Ich hatte es schon geahnt: Von meiner Haustür bis nach Korsika muss ich nur 30km fahren. Doch vorher kam der Autoreisezug, wo ich auch gleich mit dem "So etwas nehmen wir nicht mit; so was binden wir hinten dran" empfangen wurde. Schon um 10:02 Uhr, statt um 11:04 Uhr schlossen sich plötzlich - entgegen der Anzeige am Bahnsteig - alle Zugtüren, bis auf eine! Also Füße in die Hand genommen und doch noch mitgefahren. Ab Hannover fiel dann - trotz nagelneuer Schlafwagen - die Klimaanlage aus und bis Livorno fiel dann auch nach und nach der Rest der Elektrik (und somit auch die Wasserversorgung in den Waschräumen) aus, so dass wir morgens wegen der extrem vielen Tunnel im Stockfinsteren saßen und sich der italienische alkoholisierte DB Begleiter - der soeben erfahren hatte, dass seine Schlafwagengesellschaft in Konkurs gegangen und er somit nun arbeitslos ist - seine Finger am eigenen Feuerzeug verbrannte, als er einer älteren Dame beim Ankleiden etwas Licht machen wollte. An einer der Haltestellen stand der Zug vor einem roten Signal, aber da die Kfz Waggons am Zuganfang waren, standen nur diese am Bahnsteig. Der Zugführer ließ die Reisenden auf der linken Seite aussteigen und somit standen die meist älteren Reisenden mit ihren Koffern im Gleisbett, als der Zug von der Gegenseite auf sie zukam. Wie durch ein Wunder war aber Gott sei Dank nichts passiert.
Bis La Specia waren wir trotz aller Vorfälle sogar noch zu schnell, aber in Livorno kamen wir trotzdem 40 Minuten zu spät an. In Livorno ging es dann ohne Eingewöhnung in den italienischen Verkehr und zum Hafen, um mir ein Ticket nach Korsika zu besorgen. Dazu musste man nur die Treppenabsperrung im neuen Gebäude überspringen, um zur gelangweilten Ticketverkäuferin zu gelangen. Ich bin dann gleich dort geblieben und von 14:00 bis 18:00 Uhr mit der Fähre nach Bastia auf Korsika gefahren. Während der überfahrt konnten wir die amerikanischen Bomber sehen, die über dem Krieg in Jugoslawien ihre Bomben abwarfen, um wenige Minuten später wieder in entgegengesetzter Richtung die Fähre zu queren. Was für ein Verkehr in Bastia! Wie in Rom! Trotzdem schnell ein (zu teures) Hotel gefunden und erst einmal vom Anreisestress erholt.
Abfahrt wie immer, und doch sieht es immer etwas anders aus.
Weil oftmals nachts viele Standzeiten und Rangierarbeiten sind, sollte man die Gepäckträger komplett leeren. Sitzbank und Handfach verschließen, Benzinhahn schließen und Gummimatte sichern!
Fähre und Roller sind bereit; das Ticket wurde auch ergattert.
Rückblicke auf Livorno.
Für die übernachtungskosten hätten die Sterne auch vergoldet sein können...
3. Tag:
Bei der Abfahrt in Bastia habe ich dann doch glatt einen Vogelschiss mit der rechten Hand aufgefangen, aber im großen Verkehrsstau konnte ich einen "Brunnen" finden und sie reinigen. Heute ging es bis Aleria. Die Gebirgsstraßen sind fast alle noch im alten Zustand, d.h. sie sind nicht begradigt, sehr eng und steil. Das dauert zwar und kostet viel Zeit, macht aber auch viel Spaß. Außerdem sind die Straßen leer und die Autofahrer rücksichtsvoll! Deshalb sind hier wohl auch extrem viele Rad- und (deutsche) Motorradfahrer unterwegs. Schwere Lastwagen sind auf den Straßen extrem selten.
Genuesischer Turm von Nonza, wo 1768 ein Korse mit über Schnüren betätigten Gewehren den Franzosen eine ganze wehrhafte Kompanie vorgegaukelt hatte, während sich seine Kumpels aus dem Staub machten.
San Michele bei Murato aus weißem Kalk und dunkelgrüner Schiefer
Restonica Tal; hier ist die Luft so kühl, daß der Capitello See oft bis in den Juni gefroren bleibt.
Corte war zeitweise Hauptstadt von Korsika und einzige mit Universität
Fort Marta und Reste römischer Besiedlung in Aleria
mittelalterliche Zitadelle
4. Tag:
Zur Entspannung ging es heute Morgen erst an Korkeichen am Gebirge entlang, das noch etwas Wolken um die Hüften und ein wenig Schnee auf dem Kopf hatte. Danach wurde es richtig hart, denn die Straße im Gebirge war knapp einspurig und auch der 1. Gang fand reichlich Verwendung. In einem Nationalpark ist das auch OK und ab Zonza war die Straße wieder zweispurig autogerecht. Großartige Sehenswürdigkeiten sind auf Korsika nicht zu finden und so professionell wie in Griechenland oder der Türkei geht es hier noch lange nicht zu. Dafür sind die Eingeborenen sehr sympathisch und die Lebenshaltungskosten sehr hoch: 1,5l Cola kosten 3,40DM, 1 Liter Benzin mindestens 2,10DM, Ein Hotelzimmer ohne Frühstück 80DM.
Col de Bavella; einer der schönsten Pässe, bei dem man Ost- und Westküste bei gutem Wetter am Horizont sehen kann.
Jahrtausendealte Menhire von Filitosa zum Fernhalten von Feinden
Sartène, die korsischte aller Städte...
