nur viel früher. 

Erst ein Eis, dann noch 40 Km zu Richard. Quatschen, Pizza, Bier. 

 

Und morgen hol ich mir den Königssee! 

Gewitter ist angesagt. 

Völlig egal. 

 

Abfahrt 09:30

Ankunft 16:00

169 Km 

2 x tanken. 6,8 Liter

Highlight: Richard

Eis des Tages: Eierlikörbecher in Haag. 

Gewinner des Tages: Freundliche Uralt-Ape, kleines Kennzeichen, riesige Ski-Dachbox. 

Defekte: Kupplungszug gerissen

 

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Zielfoto

 

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Gute Reiseplanung. Laphroaig 

 

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Angeberaufkleber 

 

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Pflichtfoto Ramsau

 

Tag 7. Sorry, Harz! Geht doch besser. 

 

Strahlend blauer Himmel, wolkenlos, 16 Grad C schon um 08:30. Windstärke 0!

 

Abfahrt 09:30

 

33 Km zurück nach Haag. Eis geht schon. 

10:20 Wiedereinstieg in die DFAO.

 

Wetter gehört unbedingt zum Glücksgefühl dazu. Heute ist Kaiserwetter. Ich gondel vergnügt durch die schöne Landschaft. Reisegeschwindigkeit 60-80 Km/h. 

Diverse Pausen, nicht bei den Attraktionen, in Wiesen, in Wäldern.

 

Die Fragen nach meinem Kennzeichen häufen sich. Nach Aufklärung, begeisterte Anerkennung. Ich frage mich, ob man „Grüß Gott“ straffrei mit „Servus“ erwidern kann.

 

Die Strecke ist wunderschön, dann atemberaubend. Die Hügel sind gewichen und geben die Sicht frei. Wenn ich nicht gerade durch einen schattigen, aber sonnendurchfluteten Wald gleite, ist jetzt vor mir das Alpenpanorama zu sehen. Kommt immer näher.

Jaaa, deshalb das Ganze!

Dann Chiemsee. Mir gehen die Superlative aus.

Weiter. 

Irgendwann macht’s Puff, und schlagartig sind die Alpen da. Rein zwischen zwei Bergen. Runter, runter, runter, bis zum Boden. Gebirgsfluss rechts, undurchsichtig Türkis, gurgeln, Schaumkronen, rechts und links Felswände.

Die Berge werden immer höher. Riesig. Massiv. Noch drapiert mit großen Schneefeldern, vor blauem Himmel. Klischee, Postkarte, aber einfach geil. 

Rauf, rauf, rauf, 860 M. ü. NN.

Runter, runter, runter, 14% Gefälle, neuer Fluss, genauso schön. 

Endorphine ohne Ende. 

Das will ich immer.

 

Ich biege ab, auf die Nebenstrecke nach Ramsau. Almen, Kühe, Glocken, kleine Bauernhöfe, Gerüche. Nix los hier. Super. 

Überhaupt sind in der ganzen Region wenig Touristen unterwegs. Einige, vereinzelte Wander. 

Später erfahre ich, wo die alle sind. 

 

Pflichtfoto Ramsau.

Beschauliche Pause. Keine Eile. Alles Perfekt.

Weiter. 

Ich biege um eine Kurve und Bumm, steht der Watzmann vor mir. 

Grandios!

 

Berchtesgaden. 

Ich bin da!

Zielfoto und Zeremonie. 

Der Ort interessiert mich nicht. 

 

Königssee. Hölle. 

Mit dem Fz kommt man nur auf 500 Meter ran. Aber hier will Ich sowieso kein Foto. Es ist voll wie auf dem Hamburger Dom (Jahrmarkt) am Sonntag. Und das außerhalb der Saison. Die Läden und Warensortimente gleichen auch dem Hamburger Dom. 

La Nonna wird zum Fluchtfahrzeug. 

 

Marktschellenberg. Letzter Ort Deutschlands. Aus Prinzip noch bis zur verwaisten Zollstation. Jetzt bin ich durch. Einmal Nord-Süd. 

 

Viel zu früh, und zu schön, da geht noch was. Seh mir noch die Gegend an. 

Rossfeldhöhenstraße könnte noch gehen. Und oben, beim Ahornkaser gibt’s den besten Apfelstrudel der Welt. Hausgemacht von der Kaserin. 