Bonifacio
5. Tag:
Heute Morgen habe ich die Fähre nach Sardinien genommen. Es waren nur 12km Wasserweg und eine Handvoll Passagiere an Bord. Die Landschaft ist sanft bergig und ziemlich kahl. Das Wasser sieht zwar toll aus, aber zuerst muss man sich zum Schwimmen einen Abhang hinunter hangeln; Sandstrände sind selten! Auch Hotels sind überraschend selten! Kein Vergleich mit Spanien oder Griechenland! So bin ich kreuz und quer bis in die Hauptstadt im Süden "Cagliari" gast 450km gefahren. Und selbst dort ist es trotz Fährhafens schwierig ein Hotel zu finden! Statt der Hotelsuche hätte ich lieber die nächste Fähre nehmen sollen, aber DIESE war nicht ausgeschildert! D.h. ich hänge hier eine Woche fest, die mir wohl später fehlen wird. Wie selbst die Postkarten zeigen ist es hier immer etwas diesig, d.h. ich kann keine Landschaftsaufnahmen machen. Dafür kann ich jetzt immer zwischen 13:00 und 17:00vUhr tanken, denn mittlerweile funktionieren die "Geldscheinautomaten" an den Tankstellen zuverlässig und in dieser Zeit habe ich die sonst schwach genutzten Straßen praktisch für mich alleine! Allerdings durchfahre ich dann Geisterstädte (alle Rollläden geschlossen, niemand auf der Straße...).
Letzte Blick auf die Festung von Bonifacio
Die Treppe des Königs von Aragonien führt über knapp 300 Stufen zum erfrischenden Meer.
Roccia del Elefante vor Castelsardo
Nuraghenfestung Nuraghe Su Nuraxi ca. 3000 Jahre alt.
6. und 7. Tag:
Irgendwie gibt es keine vernünftige Postkarte von Cagliari zu kaufen. Die Stadt ist ein wenig eng: Wohn-, Hafen-, Innenstadt- und Industriegebiet überlappen sich. Die Sehenswürdigkeiten hier wie auf ganz Sardinien kann man vergessen. Der Beweis? Es laufen hier kaum Asiaten herum, kaum einer spricht Englisch (inkl. Jugend!) geschweige denn Deutsch, d.h. es gibt auch keine Internetcafés. Trotzdem sind die Eingeborenen sehr hilfsbereit. Die Mädchen - alle schlang und handlich im Format - tragen übrigens keine Jeans, sondern schwarze Figurbetonende Hosen. Den (kurzen) Rock gibt es dann am Wochenende. Die von formbetont bis aufregenden Oberteile sind oft ebenfalls in schwarz. Mir hingegen macht schon die Umstellung von Hamburg auf knappe 30°C hier zu schaffen, zumal hier auch die in Italien üblichen Wasserspender am Wegesrand fehlen. Aber noch ist bis auf das Gras alles schön grün und blüht in allen Farben am Wegesrand. Doch kann man bereits auf den überlandstraßen Melonen kaufen. Die Stauseen in den Bergen sind dagegen ziemlich leer.
Cagliari
Bastione San Remy
Cathedrale Santa Maria del Castello
Wasserleitungen aus Kunststoff sind geduldig.
Torre dell'Elefante im Castello-Viertel
Römisches Amphittheater
Die überläufe sind nicht nur für Regenwasser. Und den Elefanten gefunden?
Rathaus von Cagliari
Panoramablick auf Cagliari von der Fähre aus.
8. Tag
Da ich keine Lust habe die heißen Sommertage in der Stadt in einem Hotel, in dessen Bett man jede Sprungfeder einzeln spürt, zu verbringen, habe ich die Vespa wieder bepackt und bin auf einer Schnellstraße Richtung Iglesie gefahren. Kurz vorher bei Domusnovus gibt es eine Tropfsteinhöhle, die man auf 900m befahren kann. Die Höhle war gesperrt, weil sie gerade für den Tourismus aufbereitet wird. Mit einer Handvoll deutscher Motorradfahrer durfte ich die stockfinstere, kalte und feuchte Höhle in einer Richtung durchqueren! Den Rückweg aus dem Tal habe ich dann auf auf Anhieb gefunden, obwohl er in keiner meiner Straßenkarten eingezeichnet ist! Durch das Gebirge ging es dann an die Südküste, wo ich dann ein Hotel ca. 40km vor Cagliari gefunden habe. Bei der Frage nach dem Preis konnte ich durch ein "o dio mio" den Preis von 5DM auf 80DM pro Nacht inkl. Frühstück senken. Das Hotel liegt mitten im Pinienwald, umgeben von Ferienreihenhäusern.
900m lange Grotta di San Giovanni bei Domusnovas.
Hotel
9. Tag
Heute habe ich nichts anderes gemacht, als mich an die Wärme zu gewöhnen und den Supermarkt zu gewöhnen. Im Hotel sind nur ein dutzend Gäste und dementsprechend ruhig ist es. Und ich bin der einzige Ausländer! Mittagessen gibt es von 13:00 bis 14:00 Uhr, das Abendessen von 20:00 bis 22:00Uhr; dann am liebsten Cornflakes, damit ich gut schlafen kann.
10. Tag
Am Vormittag bin ich nach Nora, den Resten einer römischen Stadt, 10km Richtung Cagliari gerollert. Man kann dort sogar die Be- und Entwässerungssysteme unter den Straßen sehen. Theater, Tempel, Häuser, Zisternen, Thermalbäder und Straßen, alles da! Und das auch noch beschildert und gepflegt. Da sind 5DM Eintritt OK. Vor Nora liegt Pula, eine Touristenstadt am Meer mit vielen Hotels und Stränden mit "Bild" Kiosk. Auch hier fehlen in den ersten Juni Tagen noch die Touristen, die das wohlpräparierte Bühnenbild zum Leben erwecken. übrigens gibt es hier in Italien nur sehr wenig Kinder; vielleicht liegt es an der Hitze, an der Religion liegt es wohl nicht... Am Nachmittag gab es dann Wäsche spülen, damit man mich nicht schon riecht, bevor ich angekommen bin.
Ruinen der antiken Stadt Nora.
11. Tag
Heute ist nur Entspannung angesagt! So habe ich am Vormittag Einkäufe erledigt und Postkarten geschrieben, sowie mich auf meine morgige Abreise vorbereitet. Am Nachmittag ging es dann am Hotelstrand endlich einmal schwimmen. Das Wasser soll 20°C haben, aber das trifft nur für die oberen 50cm zu. Nicht nur in den Straßen, sondern auch an den Stränden, gibt es Afrikaner, die z.B. Lederartikel und grüne Elefanten verkaufen wollen.
12. Tag
Dank des Sonnenbrandes war die Nacht etwas unruhig, aber Gott sei Dank ist es bis zum Mittag bewölkt. Jetzt reichen schon die Sonnenstrahlen auf das schwarze T-Shirt und alles brennt. Um 10:00 Uhr ging es an Raffinerien und Tankermolen vorbei zum Hafen von Cagliari. Jetzt warte ich hier 7h auf meine Einschiffung, aber man kann in der Zeit Postkarten schreiben. Zwei deutsche Motorradfahrer wollten mit der Fähre nach Neapel, aber die meisten Fähren verkehren nur wöchentlich. Und die Fährpläne liegen nicht öffentlich aus, aber ich hatte mir einen besorgt. Wie ich gerade sehe, fehlt am Visier meines Helmes eine Schraube...
Die Fähre hatte die Auffahrrampe geschlossen, aber noch nicht verriegelt, als zwei Autos hupend ankamen. Es waren zwei Franzosen, die dann doch noch mitgenommen wurden, so dass die Fähre mit 10 Minuten Verspätung Richtung Sizilien abfuhr. Mit einem Salami Baguette habe ich mich dann solange auf Deck begeben, bis ich an Sardinien vorbei war. Das Wasser ist hier übrigens dunkelblau.
13. Tag
Gegen 7:30 Uhr wurde ich wach und eine halbe Stunde später gingen die Anderen aus meiner Kabine in Trapani (auf Sizilien) von Bord, so dass ich die Kabine für den Rest der Reise für mich alleine hatte. In Trapani wurden die Zugänge® von drei verschiedenen Guardias überwacht. Und die aufgenommenen hatten dank gut gefüllten Dachgepäckträgern ihre Höhe verdoppelt. Das Ganze wird mit einem Teppich abgedeckt und mit wenigen Bändern gehalten. Sehr gefragt waren Kinderfahrräder. Ein deutsches Paar wäre fast nicht mitgekommen: Erst wusste er nicht, wie man die Motorhaube öffnet, dann fand man die Fahrgestellnummer nicht, dann stimmte mit den Papieren etwas nicht und dann fuhr er auf einen falschen Parkplatz und wartete dort fast zu lange. Ein ausgewiesener Afrikaner musste von der Polizei wieder mitgenommen werden, weil Fährgesellschaft Papiere fehlten. Nach fast drei Stunden ging es dann nach Tunis, wobei ich einen Großteil der Fahrt - wegen belegter Sitzplätze auf dem Deck - in der Kabine zubrachte.
Am Fähranleger kam die Fähre dann mit 11/4h Verspätung abends bei einbrechender Dämmerung an. Anschließend "bedienten mich noch 10 Uniformierte (einige mehrfach): Visa, Fahrzeugeintragung (sollte einen Dinar kosten, aber da man Dinar nicht ein- oder ausführen darf, konnte ich nur mit den Schultern zucken, was auch OK war) und Zoll. Beim Zoll mussten Alle alles auspacken, nur ich hatte Glück und durfte nach einem kurzen Gespräch, zwei weiteren Kontrollen und insgesamt einer 3/4 Stunde passieren. Neben dem Fährhafen gab es Sandstrand, viele Cafés, Restaurants, aber keine Hotels, denn es war nur ein "Ausflugsviertel" von Tunis. Schweren Herzens und mit dem Restlicht des Tages ging es dann über spiegelnden Asphalt über einen 12km langen Damm direkt nach Tunis. Nach 2km habe ich dann auf einer Hauptstraße einfach vor einem in Gold gehaltenen Hotel angehalten, mich nach dem Zimmerpreis erkundigt (70DM), den Roller in der Tiefgarage geparkt, das Gepäck hochtragen lassen, alle Klamotten vor mir geworfen (Ich war vorher der einzige mit Handschuhen...), geduscht und vor die auf 5°C eingestellte Klimaanlage auf das Bett gelegt. Plötzlich klopft es an der Tür. Normale Menschen hätten sich schnell ein Handtuch umgeworfen, aber so wenig Stoff reicht bei mir nicht. Der Bademantel hat auch nur Kindergröße, so dass ich ihn weder zu, noch die Arme herunter bekäme. Aber es findet sich Gott sei Dank noch ein großes Badelaken. Als ich öffne, übergibt mir ein Hotelangestellter meinen Reisepass, den die Rezeption noch gebraucht hatte. Da trifft ihn die Kühle meines Zimmers und ich dachte schon bei seinem einfrierenden Lächeln, er würde nun schockgefroren, aber er schafft noch die Kehrtwendung und ist sofort im Laufschritt weg.
Autos und Vespen nehmen bitte den Seiteneingang des Hotels
14. Tag
Eigentlich wollte ich am Vormittag einfach nur alle Sehenswürdigkeiten von Tunis abklappern, aber ein Tunesier versprach mir die Ausstellung einer handwerklichen Genossenschaft, die nur noch heute und bis 12:00 Uhr stattfinden (einmal jährlich) soll, zu zeigen. Natürlich ging es um Teppichverkauf. Aber jetzt kann ich zwischen marokkanischen, tunesischen und türkischen Teppichverkäufern unterscheiden, auch wenn sich diese SEHR ähnlich sind. Auf dem Rückweg habe ich mir dann noch einmal den Basar angesehen. Man wird dauernd angequatscht, aber wenn man den Mund hält oder notfalls auf Plattdeutsch antwortet, hat man seine Ruhe. Den Nachmittag habe ich mit einer aktuellen FAZ verbracht und abends ein scharf gewürztes Salamibrot mit einer Dose Cola für 1,20DM in einem Imbiss für Eingeborene gegessen. übrigens sehen weder die Bewohner, noch die Stadt, wie Afrikaner aus; ich könnte mich genauso gut in Spanien oder Griechenland befinden; da war Marokko ganz anders. Hier gibt es im Gegensatz zu Korsika und Sardinien Satelliten TV; der einzig deutschsprachige Sender ist Eurosport...