Privatstraße. Rundkurs, 16 Km, hoch auf  1600 M. ü. NN, für 5€ für Roller. Und jeden Cent wert!

Rauf: Der kurze Vierte kann verkauft werden, der Dritte gleich mit, 'n kurzer Zweiter wäre hilfreich, nach den Kehren immer im Ersten wieder los. 

Runter: Leerlauf, Motor aus, nach den Kehren beschleunigt‘s so schnell, dass ich niemanden aufhalten würde, ist aber sowieso niemand da, zwischen den Kehren Vmax 90 Km/h ohne Motor, 5 Km lautloses Schweben, die Bremse stinkt. 

 

Ich daddel so rum. Wäldchen, Gebirgsbach in der Sonne, Findlinge, Wasserfällchen, Geplätscher. 

Da wollen meine Füße rein. Ich brauche keine Pause, bleibe aber eine Stunde.

Bin wieder 8 Jahre alt, Papas Käfer parkt am Straßenrand. 

Weiter.

 

Hotel in Traunstein. 

 

Abfahrt 09:30

Ankunft Ziel Berchtesgaden 13:30

103 Km DFAO

152 Km Rumgedaddel

2 x tanken. 7,7 Liter

Regionales Essen: Risotto mit Schnittlauchsauce

Highlight: Der gesamte Tag. 

Eis des Tages: Pistazie in Haag

Gewinner des Tages: Die Reisedramaturgie. „Das Beste kommt zum Schluss!“

Sonderpreis: Laphroaig. Geht auch zum Entfetten der Backe für den Aufkleber.

Zitat des Tages: „Von Puttgarden??? Und das in Schlappen.“

Defekte: Keine Defekte

 

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Tag 8. Rückreise

 

In den letzten 6 Tagen (Tag 1 hatte ich ja vor ca. 3 Wochen separat erledigt) habe ich exakt 1900 Km zurückgelegt.

Ich bin nicht nach Berchtesgaden gefahren, um dort Urlaub zu machen, sondern wollte die Reise als Urlaub verbringen. Das hat wunderbar geklappt. Also kann ich jetzt auch zurück.

Seit Tagen kaue ich auf folgendem rum:

A) wenn ich nach München fahre und mir einen Transporter leihe, dauert das mindestens (!) einen halben Tag, bis es los geht. Plus Transporterrückgabe in SH. 

B) wenn ich in München „Auto im Zug“ nehme, das Gleiche, plus unbekannter Abfahrtszeit. 

C) ich will mir ein Fahrzeug leihen, um ein funktionierendes Fahrzeug von A nach B zu transportieren? Wie schwachsinnig ist das denn?!

 

Also: Rückreise auf zwei Rädern!

 

Diesmal aber anders. Ich nehme die größten verfügbaren Straßen, die nicht Autobahn heißen und so senkrecht wie möglich von Bayern nach Schleswig-Holstein zeigen. 

Handy vorne auf‘s Gepäck. Navi: „Schnellste Strecke, Aufobahn aus.“ 

Bin gestern ja schon ein Stück in die richtige Richtung verschwunden. Bleiben grob nur noch 900 Km nach Hause.

Beim Navi weiß ich immer, dass ich genau da ankomme, wo ich hin will... und nie, wo ich gerade bin. Weil ich mich nicht mit der Region beschäftigt habe. In diesem Fall egal, will ja nur nach Hause. Denkt man ...

 

Zunächst alles sehr schön. In Bayern kann auch die „schnellste Strecke“ ganz schön durch die Gegend wurmen. Toll.

 

Dann wird’s doch die klassische Umgehungsstraße, ich glaube B20. 

15 Minuten 90Km/h. 

Mir fehlen die netten Ortsdurchfahrten.

90 ... 90 ... 90

Ich seh nichts mehr. Irgendwer hat die Landschaft geklaut. Weiß nicht wie.

90 ... 90 ... 90

Wofür habe ich eigentlich einen Schaltroller?

Soll das jetzt 900 Km so weitergehen?

90 ... 90 ... 90

Ich hasse diese Piste. 

Nur Leitplanken. Muß weg hier. Ich habe echt den Hass!

Nächste Ausfahrt raus. Will jetzt schon Pause. 

Lande auf irgendeiner Straße. Nur Leitplanken. Kann nirgends anhalten. 

Ich komme nicht von dieser Straße weg. Werde weit abgetrieben. 