15. Tag
ich habe mich heute noch einmal aufgerafft, die (paar unwichtigen) Sehenswürdigkeiten von Tunis anzusehen. In der großen Moschee kann man nur (zum doppelten Preis von Salamibaguette mit Cola) einen Blick in den öden Innenhof werfen. Ein Kuppelgrab ist im Gewirr der Basargässchen schwer zu finden. Aber meinen Teppichverkäufer habe ich wieder gefunden und mich doch sehr gewundert, dass die Ausstellung immer noch lief, was er nicht plausibel erklären konnte. Reisegruppen laufen übrigens immer mit ein oder zwei bewaffneten Polizisten über den Basar. Unter dem Basar, neben der Prachtallee, gibt es ein modernes Geschäftszentrum, sogar mit Warenhäusern. Von der Moschee ist hier übrigens nichts zu hören, aber auf dem Zimmerspiegel weist ein Pfeil Richtung Mekkar.
Katholische Kirche
Französisches Tor
Ez-Zitouna-Moschee
Friedhof
Regierungssitz
Platz der Wende vom 7. November (1987). Das ist noch nicht lange her.
Vielleicht gibt es trotzdem mittlerweile eine neue Inschrift:
14.1.2011 Wende in Tunesien. Präsident Ben Ali verläßt das Land.
Flaniermeile in der Mitte der Prachtstraße "France Avenue".
16. Tag
Um nicht die ganze Woche bis zum Eintreffen der Fähre in der Stadt zu verbringen, hatte ich für die zweite Hälfte einen Badeurlaub in Hammamet (Ostküste) geplant. Also Vespa gesattelt, getankt und los ging es. Ich bin sogar gut aus der Stadt gekommen, weil ich bei meinen Spaziergängen bereits auf Straßenschilder geachtet hatte. Die Straße wurde dann rasch zu einer richtigen Autobahn, die erst durch flaches Land, dann durch bewachsene "Berge" führte. Was eben genug ist, wird als landwirtschaftliche Fläche genutzt. Bei sehr heftigem Gegenwind - ich schaffte teilweise nur 50km/h - und vor einer Mautstelle (1 Dinar) hält mich die Polizei an und will meine Papiere sehen. Noch während ich nach meinen Papieren suche, sagt der Polizist "OK" und lässt mich weiter fahren. Nach 60km in Hammamet angekommen - ein richtiges Touristenzentrum mit einem "Brauhaus" - finde ich auch ein kleines Hotel, bringe meine Sachen auf das Zimmer (23DM inkl. Frühstück) und muss meinen Reisepass vorlegen, den ich auch nach einer Stunde Suche nicht finden kann! Ein Anruf ergibt, dass ich ihn in der Garage meines vorherigen Hotels verloren habe und er dort von dem Personal gefunden wurde.
Bedeutung? Bushaltestelle HIER!
Hotel in Hammamet ist das große Haus rechts.
Hotel von hinten; "links unten" war mein Zimmer.
Blick aus Hotelzimmer; Friedhof fast wie Zuhause; garantiert Ruhe
Alter Stadtkern von Hammamet mit Gebetsrufer (schon ab Sonnenaufgang, da kein Touristenviertel). Dieser hatte einen Auszubildenden, der sich so dämlich anstellte, daß die genervten Hotelgäste den "richtigen" Text gröhlten. Dann hörte man über die Lautsprecher nur noch, wie der Auszubildende eines Tages deswegen kräftig eine gescheuert bekam...
Der Teppichhandel lief auch schon einmal besser.
Kleines Touristenviertel vor der Bucht von Hammamet und neben Altstadt mit Bier und Wiener Schnitzel und Eingeborenen auf Mobylette und Peugeot.
Bucht von Hammamet direkt neben der Altstadt
17. Tag
Ich habe gestern Abend bei einem Gespräch mit einem jungen Tunesier - Mann sitzt auf der Promenadenmauer und Frau promeniert - festgestellt, dass meine Uhr für tunesische Verhältnisse eine Stunde vorgeht. Es gibt hier nämlich keine Sommerzeit. Deshalb waren also morgens 6:00 Uhr meiner Zeit die Straßen immer so schön leer und deshalb musste ich beim Frühstück immer erst warten, bis die Brötchen vom Bäcker kamen! Mit dem Bus ging es dann innerhalb einer Stunde für 4,50DM 60km nach Tunis, wo ich dann meinen Reisepass abgeholt habe. Aber da ich keine Lust auf Großstadt hatte, ging es sofort wieder zurück nach Hammamet. Und zur Abwechslung gab es am Abend etwas Anständiges zu Essen: Wiener Schnitzel (rechteckig) mit Pommes für 12DM und Coca Cola 6DM und drei Kugeln Eis für 4,50DM. Ein Döner bei einem normalen Imbiss kostet übrigens 2DM und die Cola 60 Pfennige.
18. Tag
Heute habe ich nur meinen morgigen Ausflug vorbereitet. Der Flugsand ist hier nämlich ultrafein und da es ausgetrocknete Wasserflächen gibt, fliegt auch einiges an Salz durch die Luft. Außerdem ist absehbar, dass ich auch die anderen Ziele meiner Reise schaffen kann, trotz des langen Wartens! Nach dem Abendessen gab es ein großes Gewitter ohne Niederschlag.
19. Tag
Heute gab es einen kleinen Ausflug nach Kairouan. Dabei konnte ich sehen, dass es auf einer Länge von ca. 15km an der Bucht von Hammamet Hotels und Ferienwohnungen entstehen; da lohnt sich schon fast ein Flughafen. Die Straßen sind in gutem Zustand, aber leider (neu oder alt) sehr uneben, aber hier rast eh niemand, so dass man gut vorankommt. Die Landschaft ist eben und meist gibt es Getreideanbau. Neben Ziegen und Eseln gibt es auch Kühe und Schafe. Dromedare (hier Kamele) habe ich nur zwei gesehen; eines döste zusammengebunden auf einem Pritschenwagen. In Kairouan gibt es die älteste Moschee Afrikas, aber innen gibt es nichts Schönes! Ansonsten werden dort Teppiche und Töpfe in Handarbeit hergestellt. Die Nebenstraßen wirken alle, als hätte hier neulich ein Krieg stattgefunden und überall fliegt Plastikmüll (insbesondere Taschen) durch die Landschaft. Morgen geht es Gott sei Dank wieder zurück nach Europa.
Stadtplan von Kairouan. Warum Kairoan? Sie ist die vierte heilige Stadt der Moslems (neben Mekka, Medina und Jerusalem). Wer keinen Bock auf Mekka hat, kann ersatzweise sieben Mal nach Kairoan pilgern.
Obka Moschee von Kairouan
20. Tag
Eigentlich wollte ich eine Postkarte aus Karthago schreiben, aber ausgerechnet dort konnte ich keine auftreiben. Karthago ist heute ein Villenviertel und original Historisches ist kaum vorhanden (Und übrigens: Karthago muss zerstört werden!). Am Abend habe ich mein Restgeld in Getränken angelegt und bin dann nach einigem Papierkram auf der Fähre angekommen. Ich hatte mir extra einen Dinar für das Stempeln beim Zoll aufgehoben, den ich prompt nicht brauchte. Die Kabine auf der Fähre war bedeutend kleiner als auf der Hinfahrt und es gab keine Klimaanlage.
Wie in Hockenheim: Wer auf die Piste will, muß bezahlen...
..., aber die Klohäuschen sind schöner und man kann fast neben der Kloschüssel parken.
Die Reste von Karthago (teilweise fotografieren verboten, weil der Präsident nebenan wohnt)...
... ein römisches Theater und ...
... Tempelreste.
Warten auf die Fähre in Tunis...
... und im Hafen, wo sonst das "Show mir your Koffer Festival" statt findet.
21. Tag
In Trapani auf Sizilien habe ich heute die Fähre verlassen. Auf der Fähre muss man als Europäer rückwärts durch die Passkontrolle und es dauert dann statt zwei Stunden nur zwei Minuten inkl. nettem Gespräch mit dem Oberzöllner, der natürlich in Hamburg ausgebildet wurde. Pass- und Zollkontrolle an Land gingen fast im Vorbeifahren. Das schöne an süditalienischen Städten ist der chaotische Verkehr und die wenigen Wegweiser, die dann auch noch immer HINTER der Ampel stehen. So bin ich dann direkt in Palermo, statt vorher in Monreale gelandet und von dort ging es nach einiger Suche durch das Gebirge bis nach Sciacca, wo ich ein sehr gutes Hotel fand.
Römische Tempelreste auf Sizilien.
Oben schlafen (wo das Rollo etwas hoch gezogen ist) unten essen oder Eis schlecken und ganz unten parken; Servico tuti completti.
22. Tag
Während ich mich gestern durch engste und steilste Straßen/ Gassen bis nach Sciacca vorkämpfte, ging es heute auf Bundesstraßen ähnlichen Straßen erst einmal nach Piazzo Armerina, wo eine "Ex-Villa" mit 3500m² Mosaiken steht. Diese sind allerdings aufgrund des Sandstaubs nicht so farbenprächtig, wie auf den Postkarten. Nachdem ich dort eine Stunde zugebracht habe, ging es über sämtliche Bergkämme bis nach Siracusa, wo ich aber nicht mehr in Erfahrung bringen konnte, wann die nächste Fähre geht. Weil es dann schon ziemlich spät war, habe ich mir das nächste beste (zu teure) Hotel genommen und ich hoffe, dass ich auch hier den Roller wieder aus der Tiefgarage bekommen werde. Hoffentlich finde ich morgen auch ein Reisebüro, damit ich klären kann, wie es weiter geht.
Nix faule Südländer; jede Fläche wird genutzt und Tanken ist zur Siesta auch möglich...
Tempel bei Agrigento
Piazza Armerina/ Villa Romana del Casale
Der Bikini wurde ca 1950 erfunden? Ja, aber wohl eher vor Christi Geburt.
überraschung, weil in keinem Reisführer vorhanden.
Hotel mit Panzerglas
23. Tag
Heute Morgen hat eine Hotelangestellte bei einer Reiseagentur angerufen und mir eröffnet, dass entgegen der Info vom Fremdenverkehrsbüro Malta keine Fähren von Siracusa aus fahren! Heute oder morgen könnte ich um 21:30Uhr eine Fähre in Pozallo nehmen. So beschließe ich noch eine Nacht zu bleiben. Bis zur "Siesta" (von 13:00 Uhr bis 16:00/ 17:00 Uhr ruht das Leben in Italien) und am Abend schaffe ich es nicht ein Reisebüro zu finden! Siracusa selbst kann man getrost vergessen; es gibt absolut nichts sehenswertes, sondern nur Staub, Steine und Müll. Dafür sind komischerweise die Gehsteige OK. Busse und Polizei fahren übrigens auch in Einbahnstraßen in entgegengesetzter Richtung und das keinesfalls besonders langsam.
Siracusa
24. Tag
Nachdem ich den Roller aus der Tiefgarage gewuchtet und die Stadt Siracusa wunderbar einfach verlassen hatte, hatte ich plötzlich irgendwie das Gefühl neben mir zu stehen. Rollerfahren kann ich Gott sei Dank trotzdem, wenn auch mit ungutem Gefühl. Nach 11/2 Stunden in Pozallo angekommen, kann man den Hafen dank der Beschilderung nicht finden. Also immer bergab zum Wasser und Suchen. Einen leeren Schiffsanleger hatte ich dann auch gefunden. Alle Häuser in Strandnähe abgesucht und plötzlich fand ich das Büro einer unbekannten Fährgesellschaft. Nix wie 'rein! Der Katamaran für Kfz fährt jedoch erst morgen. Also Hotel gesucht und festgestellt, dass ich den Reisepass im letzten Hotel vergessen habe! Gott sei Dank bringt der Freund des Motorradfahrers an der Rezeption ihn am Abend aus Siracusa mit! Ziemlich elend fühlend packe ich erst einmal in das Hotelzimmer. Am Abend geht es mir fast wieder gut und ich plane meinen Urlaub mit den veränderten Daten noch einmal durch.