Dicht hinter mir drängelt ein Lkw mit 95. Allerdings reagiert er gut auf Handzeichen, als ich just in diesem Moment auf Reserve schalten muß.

 

12:45 Tanken in Straubing. 

Der Anschluß bei Straubing ist die B20. 

90 ... 90 ... 90

Sch...

 

Baustelle. Umleitung. 

Geil. Die Welt hat wieder Dörfer, Wiesen, Kurven, 4 Gänge. Das volle Programm. 

Leider nur 25 Km lang. Dann wieder B20. 

Am Ende der Beschleunigungsspur stehen zwei dicke Motorräder und schaffen es nicht in den fließenden Verkehr. La Nonna reichen die Lücken. Endlich mal ausdrehen müssen. 

Nach 3 Km 90, Vollbremsung. Stehender Verkehr. In der Ferne sieht man die Leute schon ausgestiegen und quatschend. 

Es ist viel zu heiß, geh kaputt. Italienische Fahrweise ist angesagt, vorbei am Stau. Der Bayer hupt gerne.

Nach 3 Km ein unübersichtliches Trümmerfeld, Polizei, Feuerwehr, Rettungswagen. 

Ein Polizist freut sich über den alten Roller und findet einen Weg, mich vorbei zu manövrieren. 

Hinter mir ist jetzt Ruhe, von vorne weitere Rettungswagen. 

 

Die B20 wird zur B22. Zunächst das gleiche Bild. Dann verschwinden die Leitplanken, wieder Landschaft, Hügel, alles wieder da. 

Ab jetzt ist der Tag nur noch toll, schwer zu glauben.

 

15:15 Tanken in Weiden.

Das Öl wird nicht reichen. Hatte 2 Liter dabei. Rückreise war anders geplant. Will ich an der Tankstelle 20€ dafür hinlegen?

 

Die „schnellst Strecke“ läuft eigentümlich. Kleinste Dörfchen und Sträßchen, links abbiegen, rechts abbiegen, Gässchen. 

Ich muss auf meinen Akku achten. Ohne Navi werde ich hier verenden. 

Aber es ist traumhaft schön. 

Die Vorderradbremse muß unbedingt nachgestellt werden. Jetzt nicht. 

An die Kupplung habe ich mich gewöhnt, werde mich auf keinen Fall wieder in den Dreck zu den Ameisen legen. 

Übermorgen. In Ruhe! Hebebühne. Bier.

 

17:45 Tanken in Gefell (?!)

Die Lehrlaufdrehzahl ist seit einiger Zeit zu hoch. Nebenluft?

Kerze sieht gut aus. 

Ich erinnere die Brezn vom Frühstücksbüffet, hab‘s mit Käse belegt und ab in die Jackentasche. Sieht jetzt aus wie ein Auflauf, kommt aber genau richtig gerade. 

Weiter. 

Ein Gedanke nimmt Gestalt an. Habe ich vielleicht „kürzeste Strecke“ ausgewählt?

Versuche mir eine Deutschlandkarte vorzustellen. Und eine Gerade zwischen Berchtesgaden und Lübeck. 

Ich bin im Osten!

!!! Die kleinen Orte, weit und breit kein Hinweis auf bekannte Ortsnamen, keine größeren Städte, die ungewöhnliche Simson-Dichte.

Egal. Hab ja Zeit. 

Und die letzten Stunden waren einfach perfekt. Unglaublich schön. 

Ich sollte mal gezielt hierher kommen!

 

Übernachtung in Jena. Radeberger. 

 

Spoiler:

Seit Tagen zeichnet sich ab, wer der Gesamtsieger in der Kategorie „Gewinner“ wird. Unangefochten!

We proudly present:

Der Schwingsattel!

Auf meiner Italientour mit der Veloce, ging täglich nach 200 Km das Gerutsche los, auf der Suche nach erträglichen Positionen. Dies sogar mit sinkender Toleranz, weil ein Po ja bekanntermaßen erinnerungsfähig ist und die vergangenen Tage berücksichtigt. 

Die Denfeld meiner T4 ist übrigens kein Deut besser. 

Heute, nach fast 500 Km und nennenswerter Vorgeschichte, ist alles vom Feinsten. 

 

Abfahrt 09:30

Ankunft 20:00

469 Km 

4 x tanken. 15,8 Liter

Regionales Essen: Radeberger ;-)

Highlight: Kein Highlight. (Fast) alles toll. 