Hotel in Pozallo
25. Tag
Heute bin ich wieder einigermaßen fit. Am Vormittag besorge ich die Fährkarten. Pozallo ist übrigens ein blitzsauberes kleines Städtchen, wo man auch schon einmal den Schlüssel auf der Vespa stecken lässt, während man im Supermarkt einkauft. Niemand hat ein riesiges Ringschloss für seinen Roller. Trotzdem wird der Tag hart, denn es gibt keine Postkarten von Pozallo und die Fähre geht erst um 21:30Uhr, heute erst um 22:30 Uhr! Der Katamaran, der die Fahrpläne durcheinander würfelte ist eine alte Bekannte (oder ein Schwestermodell?): Captain Murphy's "Seacat" von der Isle of Man, mit der ich letztes Jahr zweimal fuhr. Sie braucht statt 8 nur 11/2h Stunden für die Strecke. Trotzdem sind wir erst gegen 1:00 Uhr in Valletta, der Hauptstadt Maltas angekommen und dann noch 1/2 Stunde Zoll wie in Tunesien (oder schlimmer, z.B. mit Fahrgestellnummer an Vespa vorzeigen). Die Straßen spiegeln wie wild und es sind (freitagabendtypisch) viele Halbstarke mit großen Stereoanlagen in Ihren Autos unterwegs. Und auch wenn hier kein Schild stand, so stelle ich doch schnell fest, dass hier Linksverkehr herrscht. Unter Mitnahme zweier Fußgängerwege habe ich dann um 2:00 Uhr ein Hotel für 60DM pro Nacht gefunden. Die Vespa übernachtet in der hoteleigenen Entladezone.
26. Tag
Nach der kurzen Nacht und gerade noch rechtzeitig zum Frühstück habe ich erst einmal Geld gewechselt (Heute ist Sonntag!) und erkundet, wo ich überhaupt angekommen bin nach meiner gestrigen Irrfahrt. Ich bin in Sliema gelandet und fahre mit der Fähre nach Valletta. Dort ist auch am Sonntag ein wenig Betrieb und es ist, als wenn ich plötzlich in einer anderen Welt bin: Andere Autos, andere Produkte, die Menschen und ihre Kleidung sehen ganz anders aus; ich könnte genauso gut in Brighton in England sein. Nur die Häuser sind statt aus Ziegeln aus gelbem Stein und haben Flachdächer. Und zum ersten Mal tauchen Mc Donalds und Burger King auf. Knielange Hosen werden von allen gerne getragen, solange die Beine hässlich genug sind.
So hatte ich um 2:00 Uhr vor dem Nebeneingang geparkt...
... das Hotel hatte ich in der Dunkelheit gefunden...
Und so ist die Vespa korrekt geparkt.
Blick vom Balkon auf das Meer (direkt Meer kostet mehr und ist heißer).
Wie in England...
...auch die Busse (zB mit Mittelmotor...).
27. Tag
Heute habe ich mir die Highlights von Malta angesehen; kann man getrost vergessen (auch hier keine asiatischen Touristen). Dafür taugen die Flickenteppiche, die man hier Straßen nennt, wunderbar zum Test, ob noch alle Schrauben festsitzen. Außerdem sind die Straßen z.B. im Kreisel hochglänzend und quietschen bei jeder Reifenbewegung. Das kommt daher, dass der Asphalt wegen der Hitze Härter enthält, der durch den Druck der Fahrzeuge an die Oberfläche kommt und somit die oberste Schicht bildet. Wenn man im Supermarkt mehrmals bei der selben Kassiererin landet wird man z.B. mit "Darling" angesprochen. Ungewohnt, aber nicht unangenehm. Und die "mittelalten" Frauen haben etwas dagegen, wenn die jungen Mädels hinter der relativ hohen Promenadenmauer vor dem kristallklaren Wasser nur ein Höschen anhaben, denn dann beugen sie sich (so weit es geht) hinüber und rufen: "Girls, not topless here!". Von meinem Hotel(bett) kann ich auf das Meer gucken und morgen geht es zurück; schließlich habe ich nur noch eine Woche Zeit.
Zubringer zum Flughafen.
Valletta (Hauptstadt von Malta). Nicht, dass man dort neugierig wäre, aber Balkone sind notwendig und müssen so aussehen...
Zwei baugleiche Busse zu finden ist sehr schwierig.
28. Tag
Heute bin ich um 4:00 Uhr aufgestanden, habe meine Vespa bepackt und bin um 5:00 Uhr auf leeren Straßen tatsächlich um 5:30 Uhr im richtigen Hafen gelandet. Dort habe ich dann erfahren, dass die Fähre heute nicht fährt! Einige andere Fahrgäste hatten sich fürchterlich aufgeregt. Und so bin ich dann wieder zurück zum Hotel, wo man sich wunderte mich so schnell wieder zu sehen. Ich habe mich dann erst zwei Stunden aufs Ohr gelegt, denn Frühstück gibt es hier erst ab 8:00 Uhr. Das Hotel wieder zu finden war übrigens gar nicht so leicht und die Straßen fingen sich schnell an zu füllen. Am Vormittag habe ich dann meine Reise auf Morgen umgebucht und bin bei Sturmböen spazieren gegangen und am Nachmittag habe ich ein paar Möglichkeiten für mein "Comeback" ausgearbeitet. Da der Wind zunimmt, bin ich schon auf Morgen gespannt, denn in fünf Tagen muss ich in Rimini sein um den Autoreisezug zu erwischen. Außerdem ist es hier teuer und langweilig und die hupenden Autofahrer nerven.
St. Anton Kirche in Mosta (Maria-Himmelfahrts-Kirche) für 12.000 Besucher. Zum "Inventar" gehört eine deutsche Fliegerbombe, die während eines Gottesdienstes zwar die Kuppel durchschlug, aber nicht detonierte, was als Wunder gewertet wurde. Die Bombe selbst ist im Kriegsmuseum ausgestellt.
Craft's Village mit vielen Handwerkern (Ritterrüstung, Messer, Silber, Leder, Glas...)
Vorschau auf das Plateau von Mdina auf dem Weg zum ...
... Tor von (der Hauptstadt zur Zeit der Ordensritter) Mdina
Kirche St. Paul's in Mdina auch wieder mit Uhren! Hatte leider schon geschlossen.
Hier gibt es nur Fahrzeuge der Einheimischen und Kutschen für die Touristen.
Blicke von Mdina ...
... und zurück durch das altes Stadtor.
Pauls Kirche in Rabat (unterirdische Grabkammern, Tische für Totenmahle...)
Hier geht es links in die blaue Grotte, wenn der Wind nicht zu stark bläst...
Fischerboote, wie vom Fremdenverkehrsamt bestellt, bei der ...
... Kirche von Marsaxlokk.
29. Tag
Die Fähre von Malta nach Pozallo (Sizilien) fuhr heute wieder nicht! Der wahre Grund dürfte nicht in einem Defekt, sondern in einem Mangel an Reisenden zu finden sein. Also wieder zurück zum Hotel, Ausschlafen, Frühstücken. Am Vormittag habe ich ein großes Reisebüro aufgesucht und siehe da, am Abend fährt ein RoRo-Frachter, der auch eine Handvoll Passagiere mit Kfz befördert und praktischerweise gleich bis Catania auf Sizilien durchfährt! Also ein bisschen Sightseeing (auf Malta gibt es übrigens alle Getränke außer Wasser nur in Glasflaschen oder Tetrapacks) und zurück in das gewechselte Hotelzimmer; dieses bezahlt und den Rest des Nachmittags entspannt mit der Reiseplanung verbraucht. Abends ging es dann auf den Frachter. Den Weg zum/ im Hafen kenne ich mittlerweile auswendig. Der Frachter ist in einem hervorragenden Zustand, aber da eine Kabine 150DM kostet, habe ich nur einen Pullmannsitz gebucht. Zusammen mit den anderen Fahrgästen nehmen wir alle Sitzpolster ab, teilen sie gerecht auf und schlafen auf dem Boden. Den Kapitän hielt wohl auch nichts mehr auf Malta, denn wir haben eine halbe Stunde vor dem Fahrplan abgelegt (und trotzdem waren alle Gebuchten an Bord). Wie oft üblich gab es bei der Ausreise nur Pass- und Kfz Kontrolle, aber keine Zollkontrolle. Also gibt es auch auf Malta nichts Wertvolles. Zweiräder sind dort übrigens relativ selten.
Endlich weg von Malta mit Blick auf Großmeisterpalast.
30. Tag
Frachtschiffe haben bei Häfen eine niedrige Priorität und so drehen wir ein paar Ehrenrunden, bevor wir von der Kriegsmarine begleitet in dem Hafen einlaufen. Pass- und Zollkontrolle sind schnell erledigt und so geht es entlang des ersten Höhepunktes, dem Vulkan ätna, um zweiten, den ich aber nicht finden kann (ein römisches Theater mit Zuschauerblick auf den ätna. Dafür ist der dritte Höhepunkt, die Krypta eines Klosters, in der sich die mumifizierten Leichen wohlhabender Bürger befinden (und die vor Jahren von Jugendlichen mit Farbe verunziert wurden), schnell gefunden. Dort verzichte ich auf den Kauf einer Ansichtskarte. In einem Reisebüro erfahre ich, dass die von mir anvisierte Fähre von Mozallo nach Neapel nicht um 17:20 Uhr, sondern um 14:30 Uhr geht! Also schnellstmöglich nach Messine, durch Messine durch, um die Nordostspitze Siziliens und ab nach Mozallo. Statt 50km Autobahn fahre ich über 90km Landstraße und komme erwartungsgemäß 20 Minuten zu spät an. Aber kein Problem, denn gut 200km westlich von Palermo aus fährt um 20:00 Uhr ebenfalls eine Fähre nach Neapel. Also ab geht es, doch die Landstraßen führen durch jedes Küstendorf und dort noch zur extra geschwindigkeitsbeschränkten Strandpromenade, so dass ich auch (wegen Verfolgung durch herrenlose Straßenköter und zwei Rollerfahrern, die stark an meinem Gepäck interessiert sind) dort 20 Minuten zu spät bin. Aber eine Alternative gibt es noch. Also Fähranleger gesucht, Polizisten befragt, Fahrkarte gekauft und ab auf die Fähre der Grimaldis nach Livorno. Dort will man mich einweisen doch schon der Hauch einer Hand- oder Armbewegung und ich weiß wohin ich muss; das ist wohl Lebenserfahrung. So donnere ich über die Rampe auf das Oberdeck, mache dort eine 180° Wendung um das stehende Vorderrad, brettere auf das Querschott zu und komme dann parallel zu diesem bei den ösen für Zweiräder zum Stehen. Das Personal ist nicht nur beeindruckt, sondern hilft mir auch bei der Gepäckabnahme und befestigt die Vespa liebevoll an den von mir gezeigten Befestigungspunkten. Normalerweise habe ich dann auf der linken Schulter die Gepäckrolle und an der Rechten Hand Helm und Tasche, um mich dann schwitzend und schnaufend durch selbsttätig schließende Türen und Mini Treppenhäuser zu zwängen. Nicht hier! Ein Mitarbeiter begrüßt mich freundlich, öffnet eine Tür und schon stehe ich auf einer Rolltreppe wie bei C&A! Am oberen Ende befindet sich nicht nur die Rezeption, sondern auch ein Fotograf und eine Stewardess und es wird ein Ankunftsfoto gemacht (8DM). Die Stewardess kann sich vor Lachen kaum halten, als ich mir erst einmal die Haare kämme, bevor der Fotograf in Aktion treten kann. Die Teppiche sind überall und sehr dick und die Kabinen sind sehr geräumig und komfortabel (beides Faktor 4 gegenüber den Englandfähren). Da die Fähre um 23:00 Uhr ablegt, packe ich mich, nach dem Sizilien am Horizont verschwunden ist, ins Bett und schlafe bis nächsten Tag 11:00 Uhr.
Straßenkarte HIER
Auf der Suche nach dem ätna
Die ehemalige, unscheinbare Klosterkirche von Savoca...