Eis des Tages: Magnum  Classic an Tankstelle

Gewinner des Tages: siehe Spoiler

Defekte: Keine Defekte

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Ich hatte schon die Sorge, dass es auf deiner Rückreise keine mitreißenden Berichte mehr gibt. Lass dir ruhig Zeit auf dem Weg nach Hause, dann kannst du mehr schreiben. "Servus" ist übrigens eher unter Menschen üblich, die sich gut kennen und duzen. Wenn du Grüß Gott mit Servus erwiderst, ist das in der Freizeit kein Problem, gibst du dich ja als einer "von uns" zu erkennen, wenngleich beim sich anschließenden Ratsch (Smalltalk) schnell herausstellt, wo dein Kfz-Kennzeichen wirklich zu Hause ist.

Deine schillernde Beschreibung vom Voralpenland öffnet völlig neue Perspektiven. Wenn man da aufgewachsen ist, ist das leider alles ganz normal. Allerdings muss ich zugeben, würde ich mir in Schleswig-Holstein doch ein paar Hügel mehr wünschen. Ein Wildbach würde da ja auch gar nicht passen:muah:

Viel Spaß noch im Osten. Ich hoffe, die hupen nicht so viel. Aber Moment ... so wie ich dich kenne, wird das heute wohl deine letzte Etappe. Wirklich schade!

Vielleicht kannst du deine in den letzten Tagen gewonnenen Fans mal mit einem Kurzbericht über deine Anreise zum nächsten Supermarkt beglücken;-)

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Tag 9. Pronto

 

Geiles Wetter. 21 Grad C schon um 08:30. Aber extrem schwül.

Abfahrt 09:30

 

Tanken bei Jena.

 

Thüringen

Sachsen-Anhalt

 

Hier hat’s Platz. Ganz weite Landschaft, riesige Felder, kleine Dörfer, runde Kirche, die aussieht, wie die Gertreidesilos der landwirtschaftlichen Genossenschaft in Schleswig-Holstein, Hügel, Alleen. Nicht spektakulär, aber sehr sehr schön. Die Sicht ist weit, weil man sich so durch die Gegend hügelt. Tolle Rollerregion. Die Straßen werden gerader, zwischendurch immer mal schnelle Fahrt, aber genußreich, nicht hektisch.

Sehr schön alles.

 

 

 

Tanken in Mansfeld.

 

Ortsdurchfahrt.

Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Vor mir eine Kawasaki mit Fuchsschwänzen an den Lenkenden, hinter mir eine Simson, nicht weil es gerade Hip ist, sondern ganz offensichtlich seit über 30 Jahren im Erstbesitz.

Rote Ampel. Die Simson hält neben mir, ein altes, unrasiertes Gesicht strahlt mich an.

„Ist das ein Roller?“

„Ja, ein Roller“

„Noch aus DDR-Zeiten?“

„Das ist ein italienischer Roller.“

„Ach so. Läuft aber gut!“

Die Ampel wird grün. Ich frage mich noch kilometerlang, ob der mich verarscht hat.

 

Naumburg

Lutherstadt

 

Jetzt hin und wieder auch mal Umgehungsstraßen 90…90…90…

An roter Ampel will der Hermestransporter, der mehrere Kilometer hinter mir klebte, rechts abbiegen. Der volltätowierte Auslieferungsfahrer kurbelt das Fenster runter. Nicht um zu meckern. Er muss mir unbedingt mitteilen, das mein Fahrzeug eine Spitzengeschwindigkeit von 86 Km/h fährt!

 

Aschersleben

Es bleibt toll.

 

Ortsdurchfahrt.

Eine Biene knallt mir ins Gesicht, schafft es aber noch rechtzeitig, ihren Stachel unterhalb der Brille,

neben meinem linken Auge zu platzieren. Nothalt an Bushaltestelle. Tut weh, das letzte mal muss

vor über 30 Jahren gewesen sein. 

Als ich alarmmäßig den Helm entferne, sticht mir ihre Kollegin ins rechte Ohr.

(Anm. d. Red.: Das ist so unglaublich, spätestens jetzt wird wohl der gesamte Reisebericht nach dem Motto

„Erfundene Abenteuergeschichten a la Käpt`n Blaubär“ in der Versenkung verschwinden)

 Ich finde sie noch krabbelnd in der Ohrmuschel des Helms, während die erste Attentäterin auf dem Frontgepäck ablebt.

Nach diversen yogaartigen Verrenkungen vorm Spiegel, kann ich den Stachel am Ohr erhaben erkennen und entfernen. Um den anderen Stachel zu sehen, muss ich die Brille abnehmen. Ohne Brille sehe ich garnichts!

Ich brauche Hilfe.

Der Ort ist komplett verwaist.

Nach 10 Minuten finde ich einen einzelnen Bauarbeiter. Er spricht weder Deutsch noch Englisch und Handzeichen interessieren ihn nicht. Ganz offensichtlich störe ich beim Rauchen.

Zurück an der Bushaltestelle kommt auf der Gegenfahrbahn ein moderner Automatikroller angefahren, sieht mich fuchteln und kommt spektakulär bei mir zum Stehen.

Mirko ist auf dem Weg nach Hause, hat sich gerade in Hannover seinen ersten Roller gekauft.

Natürlich hilft er mir.

Kurze Erklärung, Brille ab. „Da hängt ja noch der halbe Arsch dran!“

Er braucht was Flaches, mein Leatherman scheint geeignet und nach kurze Zeit präsentiert er mir das Hinterteil.

Guter Mann !!!

"Ich könne ihm sicherlich auch helfen."

Sein Roller spring mit E-Starter an, läßt sich aber nicht kicken.

Da ich ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet bin, brauchen wir nur 10 Minuten um alle möglichen Knöpfe und Schalter zu versuchen. Zufall, oder nicht, bei gezogenem Bremshebel rechts, springt der Roller auch gekickt an.

Mirko wackelt sich zurück auf die Straße, ich verschwinde angeschwollen in entgegengesetzter Richtung.

 

Das Wetter bleibt strahlend, aber ich habe mal wieder Sturm. Vielleicht die Vorboten der Gewitter, die bei Lüneburg angesagt sind. Erleichterung bringen kleine Wälder, da liegt aber jetzt Holz auf der Fahrbahn. Eine Weile fahre ich hinter einem Traktor, weil meine unvorhersehbaren Windkorrekturmanöver ein Überholen nicht zulassen. Eine Stunde lang echt K(r)ampf.

 

Niedersachsen

Tanken in Helmstedt

Uelzen

 

Zunächst B4 Richtung Lüneburg. Die ist zum kotzen, ich weiß, wird aber später erträglich.

 

Tanken in Jelmstorf.

Ich tanke 3,5 Liter, für mehr habe ich kein Öl. Der Tank wird nicht voll.

Geschätzt noch 140 Km, das wird eng.

Neue Anweisung: Spritsparende Fahrweise!

 

Der Wind ist fahrbar geworden, ich umfahre Lüneburg großräumig durch tolle Wälder.

Das Navi ist aus, hier komme ich zurecht.

 

Bienenbüttel

Reinstorf

Bleckede

 

Elbuferstraße. Geile Gegend, geiles Wetter.

 

Pasta mit Schnickschnack (steht so in der Karte) in Lauenburg. Der Eisvogel ist nicht mehr da.

Weiter.

 

Hinter Lauenburg scheint die Sonne. Gleichzeitig Platzregen.

Diesen Triumph kann ich der Regenhose nicht gönnen. Kurz vorm Ziel gebe ich den Sieg nicht mehr her.

Nur Visier.

 

Starkregen im Sachsenwald.

Das Wetter bleibt jetzt so.

 

Schwarzenbek

Kuddewörde

 

Umschalten auf Reserve. Gefühlt noch 30 Km.  Müsste klappen.

 

Baustelle. Umleitung. Kann ich gerade gar nicht gebrauchen. 

Immer noch Starkregen.

 

Steinburg

Lasbek

Tremsbüttel

Fischbek

Elmenhorst

Sülfeld.

 

21:00

Fertig.

Ich bin nass wie `ne Katze.

In der Garage steht noch `ne Dose Gin Tonic.

Gute Garage!

 

 

Abfahrt 09:30

Ankunft 21:00

449 Km

4 x tanken. 14,27 Liter

Highlight: „Ist das ein Roller?“ 

Eis des Tages: Entfällt

Held des Tages: Mirko

Verlierer des Tages: Zwei Bienen

Defekte: Keine Defekte

 

 

 

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Mirko

 

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