... birgt in seiner ein makaberes, geldbringendes Geheimnis:
Mumifizierte, vornehmste Bürger, die sich im 19. Jahrhundert präparieren ließen.
Das Schampoo des Schiffes ist wie das Wasser des Mittelmeeres: Je nach Sonnenstand und Intensität ist von dunkelblau über blau bis türkis alles möglich.
31. Tag
Um 14:00 Uhr mussten wir leider die Kabinen verlassen, damit sie für die neuen Gäste vorbereitet werden können, und so verlasse ich um 16:00 Uhr die Fähre in Livorno und fahre 20km nach Pisa und finde tatsächlich das Hotel, in dem ich 1993 schon einmal war. Nichts hat sich dort geändert; selbst die Tauben und den deutsche Lieder pfeifenden Papagei im Hinterhof gibt es noch! Also ab zum schiefen Turm, der jetzt zusätzlich von zwei Stahlseilen gehalten wird und in die damals ebenfalls besuchte Pizzeria.
Hotel Pisa tatsächlich in Pisa (Via A Mazoni)!
Der alte Stadtplan ist heute noch gültig und am Anfang der Fußgängerzone neben einem Café zu finden.
Chiesa di S. Michele in Borgo
Turm von Pisa, Kirchen sind eingerüstet, Turm wird durch Gewichte aufgerichtet.
Chiesa della Spina am Arno
Citadella
Chiesa di S. Paolo a Ripardano
32. Tag
Da ich für den Autoreisezug statt Livorno Rimini gebucht habe, geht es an Pontedera vorbei über Florenz (nur Stop auf der Aussichtsterasse, weil bekannt) und Forli nach Rimini quer durch Italien. 50km vor bis nach Forli heizen die Motorradfahrer wie die besengten durch die Berge wie auf einer Rennstrecke. In Rimini finde ich ein Hotel gleich am Bahnhof.
Zwischenstopp auf der Rennstrecke zwischen Florenz und Rimini in S. Benedotto.
33. Tag
Gut, daß ich in meinem Hotel bis 12:00 Uhr bleiben durfte, denn bis kurz nach 11:00 Uhr hat es doch tatsächlich geregnet! Die Verladestelle ist nur einen Steinwurf weit entfernt und bei Sonnenschein trudelten auch die anderen Fahrgäste nach und nach ein. Ein Autofahrer wollte aus Angst um sein Auto nicht neben den reich bepackten, schräg auf einem Seitenständer stehenden Enduros parken. Ich hatte einmal wieder die einzige Vespa und trotzdem die größte Entfernung zurückgelegt. Der Zug hielt dann noch ein paar mal in Italien und in Ravenna stieg eine alte Dame zu, die in meinem Abteil untergebracht war und die schon seit Jahrzehnten dort immer in der selben Pension einen preiswerten Sommerurlaub verbringt und die so die ganze Entwicklung Italiens mitbekommen hat. Der Zug ist übrigens ein TUI Ferienexpress und so gelangt man an einige Orte, wo man sonst umsteigen müßte.
Stadtrundgang in Rimini
Rathaus von Rimini
Strandleben in Rimini
34. Tag
Die Fahrt verlief normal und nach pünktlicher Ankunft in Hamburg Altona ging es erst einmal zum Mittagessen und Gleittagantrag in die Firma.
Bisher ist noch jeder Urlaub so geändet: Nach dem Wäsche- und Rollerwaschen kommt das Rasenmähen.
Epilog:
Dieser Urlaub kostete komplett (ohne Filmmaterial) 4500DM und somit 115DM pro Tag. Davon entfielen 1220DM für Fähren und 660DM für die Autoreisezüge. Preiswert waren Benzin mit 93 Litern und 2 Litern öl, aber ich bin auch nur 3000km gefahren, denn durch die Probleme mit den Fähren konnte ich den Stiefel nicht hinauffahren... Und eine Rückerstattung für die nicht genutzte Fähre von Malta nach Pozallo gab es wie erwartet auch nicht.
Und was ich mit dem Dinar aus Tunesien gemacht habe, wo ich doch immer ohne Restgeld heimkomme? Den habe ich einer Kollegin geschenkt, denn sie fuhr jedes Jahr nach Djerba (wohin ich auch wollte, was ich aber aufgrund des extrem feinen Sandes und der windigen Tage unterlassen hatte). Nur diesesmal bekam Sie neuen Monate nach dem Urlaub auf Djerba Nachwuchs. Der Tunesier, der die das gemacht hat, schiebt seitdem und bis zu seiner Rente, täglich im kühlen und nassen Hamburg die Hauspost seines Arbeitgebers durch die Flure...
Wie geht es weiter?
1992 . Mit der Vespa reisen? Ja, von Hamburg bis in die Lüneburger Heide (NL B F L D CZ)
1993 . Vespa Reisen! Tour der Kirchen (CH FL F MC I V RSM A SK H PL)
1994 . Vespa Reisen! Iberische Halbinsel; fahren satt (F AND E GBZ P IRL GB)
1995 . Planet Erde- ganz oben (DK FI S N)
1997 . Bei Griechen und Türken (I GR TR)
1998 . Vespa Reisen! Feuchtes Inselhopping (NL GB GBM IRL)
1999 . Vespa Reisen! Links des Stiefels (I F TN M) <--> Du befindest dich HIER!
2000 . Vespa Reisen! Olé und Tee! (F E GB GBJ GBG B NL)
2001 . Mit der Vespa reisen! Bis irgendwie nach Amerika! (DK N IS FO)
2006/1 Vespa Reisen! Berge, Meer, Stuten, Pizza wie Zuhause! (A SLO HR I)
2006/2 Vespa Reisen! Schlittschuhlaufen im Juni! (LT LV EST)
2009/1 Mit der Vespa reisen? Kurztrip Südskandinavien! (DK N S)
2009/2 Kleine Brückentour! (DK S)
Aber prinzipiell ist die Reihenfolge des Lesens egal.
Kommentare, Fragen, Anregungen bitte HIER.
Bearbeitet von CDI, 18. Februar 2012 - 23:02,

















